«Unbedingt no meh ine stopfe»

Ein neuartiges Sponsoringprojekt, eine Anregung zum Selberbasteln, eine Rezeptsammlung oder einfach: Kunst. Piroska Szönyes Heidi-Kochbuch ist viel. Sattsehen kann man sich nicht.

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Nina Kobelt@Tamedia

Ist es Kunst? Ist es ein geniales Kochbuch? Ist es eine philosophische Auseinandersetzung mit «unserem» Heidi? Es ist von allem ein bisschen. Und noch mehr: Fragt man die Erschafferin dieses Kochbuchs, die Bündner Künstlerin Piroska Szönye, dann ist das Werk, das buchstäblich aus allen Nähten platzt, aber vor allem eines. Ein Stück vom Glück.

Wenn Heidi kochen würde

Unrecht hat sie ja nicht: Das Koch-Kunst-Buch ist eine Wundertüte, deren Fülle nie zu ver­siegen scheint. Und beim Durchblättern wird manch einer in Entzücken ausbrechen, vielleicht, weil die Fotografien toll sind (von Stefan Schlumpf), die Grafiken auch, vielleicht, weil man auf ein Rezept stösst, das man schon lange suchte, vielleicht, weil die eigenen, seit Jahren gehorteten Kochbücher genau so aussehen . . . Ja, dieses Sammelsurium von Kochideen, Kindheitserinnerungen und sonstigem Krimskrams, der mit Essen zu tun hat, entzückt selbst Hartgesottene.

Piroska Szönye wurde 1965 in Chur geboren. Ihre Vorfahren stammen aus Ungarn, und ihr Vorname hat dort ähnlich viel ­Gewicht wie bei uns «Heidi». Und ebendieser Heidi hat sich Piroska verschrieben. Schon länger schlüpft sie als Künstlerin in die Rolle der Romanfigur von Johanna Spyri. Weil Heidi, sagt sie, ja dann auch mal irgendwann erwachsen geworden sei. Und statt mit Geissenpeter auf der Alp zu spielen, habe sie Schweizer Starköche (wie Caminada zum Beispiel) eingeladen, für sie und ihre Leser einfache, einheimische Gerichte zu kochen.

Ja, man ist sich nie ganz sicher, mit wem man jetzt spricht: dem erwachsenen Heidi oder Piroska Szönye? Die Grenzen sind fliessend. Die Bündnerin hat eine gewichtige Berner Vergangenheit: Achtzehn Jahre hat sie im Kanton gelebt, anfangs in Gstaad, am Ende in Burgdorf. Hier hat sie auch einen heute engen Freund kennen gelernt: den ehemaligen Politiker und Unternehmer François Loeb. Natürlich ist er im Buch verewigt: Er steckt hinter dem Brief von «Alpöhi» (kleines Bild links). Aufzuzählen, was sonst noch zu finden ist in dieser Schatztruhe, würde zu weit gehen. Ein paar Müsterchen: Da gibt es Käse-, Butter-, Brot- und Fleischrezepte auf Käse-, Butter-, Brot- und Fleischpapier. Blumensamen aus Thun, ein Zuckertütchen, Zahnstocher, Heidi-Poster zum Herausnehmen, Kurzgeschichten (über Marroni zum Beispiel), Fleckenkunde, Buchzeichen in Form von Bündnerfleisch und wirklich sehr, sehr viel mehr. Eine von Piroska Szönyes Lieblingsseiten ist ein Rezept für «Schweizer Einheitsbrei», eine grafische Meisterleistung.

Nicht möglich ohne Freunde

Von den 4444 Exemplaren, die es vom Heidi-Kochbuch gibt, ist jedes ein Einzelstück. Über hundert Bekannte von Piroska Szönye haben ihr geholfen, die Bücher zusammenzusetzen, sie nennt es ein neuartiges Sponsoringprojekt: Gespendet wird nicht nur Geld, sondern Zeit und Freundschaft. Was das Buch wohl zu dem macht, was es ist: eine wahre Freude.

Doch wo soll es landen? Ist es ein hübsches Designobjekt für den Coffeetable oder ein Gebrauchsgegenstand? Die Künstlerin, deren Agenden und Notizbücher ungefähr so aussehen wie ihr Kochbuch, sagt: «Unbedingt no meh ine stopfe!» Ihr Wunsch sei es, dass das Buch zum Basteln und zum Sammeln anrege. Was es ohne Zweifel tut. Heidi & Friends Kochkunstphilosophiepoesiebuch von Piroska Szönye. 196 S., erhältlich ab 5. 10., 199 Fr. bzw. 222 Fr. (mit Koffer), limitierte Auflage, vorbestellen auf www.heidiandtheswissnessfeeling.ch.

Berner Zeitung

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