Zum Hauptinhalt springen

«Das ist die grösste Fehlentwicklung im Schweizer Tourismus»

Hansruedi Müller hat den Tourismus während dreissig Jahren wissenschaftlich begleitet. Er sieht den uferlosen Zweitwohnungsbau als grosse Bedrohung für den Tourismus-Standort Schweiz.

«Man strengt sich an, damit die Touristen kommen, doch eigentlich möchte man alles tun, um sie am Kommen zu hindern»: Hansruedi Müller.
«Man strengt sich an, damit die Touristen kommen, doch eigentlich möchte man alles tun, um sie am Kommen zu hindern»: Hansruedi Müller.
Franziska Scheidegger

Herr Müller, Sie haben betont, nach Ihrer Pensionierung nicht mehr für Tourismusfragen zuständig zu sein. Sind Sie die Thematik leid? Nein, überhaupt nicht. Aber ich habe einige alternde Tourismusprofessoren erlebt. Es ist gut, wenn es einen würdigen Abschluss gibt.

Sie sind seit 30 Jahren in der Tourismusforschung tätig und haben viel publiziert, 1989 etwa einen Artikel in der NZZ mit dem Titel «Bleiben Sie zu Hause – Abwehrreaktionen der Bevölkerung in Fremdenverkehrsgebieten». Was war das für eine Zeit? Ja, das sinkende Tourismusbewusstsein war tatsächlich einmal eine heftige Diskussion. Es gab damals auch Aktionen, in Küblis GR etwa wurden Kleber verteilt mit dem Text: «Juhui, ich bin kein Zürcher.» Jeanne Hersch hat damals gesagt: «Noch strengen sich die Einheimischen an, damit die Touristen kommen, doch eigentlich möchten sie alles tun, um sie am Kommen zu hindern.» Es ist zwiespältig, man braucht den Tourismus, um sich zu entwickeln, aber dann ist man nicht mehr unter sich. Auch die Berner sind ein wenig reserviert und fühlen sich bedrängt, wenn zu viele Touristen in der Stadt Bern sind.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.