Der Glacekonsum schmilzt dahin

Die Schweizer essen so wenig Glace wie seit dreissig Jahren nicht mehr.

Glacerekord im Jahr 2003: Ein Mädchen bekommt Hilfe beim Eisessen.

Glacerekord im Jahr 2003: Ein Mädchen bekommt Hilfe beim Eisessen.

(Bild: Keystone)

Den Glaceherstellern gehen die Schleckmäuler aus. Noch nie seit 1979 wurde in der Schweiz weniger Glace gegessen als im vergangenen Jahr. Ein Blick in die Statistik zeigt: In den letzten zehn Jahren sank der Glacekonsum um über 10 Prozent – und dies trotz Bevölkerungswachstum.

2013 verzehrten Gross und Klein 43,25 Millionen Liter Speiseeis, wie dem Jahresbericht von Glacesuisse zu entnehmen ist. Im Vorjahr waren es gut 44 Millionen Liter gewesen, 2011 gar 47,3 Millionen Liter. Der absolute Glacerekord schrieb das Jahr 2003 mit seinem unvergesslichen Hitzesommer und einem Glacekonsum von über 55,5 Millionen Liter.

Weniger «Lutscher», mehr Cornets

Sowohl der Jahresbericht von Glacesuisse als auch die Webseite des Verbandes schweigen sich über den Grund für das markante Dahinschmelzen des Glacekonsums aus. Zehn schlechte Sommer in Folge können es nicht gewesen sein.

Die Statistik zeigt aber, dass sich der Strassenartikel «Lutscher» letztes Jahr weniger verkaufte, dafür aber Cornets beliebter wurden. Auch der Heimkonsum von Multipacks – Lutscher und Cornets – ging zurück. Dafür griffen die Grossverbraucher zu. Kein Wunder, schliesslich ist die Glace das mit Abstand beliebteste Dessert, wie Gastrosuisse im April bekannt gab.

Keine Glace während des 2. Weltkriegs

Die erste industriell hergestellte Glace wurde vor fast 90 Jahren in Bern verkauft: Sie ging anlässlich der Schweizerischen landwirtschaftilchen Ausstellung 1925 über die Theke. Während des zweiten Weltkrieges musste die Glaceproduktion eingestellt werden, wie der Verband schreibt.

Nach Kriegsende 1945 wurde die Herstellung des Speiseeises wieder aufgenommen und vier Jahre später wurde die erste Rahmglace hergestellt. 1963 wurde der Verband Schweizerischer Glace- und Eiscream-Fabrikanten gegründet. Heute, 51 Jahre später, heisst er neudeutsch Glacesuisse und vertritt die Interessen seiner Mitglieder.

Und Schweizer Glace scheint weltweit begehrt zu sein. Fast 1,2 Millionen Liter hat 2013 Russland einführen lassen. Belgien ist der grösste Abnehmer in der EU mit 911'000 Litern. Nach Frankreich wurden 456'000 Liter exportiert und Australierinnen und Australier konsumierten 359'000 Liter Schweizer Glace. Beliebt ist das Produkt auch in Taiwan, Hongkong, in Kasachstan, Pakistan und jüngst auch in China.

fko/sda

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