Hilft Schnaps der Verdauung?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Gewisse Schnäpse helfen beim Verdauen, bloss: welche?

Gewisse Schnäpse helfen beim Verdauen, bloss: welche?

(Bild: PD)

Daniel Böniger@tagesanzeiger

Ja, nein und eben doch. So lautet meine dreiteilige und auf den ersten Blick etwas unklare Antwort auf diese immer wieder auftauchende Frage aus dem lukullischen Bereich.

Mir selber geschieht es, zugegeben, auch regelmässig, dass ich wieder daran zu glauben beginne, dass ein Gläschen Kirsch, Grappa oder Cognac (dies hängt davon ab, ob ich zuvor Fondue, Ossobuco oder Rindsfilet gegessen habe) beim Verdauen helfen könnte. Darum trinke ich dann so ein Schnäpschen, meine Verdauungsorgane werden vom hochprozentigen Alkohol betäubt, und ich spüre den Klumpen im Bauch nicht mehr. Also: Ja, für die Erste Hilfe ist mit einem «Verdauungsschnaps» gesorgt. Bloss: Einige Stunden später, nachts um etwa zwei Uhr, erwache ich jeweils wieder. Die im Kopf gefühlte Wirkung des Destillats ist verpufft, aber die Betäubung der inneren Organe hält an. Mit einem höchst unangenehmen Effekt: Die Verdauung steht nun komplett still, nichts rutscht mehr, keinen Millimeter. Ich falte dann jeweils das Kissen unter meinem Kopf doppelt zusammen und versuche mit fast aufrechtem Körper weiter zu schlafen. Egal, ob Fondue, Ossobuco oder Rindsfilet – kein schönes Gefühl. Es ist, man spürt es zu nächtlicher Stunde ganz deutlich, nicht nur das üppige Essen allein daran schuld, dass nichts mehr geht, sondern vor allem der Rum (nach Empanadas oder Bohnen), der Obstbrand (nach Wiener Schnitzel) oder der Wodka (nach Kaviar). Darum der zweite Teil meiner Antwort: Nein, Schnaps hilft überhaupt nicht. Freunde des hemmungslosen Genusses werden nun mit Sicherheit auf mein «eben doch» warten. Hier folgt es sogleich: Trotz allem gibt es Schnäpse, die beim Verdauen helfen! Nicht aufgrund ihres Alkoholgehalts, sondern wegen der Zutaten, die ihrer Rezeptur zugrunde liegen. Kräuterliköre gehören dazu oder gebrannte Wasser, die beispielsweise Anis enthalten. Ein Destillat möchte ich an dieser Stelle besonders herausstreichen: Geht es Ihnen nach dem Essen nicht besonders gut, trinken Sie einen Schluck Enzianschnaps. Der schmeckt zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, sprich: ziemlich medizinisch. Er hilft aber bei praktisch jedem Magen-, Darm- oder Verdauungsproblem. Man sagt sogar, dass man sehr alt wird, wenn man täglich ein Gläschen davon vor dem Frühstück geniesst… Wenn Enzianschnaps nix mehr nützt, sag ich einfach mal, dann sind Sie ernsthaft erkrankt. Dann müssen Sie keinen Kulinariker wie mich befragen, sondern besser ihren Arzt oder Apotheker.

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