Bier statt Puppen

In der Berner Marktgasse hat Roland Graber kürzlich einen auf «Craft Beer» spezialisierten Laden eröffnet. Rund 200 Sorten bietet er in seinem Gewölbekeller an.

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Der Begriff «Craft Beer» ist in aller Munde. Doch was heisst das eigentlich? Etwa seit den 1970er-Jahren hat sich in Nordamerika der florierende, von Hobbybrauern ausgehende Trend entwickelt, heisst es auf Wikipedia. Auch in und um Bern gibt es mittlerweile zahlreiche Mikrobrauereien. «Craft Beer» und «craft brewing» leitet sich aus dem englischen Begriff «craft» ab, was so viel wie «Handwerk, handwerklich arbeiten» bedeutet.

Kunden aus dem Welschland

Es war vor fünf Jahren, als Roland Graber mit seiner Frau Karin in La Chaux-de-Fonds auf einer Töfftour war. Dort wurde er auf das Craft-Bier mit dem klingenden Namen L’Abbaye de Saint Bon-Chien der Brasserie BFM aufmerksam. Es war Liebe auf den ersten Schluck. In den letzten Jahren hat sich das Ehepaar auf Craft-Biere spezialisiert; in Weiterbildungen und mit vielen Gesprächen und dem Besuch von Biermessen. «‹Craft Beer› ist eine grosse Leidenschaft von uns geworden. Wir haben uns gesagt: Da müssen wir etwas machen », sagt Roland Graber.

Gesagt, getan: Ihren Handpuppenshop im Gewölbekeller in der Marktgasse 38 haben Grabers aufgelöst, den Online-Shop haben sie verkauft. Als Unternehmer, Roland Graber arbeitet noch als Projektleiter Informatik und als Unternehmensberater, müsse man auch mal etwas wagen. Vergangenes Wochenende eröffnete der Laden mit dem Namen «Craft Gallery». Bereits habe sich der Shop herumgesprochen, «sogar aus dem Welschland hatten wir in den ersten Tagen schon Kunden», sagt Graber.

Von hopfenbitter bis fruchtig

Rund 200 Craft-Biere aus rund 15 Ländern stehen in den Regalen – man darf sie im Laden auch degustieren. «Das Sortiment wird sich laufend verändern», sagt Graber. Es sei zum Beispiel möglich, dass einzelne Biere in einem Jahr gar nicht mehr gebraut werden. Das sei typisch für Mikrobrauereien. Das günstigste Bier in der «Craft Gallery» kostet 3.90 Franken, das teuerste, dessen Flasche wie eine Chmapagnerflasche aussieht, kostet 24.50 Franken. Eines der aktuellen Highlights ist das 523-Bier aus Köniz, das andernorts längst vergriffen ist.

«Ob Geschmacksnerven, Gaumen oder Herz – in unsere Regale schaffen es nur Biere, die uns bewegen», heisst es auf dem Flyer des neuen Shops. Und weiter: «Für Brauereien gilt: Klein ist nicht per se gut – gross nicht per se schlecht. Hochwertige Biere sind sehr geschmackvoll, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. » Die Biere wurden von Graber deshalb in drei Intensitätsstufen unterteilt; in «ausgewogen», «komplex» und «intensiv».

Überhaupt legt Roland Graber viel Wert auf Beratung. Vor allem für Craft-Bier-Anfänger hat er Gallery-Matrix erfunden. «Die Tabelle zeigt in einer einzigartigen Übersicht, was man von welchem Bier geschmacklich erwarten darf», erklärt Graber. So sieht man auf einen Blick, wie unter anderem ein Amber, ein Lager, ein Pale Ale oder ein IPA schmeckt. Begriffe wie hopfenbitter, fruchtbitter, würzig herb, sauer, malzig, kaffeeartig oder tropisch-fruchtig tauchen auf dieser Matrix auf. (Bernerbär)

Erstellt: 15.03.2016, 08:43 Uhr

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