Die «Fifa des molekularen Ragouts»

Die sogenannte San-Pellegrino-Liste, die jährlich die 50 angeblich besten Restaurants der Welt auszeichnet, ist arg unter Beschuss geraten.

Die 50 besten Gastgeber der San-Pellegrino-Liste anlässlich der diesjährigen Preisverleihung.

Die 50 besten Gastgeber der San-Pellegrino-Liste anlässlich der diesjährigen Preisverleihung.

Daniel Böniger@tagesanzeiger

Vor ein paar Tagen ist die von Gourmets heiss erwartete Liste der besten 50 Restaurants der Welt erschienen, wegen ihres Hauptsponsors auch San-Pellegrino-Liste genannt. Aufgeführt sind unter den Topplatzierten einmal mehr die Gebrüder Roca (El Celler de Can Roca, Platz 1) oder der dänische Koch René Redzepi (Noma, Platz 3) - erstmals liegt die mediale Aufmerksamkeit aber nicht nur auf diesen Gewinnern und, natürlich, den Verlierern des Rankings, sondern ebenso auf einer illustren Gruppe namens «Occupy 50», welche die Rangliste heftig kritisiert.

Die Liste sei «undurchsichtig, sexistisch und selbstgefällig», heisst es in der entsprechenden Petition, die inzwischen über 700 mal unterschrieben worden ist. Gefordert wird, dass die Sponsoren des Rankings auf ihr finanzielles Engagement verzichteten. Bekanntester Unterzeichner ist Spitzenkoch Joël Robuchon, der höchstdekorierte Küchenchef der Welt, was der Sache nicht nur in Frankreich Gewicht verleiht.

Belegt wird gar nichts

Manche Kritikpunkte sind nicht von der Hand zu weisen, etwa dass die Votanten - also Küchenchefs, Gastronomen, Restaurantkritiker und andere Vielesser - anonym abstimmen und ihr Urteil nicht zu begründen brauchen. Ebenso wenig müssen sie nachweisen, dass sie überhaupt in den bewerteten Lokalen gegessen haben. Auf der zugehörigen Facebook-Seite wird denn auch ein Journalist zitiert, der von der «Fifa des molekularen Ragouts» spricht.

Unter die Gürtellinie schiesst «Occupy 50» jedoch, wenn die Organisation behauptet, dass es in den mit Spitzenplätzen bewerteten Restaurants wie dem Noma, dem Fat Duck oder dem El Bulli (inzwischen geschlossen) um die Lebensmittelhygiene nicht zum Besten stehe, weil Gäste nach Restaurantbesuchen erkrankt seien. Oder dass «ungehemmter Sexismus» praktiziert werde, weil 2014 unter den Gelisteten nur eine Frau gewesen ist. Dass mal eine schlechte Auster auf den Tisch kommt, kann leider auch dann passieren, wenn das Berufsethos in einem Lokal hoch ist. Und weibliche Küchenchefs gibt es sehr selten - dafür kann die San-Pellegrino-Liste wenig.

Übrigens sind die Initianten von «Occupy 50» nicht grundsätzlich gegen Rankings: «Wir mögen ernsthafte Ranglisten, die für Verbraucher nützlich sind und die uns nicht betrügen. Oder lustige Listen, wenn deren Wertungskritieren transparent sind.» Da muss man sich fragen, ob Robuchon und seine Mitstreiter diesbezüglich womöglich einfach noch zu wenig konsequent sind.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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