Die Schule des Abschieds

Ausbildung

Sterben kann man nicht lernen. Aber Abschied nehmen. Ein neuer Kurs im Inselspital hilft Menschen, die anderen in den letzten Stunden beistehen wollen.

Überrascht vom Erfolg. «Weil wir so viele Anmeldungen erhalten haben, wiederholen wir den Kurs im nächsten Jahr», sagt Bestatter Beni Hochuli.

Überrascht vom Erfolg. «Weil wir so viele Anmeldungen erhalten haben, wiederholen wir den Kurs im nächsten Jahr», sagt Bestatter Beni Hochuli.

(Bild: Beat Mathys)

Laienlehrgänge für Sterbebegleitung waren bisher fest in esoterischer Hand: «Wir werden eins mit dem Kosmos», liest man in einer Ausschreibung. Eine andere Broschüre berichtet von «transpersonaler mystischer Erfahrung». Wer die esoterische Weltsicht nicht teilt, fand bisher kaum Angebote mit handfesterem Hintergrund.

Eine neue Ausbildung füllt jetzt diese Lücke. Die Firma Emch-Bestattungen organisiert im Berner Inselspital einen Lehrgang für nicht professionelle Sterbebegleiter. Er umfasst rund 16 Stunden, verteilt auf mehrere Tage im Dezember. Die Ausbildung kostet 1200 Franken. Drei Dozenten vermitteln das Wissen. Hauptreferent ist Beni Hochuli, der Geschäftsinhaber von Emch-Bestattungen, einem der grösseren Unternehmen dieser Art im Kanton Bern.

Börsenmaklerin nimmt teil

Die Teilnehmer lernen, was beim Sterben mit unserem Körper passiert. Sie begreifen, was Trauer heisst, und sollen den Hinterbliebenen beistehen können. Weil ein Unternehmen aus der Branche den Kurs organisiert, kennen sie auch die Formalitäten, die Bestattungsarten – und sie wissen, was Sterben kostet.

Bis jetzt haben sich 30 Interessierte gemeldet. «Wir werden den Kurs nächstes Jahr wiederholen», sagt Dozent und Bestatter Hochuli. Teilnehmer sind neben Laien unter anderem Naturheilärzte, Pflegefachkräfte, aber auch Leute aus der Versicherungsbranche und eine Börsenmaklerin.

Der Lehrgang endet mit einer Abschlussprüfung. Das Papier ist weder ein Fähigkeitsausweis noch ein staatlich anerkanntes Zertifikat. Es öffnet auch nicht direkt die Türen, um professionell in das Bestattungsgewerbe einzusteigen. Indirekt allerdings schon: Die Ausbildung sei eine mögliche Grundlage, um später über ein Praktikum in der Branche Fuss zu fassen, so Hochuli. Sein Unternehmen bietet den Kurs nicht an, weil Nachwuchssorgen drücken. «Wenn wir eine Stelle ausschreiben, erhalten wir bis zu 200 Bewerbungen.» Allerdings seien auch stets viele abenteuerliche Dossiers dabei.

Krisensichere Branche

Sterben muss jeder. Die Bestattungsbranche ist krisensicherer als andere. Sie sei ein Riesenmarkt, in dem auch wenig kompetente Anbieter mit überhöhten Preisen mitmischen, sagt Hochuli. Ein Geschäft also. Freimütig räumt der Chef des Bestattungsunternehmens ein, dass der Kurs finanziell rentiert. Den Erlös will Hochuli für ein ideelles Ziel einsetzen. Er möchte, dass die Bundesparlamentarier das Krankenversicherungsgesetz revidieren: Totgeburten sollen reglementarisch anders behandelt werden, sodass die Eltern nicht auch noch finanziell leiden müssen.

Infos: www.emchbestattungen.ch. Kursbeginn 1.Dezember.

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