Ach, Jamie

Eins war er der «Naked Chef» und kochte wild und lustig. Jetzt ist Jamie Oliver (40) erwachsen und wirft Superfood in seine Pfannen. Das ist nicht mehr so sexy.

Superkoch mit Superfood: Jamie Oliver war früher irgendwie cooler.

Superkoch mit Superfood: Jamie Oliver war früher irgendwie cooler. Bild: Paul Stuart/zvg

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Ich habe ja ganze Nächte mit Jamie Oliver verbracht. Das ist sehr lange her, so Ende 90er muss das gewesen sein, damals, als er sich noch «Naked Chef» nannte. Und ich noch Zeit hatte, bis morgens um drei fernzusehen.

Es waren schöne Stunden mit meinem Freund Jamie. In meiner Küche stand damals ein kleiner Röhrenfernseher. Manchmal sass ich einfach nur da und guckte und hatte Hunger, manchmal schaute ich die Aufnahmen (es gab noch sogenannte Videogeräte) oder ich kochte mit, denn die Zutaten in seinen Menüs schienen immer ein bisschen die gleichen zu sein. Jamie liebte, wie viele Köche, Knoblauch und Zitrone und ausserdem Pizzateig.

Seine blonden Engelslocken flatterten im BBC-Studio, und er redete wie ein Wasserfall, und zwar so, als ob er eine Karotte im Mund hätte («wo a cuk ä houm, is no wo a cuk ä wök), während er Pancetta ins Lamm stopfte. Bereits als Achtjähriger hatte er kochen gelernt, im Pub seiner Eltern in Essex, England.

Nach seinem Abschluss vom Catering College lebte er in Frankreich und Italien. Die berühmte Jamie-Oliver-Küche beruht auf der italienischen. Entdeckt wurde er 1997 im Londoner River Café. Das Restaurant gibt es heute noch, und Jamie Oliver ist nicht die einzige Berühmtheit, die dort gekocht hat. Auch Hugh Fearnley-Whittingstall war schon dort, ein anderer TV-Superkoch.

Quelle: Youtube

Doch keiner ist so gross wie Jamie – jetzt mal am Bekanntheitsgrad gemessen. Es ist tatsächlich so, dass er das Kochen sexy machte, so drückte man sich Anfang der Nullerjahre aus, als plötzlich auch Männer anfingen, an einem normalen Wochentag zu kochen, und als der Teigwarensalat (à la Jamie) auf jeder Party auftauchte. Der Naked Chef hatte auch eine Freundin, Jools, und sogar sie war sehr sympathisch (leider schrieb sie dann einen Schwangerschaftsratgeber, den niemand lesen wollte.)

Jedenfalls war Jamie Oliver perfekt. Und das sehr lange. Dass er kriminellen Kids half, ihrem Leben eine Richtung zu geben, dass er unermüdlich versucht, diese Welt zu einem besseren Essort zu machen und auch immer wieder neue, originelle Restaurants eröffnet.

Seine vier Kinder und Jools, mittlerweile seine Ehefrau, das Millionenvermögen, alles gut. Er führt einen schönen Blog oder Newsletter, und selbst wenn Familie Oliver ausgeraubt wird, so wie letzte Woche, bleiben sie ruhig. Nicht mal die Tatsache, dass der Koch seine Kinder mit im Essen verstecktem Chili straft, ist too much. Es ist lustig. Jetzt irgendwie nicht mehr. Sein neustes Buch heisst «Jamies Superfood». Klar, auch das ist eine Zeiterscheinung, klar, auch das hilft den Menschen, sich gesünder zu ernähren.

Aber Dinkelspaghetti und Obsttöpfchen mit Chia-Samen? Ach, Jamie. Da kann das Buch noch so persönlich sein (steht im Klappentext), viele tolle Rezepte beinhalten und dazu eine Abhandlung über Fett, Proteine, und so weiter. Ich mache es kurz: Jamie, my friend, du bist uncool.

Video: The Naked Chef - Season 1, Episode 1

Quelle: www.Youtube.com/CookingAdviser (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.10.2015, 11:01 Uhr

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