Small Talk

«Die ‹Low Carb›-Diät ist ein Hype»

Small TalkErnährungswissenschaftler Samuel Mettler sagt, dass Spitzensportler genügend Kohlenhydrate brauchen.

Kohlenhydratreduzierte Ernährung: «Man sollte es nicht übertreiben». Foto: Martin Ruetschi / Keystone.

Kohlenhydratreduzierte Ernährung: «Man sollte es nicht übertreiben». Foto: Martin Ruetschi / Keystone.

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Was ist derzeit bei Spitzensportlern en vogue bezüglich leistungsfördernder Ernährung?
Es gibt immer wieder verschiedene Trends, aber derzeit hip ist vor allem im Ausdauerbereich die sogenannte «Low Carb»-Diät, also die Idee einer kohlen­hydratreduzierten Ernährung.

Bedeutet das, dass die Sportler auf ihre gehörige Portion Spaghetti verzichten müssten?
Ja, das wäre die Konsequenz. Aber es ist auch als Hype zu sehen, der sich zum Teil aus der Geschichte der Ernährungsempfehlungen erklärt: Früher wurde eine möglichst fettarme Diät propagiert. Die Konsequenz war, dass viele hoch ­verarbeitete Produkte mit leichtverdaulichen Kohlenhydraten als gesund verkauft wurden. Bald zeigte sich, dass diese möglichst fettlosen kohlenhydrathaltigen Lebensmittel eben nicht so gesund sind, wie sie versprachen.

Und heute schlägt das Pendel zu sehr in die andere Richtung aus?
Genau. Eine adäquate Kohlenhydrat-reduktion ist zwar ein interessanter Ansatz für das Gewichtsmanagement – auch für Sportler.

Aber . . .
Man sollte es auch nicht übertreiben. Wer wirklich Leistung erbringen will, kann auf die Zufuhr einer bedarfsgerechten Portion Kohlenhydrate nicht verzichten. Die Kohlenhydrataufnahme in gewissen Trainingsphasen gezielt zu variieren, kann zwar durchaus interessant sein. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Strategien pauschal und längerfristig sowie in extremer Form eingesetzt werden. Unbestritten ist, dass die Leistung im Wettkampf durch eine optimale Kohlenhydratversorgung unterstützt werden kann.

Wie unterscheidet sich die Ernährung von Spitzensportlern von der allgemeinen Ernährung?
Eigentlich gar nicht so gross. Die Basis ist auch für Sportler eine ganz normale, ausgewogene Ernährung. Dann gibt es aber gewisse Zusatzanforderungen, die mit der Belastung zusammenhängen.

Die meisten Sportler kommen doch heute ohne Zusatzprodukte wie Energiepulver oder Protein-Shakes gar nicht mehr aus.
Man kann durchaus auch ohne Zusatzprodukte Leistungssport auf höchstem Niveau betreiben. Allerdings können diese dem Sportler das Leben organisatorisch vereinfachen.

Wie das?
In einem Regenerations-Shake sind zum Beispiel die nötigen Kohlenhydrate und Proteine schon im richtigen Mass drin und konsumfertig aufbereitet. Aber man erreicht die gleichen Ziele auch mit einer Energy-Milch oder einem Schinken-sandwich – und das ist oft günstiger. Studien haben schon gezeigt, dass eine Frucht-, Schoko- oder Energy-Milch die gleiche Wirkung hat wie ein Regenera­tions-Shake. Das Gleiche bei den Sport­lergetränken. Nehmen Sie einen Liter Wasser und 70 Gramm Sirup, dann haben Sie schon ein gutes Sportgetränk.

So, 26. Okt., 11 und 14 Uhr, ETH Hönggerberg, HCI, Raum J7. Treffpunkt Science City, Vortrag zum Thema «Ernährung und Leistungssport – was wirklich zählt». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.10.2014, 20:10 Uhr

Samuel Mettler

Der 35-jährige Ernährungswissenschaftler war Hürdenläufer und ist heute Dozent für Sport­ernährung am Departement für Gesundheitswissenschaften und Technologie der ETH Zürich.

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