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In Bern hat man sie gern

Mandelbärli wurden 1989 geboren – in einer alten Zinnform für Schokoladenbären, die mit Kuchenmasse gefüllt wurde.

Wer den von Mandeln geprägten Geschmack des Originals nicht mag, kann ausweichen auf andere Sorten. Foto: Christian Pfander
Wer den von Mandeln geprägten Geschmack des Originals nicht mag, kann ausweichen auf andere Sorten. Foto: Christian Pfander

Sie haben eine eigene Website. Dort werden Gymnastiksäckli, auf denen ihr Name steht, verkauft, Poster und ein Bilderbuch; und es soll Leute geben, die süchtig nach ihnen sind: In Bern sind Mandelbärli kleine Berühmtheiten - sie werden ja auch nur hier verkauft (und in ausgewählten Coop-Filialen im Mittelland). Das ist hauptsächlich dem cleveren Marketing zu verdanken, aber doch auch der Tatsache, dass sie halt einfach gut sind. Vom Biss her erinnern sie an Madeleines. Wer den von Mandeln geprägten Geschmack des Originals nicht mag, kann ausweichen auf andere Sorten wie Kokos oder Zitrone, saisonal zum Beispiel auf Marroni oder Pistache.

Bern und Bären gehören zusammen, das ist seit dem 13. Jahrhundert so, als man einen Bären auf das Stadtsiegel setzte und wenig später entsprechende Münzen prägte. Der Legende nach war der Bär das erste Tier, das Stadtgründer Herzog Berthold V. von Zähringen auf dem ausgewählten Gebiet erlegte.

Heutzutage sind Mandelbärli manchmal das erste Gebäck, das Reisende zu sich nehmen – die Bäckerei Glatz betreibt unter anderem am Hirschengraben unter der Bahnhofswelle eine Filiale. Die Bärli werden seit 1989 gebacken, damals wollte die Firma zum 75-Jahr-Jubiläum etwas Spezielles machen. Deshalb holte man alte Zinnformen hervor, die man zu Beginn des Jahrhunderts angeschafft hatte - um Schokoladenbären zu giessen. Die Konditoren füllten diese mit Kuchenmasse, und das Mandelbärli war geboren.

Alle scheinen eine Meinung dazu zu haben.

Kein anderes Gebäck vermag in Bern so viel Emotionen hervorzubringen, abgesehen vom Zibelekuchen. Egal, wen man fragt, alle scheinen eine Meinung dazu zu haben, und sei es nur, weil man sie (nicht) mag. Geschäftsführer Thomas Glatz bestätigt: «Ich habe mir schon überlegt, Geschichten zu sammeln, bei denen sich zwei wegen eines Mandelbärli kennen gelernt haben.» Es gebe sogar einen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts, wo man sich auf die Bärchen beziehe.

Auch wenn sie nunmehr ganz Berner Institution sind, tüftelt die Bäckerei-Konditorei an Neuem herum. Ende Jahr will Glatz ein Schokoladenbärchen herausbringen – ein Praliné, das an die Anfänge erinnert und doch ganz modern ein Mandelbärli ist.

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In der Serie «Altbacken» stellen wir Bäckereien vor, die vom Aussterben bedrohte Backwaren herstellen oder historisch versiert backen.

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