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Von wegen Tofu-Würstchen

Schluss mit Fleisch-Namen für Vegi-Produkte: Warum Frankreich Soja-Steaks und Quorn-Schnitzel den Kampf ansagt.

Sieht nach Fleisch aus – ist es aber nicht: Veganer Hotdog.
Sieht nach Fleisch aus – ist es aber nicht: Veganer Hotdog.
Thomas White, Reuters

Bei vielen Menschen, die sich fleischlos ernähren, kommt offenbar ab und zu die Lust auf ein Steak oder eine Bratwurst auf – besonders in der Sommerzeit, wenn an jeder Ecke ein Grill raucht und Dunstwolken von angekokeltem Fleisch durch die Quartiere ziehen. Fleischersatzprodukte gibt es mittlerweile in allen grösseren Supermärkten. In Frankreich hat das Parlament nun entschieden, dass diese Produkte künftig keine Fleischbezeichnungen mehr im Namen tragen dürfen.

Fake-Fleisch aus Soja & Co. darf also nicht mehr als «Steak», «Filet», «Wurst» oder «Speck» bezeichnet werden. Die neue Regelung trifft auch vegetarische und vegane Produkte, die als Milchprodukt-Alternativen vermarktet werden. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss eine Strafe von bis zu 300'000 Euro (rund 360'000 Franken) zahlen, schreibt der Telegraph.

Verwirrung bei den Konsumenten

Die Massnahme wurde in Form eines Änderungsantrags zum Agrargesetz vom Abgeordneten Jean-Baptiste Moreau vorgeschlagen. Er ist Bauer und Mitglied der Partei La République en Marche! von Präsident Emmanuel Macron. Moreau argumentierte, dass die derzeitige Etikettierung für den Konsumenten verwirrend sei. Diese könnten glauben, reines, hochwertiges Fleisch statt einer Fleisch-Soja-Kombination oder eines rein vegetarischen Produktes zu essen.

Moreau stützte sein Argument auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Dieser hatte im letzten Jahr entschieden, dass pflanzliche Produkte nicht als Milch, Butter oder Käse vermarktet werden dürften. «Es ist wichtig, falsche Behauptungen zu bekämpfen», tweetete Moreau. «Unsere Produkte müssen richtig gekennzeichnet werden: Die Begriffe Käse oder Steak werden für Produkte tierischen Ursprungs reserviert.»

Ersatzprodukte in der Schweiz beliebt

In der Schweiz dürfen Fleischersatzprodukte derweil weiter fleischige Namen tragen. Die Detailhändler wissen um die geheime Fleischeslust der Vegis und haben das Sortiment entsprechend mit Fleischersatzprodukten angereichert. Coop bietet etwa vegetarische Schnitzel oder vegane Landjäger, bei der Migros gibt es vegetarisches Cordon bleu, Burger oder Wienerli.

Die Fleisch-Alternativen sind beliebt: «Die Anzahl Leute, die sich vegetarisch ernähren, wächst, und somit wächst auch die Beliebtheit von solchen Produkten», so ein Migros-Sprecher. Die Verkäufe entwickelten sich positiv. Bei Coop seien vor allem Alternativen wie Gemüsebällchen, Falafel oder Kürbis-Burgern zunehmend gefragt, sagt eine Sprecherin. Die Nachfrage nach reinen Fleischersatzprodukten sei stabil.

Bei der Migros sind besonders die Nuggets von Cornatur beliebt. Diese sehen Chicken Nuggets zwar täuschend ähnlich – bestehen aber primär aus Sojaproteinen. Bei Coop ist das beliebteste Produkt das Délicorn-Tivali-Geschnetzelte – Sojastückli im Fleisch-Look.

Vegane Nuggets der Migros: (Bild: Migros)

Fraglich ist, was eine Regelung wie in Frankreich mit den Kunden machen würde. Würden die Schweizer Konsumenten, angenommen Tofuwürstchen und Soja-Geschnetzeltes dürften nicht mehr so heissen, diese trotzdem kaufen? Böse Zungen sagen: Insgeheim wolle der Vegetarier gar nicht auf sein Steak verzichten – und insgeheim schmecke der Tofufladen vom Grill wohl auch nicht gleich gut wie der Tofu-Burger. Denn zumindest bei einigen dürfte zutreffen, dass nicht nur das Auge, sondern auch der innere Karnivor mitisst.

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