«Am Abend schlafe ich fern»

Wann schauen Senioren fern? Welche Sendungen mögen sie? Was nervt sie? Und zappen die Alten eigentlich genauso gerne wild herum wie die Jungen? Die Berner Rentnerin Theresia Salzmann (80) gibt Auskunft.

«Das Zeug regt mich auf»: Theresia Salzmann (80) in ihrem TV-Sessel. Bei Talkshows zappt sie weiter.

«Das Zeug regt mich auf»: Theresia Salzmann (80) in ihrem TV-Sessel. Bei Talkshows zappt sie weiter.

(Bild: Beat Mathys)

Frau Salzmann, es ist halb elf Uhr vormittags. Haben Sie heute schon ferngesehen?Theresia Salzmann:Ja, nach meinem Morgenspaziergang. Ich war unterwegs, nachher dachte ich: Jetzt noch ein bisschen in den Sessel hocken. Und was mache ich? Natürlich den Fernseher einschalten.

Was ist Ihre Lieblingssendung? Ich schaue gerne Krimis. Aber es ist nicht so, dass ich dafür extra einschalte. Ich drücke rum, und wenn mir etwas passt, dann schaue ich es.

Gibt es keine Sendung, die Sie nie verpassen? Doch, schon. Am Sonntagmorgen schaue ich immer Stefan Mross. Auf ARD. Volkstümlich, wissen Sie. Auch den «Musikantenstadl» sehe ich regelmässig.

Wie viele Stunden schauen Sie pro Tag ungefähr fern? Es gibt Tage, an denen ich zwei bis drei Stunden vor dem Kasten sitze. Es gibt aber auch Tage, an denen ich gar nichts schaue. Zum Beispiel heute Nachmittag mache ich an einem Spielanlass hier im Haus mit, da kann ich nicht fernsehen.

Und zu welchen Zeiten schauen Sie am meisten fern? Am Nachmittag bin ich viel am Fernsehen, am Abend dann am Fernsehschlafen. Weil ich wegen des Rückens gerade liegen muss, gehe ich schon um sieben oder halb acht Uhr ins Bett und schaue dann vom Bett aus. Und dann schlafe ich ein. Der Fernseher läuft dann manchmal die ganze Nacht (lacht).

Wie viele Sender haben Sie? Ach, viele. Ich schaue aber nur die ersten 26, das sind die deutschsprachigen. Die anderen brauche ich nie.

Welches ist Ihr Lieblingssender? ARD und ZDF. Und RTL schaue ich auch gern.

Was sehen Sie sich bei RTL an? «Einsatz in vier Wänden» zum Beispiel, wenn ich gerade darauf stosse. 3+ schaue ich auch gerne. Diese Krimis da, «CSI», die sehe ich mir oft an.

Nervt Sie Werbung? Ja. Da zappe ich weiter.

Was halten Sie von den nachmittäglichen Talk-, Richter- und Realityshows auf den deutschen Privatsendern? Gar nichts. Das Zeug regt mich auf. Die haben gar keine Achtung, nicht mal vor dem Schlafzimmer.

Welche Sendungen finden Sie lustig? Ach, wissen Sie, ich bin nicht mehr so fürs Lachen, das ist mir vergangen. Lustige Sachen sehe ich mir selten an.

Welche Sendungen finden Sie furchtbar? Liebesfilme, die amerikanischen. Da stelle ich sofort ab. Und Trickfilme mit Robotern, schrecklich. Die regen die Kinder ja richtig an, etwas Verrücktes zu machen.

Haben Sie einen Lieblingsmoderator? Nein, eigentlich nicht. Der Epiney, der machts noch gut. Aber wenn dann wieder etwas anderes kommt, schalte ich auch schnell wieder um.

Gibt es einen Moderator, der Sie schrecklich nervt? Nein, nein, so schlimm ist keiner.

Sehen Sie sich Nachrichtensendungen an? Gar nicht, nein. Da geht es ja nur ums Metzgen und Töten und Leute-Verachten. Das will ich gar nicht sehen. Das macht mich traurig. Tiersendungen sehe ich gern. Nur wenn sie mit einem Tierli zum Arzt müssen, muss ich wegschauen. Dann zappe ich weiter, warte ein bisschen und schalte erst zurück, wenn ich weiss, jetzt ists vorbei.

Fluchen Sie manchmal vor dem Fernseher? Fluchen ist mir nicht so gegeben. Aber Scheisse, das sage ich schon. Auch vor dem Fernseher, wenn einer einen Seich erzählt.

Wenn Sie einen Tag lang Chefin eines Fernsehsenders wären, wie sähe das Programm aus? Ich würde Tierfilme zeigen. Tiere sind nicht so verlogen wie die Menschen.

Immer mehr Menschen schauen heute im Internet zeitversetzt fern. Wäre das auch für Sie praktisch? Nein. Ich schaue, was gerade läuft.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Fernseher? Den kauften wir Anfang der 1960er-Jahre. Darauf mussten wir lange sparen. Ich erinnere mich, wie unsere zwei Kinder immer zu den Nachbarn fernsehen gingen, bis wir selbst ein Gerät angeschafft haben. Und dann sagte unsere Tochter plötzlich: Ich gehe lieber runter zu den Nachbarn, die haben das bessere Programm. Dabei gab es ja nur einen Sender (lacht).

Welche Sendungen haben Sie sich damals angesehen? Filme mit Ruedi Walter, Margrit Rainer. Oder Polizist Wäckerli. Diese Sachen haben alle geschaut.

Was ist besser: viele Sender zu haben wie heute oder nur einen oder zwei wie früher? Für die heutige Zeit ist Zappen sicher besser. So kann man wählen, das konnte man früher nicht.

Und was denken Sie, wie wird sich das Fernsehen in Zukunft verändern? Es wird noch schlimmere Sendungen geben. Aber das macht mir keine Angst. Dann schalte ich einfach ab.

Berner Zeitung

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