Schreck, lass nach: Bald spiessen wir Heuschrecken auf

Vielleicht sind sie die Nahrung der Zukunft. Und vielleicht ist das gar nicht mal so schlecht: Kochen mit Insekten. Mit Rezept.

Heuschrecken-Grillen-Spiesse Thailändische Art

Heuschrecken-Grillen-Spiesse Thailändische Art

(Bild: zvg/Nadine Kuhlenkamp / Kosmo)

Nina Kobelt@Tamedia

Kennen Sie den? «Herr Ober, in der Suppe schwimmt eine Fliege!» – «Keine Aufregung! Die isst nicht viel!» Heute noch ein Witz, ab vielleicht 2016 Wirklichkeit: Insekten sollen in der Schweiz als Lebensmittel zugelassen werden. Der Ober würde wohl aber erwidern: «Das ist keine Fliege, sondern eine Grille. Guten Appetit!» Die Zulassung von vorerst drei Insekten ist Teil einer umfassenden Revision des Lebensmittelrechts. Heimchen (eine Grillenart), Mehlwürmer und Wanderheuschrecken. Wer heute im Restaurant Insekten anbietet, braucht eine Sonderbewilligung. Auch im Detailhandel gibt es sie noch nicht: Wer Insekten kochen will, fängt sie selber, bestellt im Internet oder sucht allenfalls die Zoohandlung auf.

Ökologiestars

Wenn Sie jetzt denken, der Bundesrat habe zu viel «Dschungelcamp» geschaut, irren Sie: Laut UNO stehen für zwei Milliarden Menschen Würmer und Insekten auf der täglichen Speisekarte. Insekten sind, so schreiben die Autoren des neuen Buchs «Das Insektenkochbuch», schmackhaft und gesund, vor allem weil sie exzellente Proteinlieferanten sind und reich an Mineral- und Ballaststoffen. Auch in Sachen Ökologie brillieren Insekten. Als wechselwarme Tiere verbrauchen sie, im Gegensatz zu gleichwarmen Nutztieren wie Rind, Schwein oder Huhn, keine Energie dafür, eine konstante Körpertemperatur zu halten. Und schliesslich werden bei Insektenzucht deutlich weniger Treibhausgase produziert als bei der gängigen Massentierhaltung.

Die Nahrung der Zukunft also? Vielleicht. Wir nehmen übrigens schon heute Insekten zu uns, entweder in Form von Zusatzstoffen (E120 etwa, ein roter Farbstoff, wird aus getrockneten Schildläusen gewonnen) oder ganz banal als Produktionsrückstände via Dosentomaten, Weizenmehl oder Rosinen.

Rüsten, frittieren, geniessen

Zurück zum bundesrätlichen Speiseplan, vor allem den Heuschrecken (siehe Rezept). Wer eine Schalen- und Krustentierallergie hat, sollte vorsichtig sein. Für alle anderen eignen sich Heugümper wegen ihres nussigen Geschmacks zum Karamellisieren. Oder zum Frittieren und Rösten. Flügel und Hinterbeine (mit kleinen Widerhaken) sollten vor dem Verzehr entfernt werden. Der klassische Snack: Öl in einer Pfanne erhitzen, Heuschrecken einige Minuten darin frittieren. Auf Küchenpapier abtropfen lassen, mit Salz und Paprika, Chili oder Curry würzen. Dieses Rezept wie auch die «Heuschrecken-Grillen-Spiesse» stammen aus dem erwähnten Buch. Darin finden sich diverse Rezepte mit Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmern und Buffalowürmern. Allesamt, man muss es so sagen, ziemlich knackig!

Berner Zeitung

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