Der Pionier will zurück an die Spitze

Er war ein Pionier bei den Veloanhängern. Doch dann liess sich der Schweizer Hersteller der Leggero-Wagen abhängen. Mit einem neuen Modell will er nun zurück an die Spitze.

Der neue Schweizer Anhänger: Leggero lanciert nun auch einen Einplätzer. Und schliesst damit wieder zu Thule und Croozer auf.

Der neue Schweizer Anhänger: Leggero lanciert nun auch einen Einplätzer. Und schliesst damit wieder zu Thule und Croozer auf.

Mathias Born@thisss

Dieses Gefährt ist wirklich multifunktional: Innert kürzester Zeit wird aus dem Veloanhänger ein fast normaler Kinderwagen. Einen Kniefall muss man dazu vor dem neuen Schweizer Anhänger, dem «Leggero Enso», nicht machen, denn die Vorderräder lassen sich herunterklappen. So zumindest wirbt der Hersteller.

Weitere Eigenheiten: Als bislang einziger multifunktionaler Wagen hat der «Enso» die neusten TÜV-Tests durchlaufen – sowohl für Anhänger wie für Kinderwagen. Und: Er verfügt über einen Stossdämpfer. «Einen solchen bieten nur wir», sagt David Fischer, Leiter Marketing und Verkauf beim Hersteller Brüggli Industrie aus Romanshorn. «Er schützt das Kind vor Schlägen und sorgt für Stabilität – ohne dass beim Treten ein ‹Nachziehen› zu spüren ist und Kraft verloren geht.»

Die Hauptkonkurrenten setzen auf Blattfederungen. «Die Materialkosten sind bei uns weitaus höher. Dafür sparen wir durch den Direktvertrieb.»

Sportlich und wendig

Nach dreijähriger Entwicklung zusammen mit den Innovationsspezialisten des ETH-Spinnoffs Tribecraft kann der «Leggero Enso» nun bestellt werden. Damit schliesst Brüggli eine Lücke im Sortiment: «Uns fehlte ein sportliches Einplatzmodell», räumt David Fischer ein.

Dieses sei ideal für Familien mit einem Kind, mit sehr unterschiedlich alten Kindern sowie bei knappen Platzverhältnissen. Das andere Leggero-Modell, der «Vento», ist wegen der Breite und der Aluminiumwanne eher sperrig. Der «Enso» hingegen lässt sich mit wenigen Griffen zusammenklappen, sodass er im Zug transportiert oder im Keller verstaut werden kann.

Der Pionier muss aufholen

Mit dem «Enso» will Brüggli wieder zur Spitzengruppe der Anhängerfabrikanten aufschliessen, zu der Thule und Croozer gehören. Dort war der Schweizer Hersteller, der geschützte Arbeitsplätze für Leute mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen anbietet, früher: 1989 lancierte er den ersten Kinderveloanhänger Europas und behauptete sich als Marktführer.

Dann kamen Konkurrenten aus Fernost. Und ein «Leggero» schnitt in einem Test der Stiftung Warentest schlecht ab. Das Management beschloss, keine Veloanhänger mehr zu produzieren und sich aufs Geschäft mit Hundeboxen fürs Auto zu konzentrieren – angesichts des kommenden Anhängerbooms wohl ein Fehler.

Im Jahr 2009 erfolgte dann der Neustart mit dem Zweiplätzer «Leggero Vento» – und neuem Vermarktungskonzept: Verkauft wird seither ausschliesslich über die Website. Dass Brüggli den Fachhandel grossräumig umfährt, trug dem teilweise von der öffentlichen Hand unterstützten Verein die Kritik ein, dass er Arbeitsplätze gefährde. Anderseits wäre ohne neue Ansätze ein Neustart bei den Anhängern wohl nicht möglich gewesen.

David Fischer freut sich, dass Brüggli im Veloanhängergeschäft wieder vorne mitmischen will: «Wir sind mit dem ‹Leggero› gross geworden. Da steckt viel Herzblut drin.»

Der neue Schweizer Anhänger kann unter www.leggero.ch bestellt werden. Ein Einzelmodell kostet 999 Franken. Werden drei «Enso» bestellt, kostet jeder 888 Franken.

Berner Zeitung

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