Politische Süppchen aus allen Landesteilen

Der Suppenweg der Schweiz wird von 7 Politikerinnen und 22 Politikern in 29 guten Gasthäusern gesäumt. Das Kernstück des Suppenbuches von Lilly und Stefan Kilchenmann vom Berner Restaurant La Soupe sind 33 historische Suppenrezepte aus allen Landesteilen.

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Wenigstens in diesem Buch löffeln die Politiker die Suppen auch aus, die sie anderen eingebrockt haben. Von Toni Brunner bis Géraldine Savary, von Christa Markwalder bis Natalie Rickli stehen sie Pate für eine Suppe aus ihrem Wahlkreis. Alles fein säuberlich aufgelistet, getestet und zu einem eidgenössischen «Suppenweg» zusammengefügt von der kulinarischen Expertin Lilly Kilchenmann, Betreiberin des Restaurants La Soupe am Berner Eigerplatz, und ihrem Ehemann Stefan Kilchenmann, als Leiter Public Affairs bei der Swisscom ein wichtiger Lobbyist in der Wandelhalle des Bundeshauses.

Das 300-seitige Buch ist eine Fundgrube für interessante Suppenrezepte und ein Ausflug in historische Speisekammern, in denen Gemüse, Fleisch, Weisswein und Käse dominierten. Gleich zwei Rezepte illustrieren, wie die Gastgeber einst in florierenden Gegenden wie dem Emmental und in Zürich ihren Wohlstand dezent mit dem Suppentopf demonstrierten: mit viel Safran in der Suppe. Fondueliebhaber finden Rezepte von diversen Käsesuppen aus den Berggebieten – etwa die Justistaler Wallissuppe, die jeweils beim Chästeilet vom Präsidenten der Alpgenossenschaft gekocht und von den Genossenschaftern gemeinsam aus grossen Töpfen ausgelöffelt werden muss.

Neben dieser währschaften Kost gibt es aber auch Leichteres: die Neuenburger Soupe à l’absinthe, eine Paprikasuppe, eine rote Randensuppe, eine Heusuppe aus der Surselva, eine Brennnesselsuppe aus dem Tessin und eine grüne Suppe aus Schaffhausen. Mit der Aargauer Chriesisuppe des Suppenpaten Bernhard Guhl ist sogar eine der seltenen süssen Suppen vertreten; sie soll 1418 in Brugg dem durchreisenden Papst Martinus serviert worden sein.

Zu jedem der 33 Rezepte bietet das Buch einen kurzen geschichtlichen Abriss und eine Empfehlung, in welchem Restaurant die regionale Spezialität genossen werden kann. Etliche Häuser der Spitzengastronomie befinden sich darunter – aber auch ein Bauernhof, eine Rottenküche oder abgelegene Häuser, die nur Wirtschaftsexperten, wie es Politiker nun mal sind, kennen. Das Buch ist (zu) reich illustriert und in munterem Plauderton gehalten. Auch wenn Lektorat und Finish sorgfältiger hätten ausfallen dürfen, bietet es doch reichlich Anregung für die Küche und ein paar Hinweise auf die Vorlieben und den Aktionsradius von Politikerinnen und Politikern.

Der Suppenweg historischer Rezepte der Schweiz, Lilly und Stefan Kilchenmann, Rubmedia. Bestellung: www.lasoupe.ch

Berner Zeitung

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