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Solarfirma im ÜberlebenskampfKurzarbeit bei Meyer Burger

Nach der Produktion in Deutschland hat der Solarzulieferer auch in Thun Kurzarbeit eingeführt. Betroffen sind hier rund 30 Angestellte.

Am Sitz in Thun gab Meyer Burger vor zwei Jahren die Produktion auf, nun werden in der Entwicklungsabteilung vorläufig die Pensen gekürzt.
Am Sitz in Thun gab Meyer Burger vor zwei Jahren die Produktion auf, nun werden in der Entwicklungsabteilung vorläufig die Pensen gekürzt.
Foto: Keystone-SDA

Die Corona-Pandemie stürzt selbst viele florierende Unternehmen in eine Krise. Für angeschlagene Firmen wie Meyer Burger erschwert die befürchtete weltweite Rezession den Kampf ums Überleben. Der Thuner Solarzulieferer tritt nun noch stärker auf die Kostenbremse. Drei Wochen nach der Produktion im ostdeutschen Hohenstein-Ernstthal führt er nächsten Montag auch an den beiden Schweizer Standorten Thun und Hauterive NE bis auf weiteres Kurzarbeit ein.

Von den noch 60 Mitarbeitenden am Sitz in Thun ist rund die Hälfte davon betroffen, vornehmlich Beschäftigte in der Forschung und Entwicklung. Strategisch wichtige Projekte würden aber möglichst verschont, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Schliesslich ist führende Technik der wichtigste Konkurrenzvorteil der Thuner. Um wie viel die Arbeitspensen insgesamt gekürzt werden, steht noch nicht fest. Kurzarbeit gilt ab nächstem Montag auch für rund 10 Angestellte im Forschungszentrum Hauterive.

Teppichetage spart auch

Das Management schnallt den Gürtel ebenfalls enger: Verwaltungsrat und Konzernleitung verzichten per sofort während der Corona-Krise auf 15 Prozent ihrer Entschädigungen. Dies als «Zeichen der Solidarität und zugunsten der Unternehmung».

Konzernchef Hans Brändle und Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf hatten beide bereits ihren Rücktritt angekündigt: Brändle ging per Ende März, Lütolf scheidet nach nur einem Jahr im Amt an der Generalversammlung vom 13. Mai aus. Wer neuer Präsident werden soll, wurde noch nicht mitgeteilt. Neuer CEO ist der bisherige Technologiechef von Meyer Burger, Gunter Erfurt.

Die Frage nach einer Sparmassnahme bei der Ausschüttung an die Aktionäre stellt sich bei Meyer Burger nicht. Das Solarunternehmen schreibt seit acht Jahren Verluste und entrichtete keine Dividende mehr.

Trotzdem haben die flüssigen Mittel per Ende 2019 auf 35 Millionen Franken abgenommen. Dabei muss im September 2020 eine Anleihe über 27 Millionen Franken refinanziert werden. Und bei den Aufträgen herrscht Flaute. Die Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers meldete im jüngsten Geschäftsbericht bereits «erhebliche Zweifel» an, ob Meyer Buger die Wende noch gelingt.

Tochterfirma verkauft

Um liquide zu bleiben, werden weitere Verkäufe von Unternehmensteilen geprüft. Die letzten Dezember angekündigte Veräusserung des Tintenstrahldrucker-Geschäfts in den Niederlanden konnte am Donnerstag vollzogen werden. Der definitive Verkaufspreis beträgt 4,1 Millionen Franken. Meyer Burger hatte einen etwas höheren Preis von rund 5 Millionen und einen Buchgewinn von rund 3 Millionen Franken angekündigt.

Die Hoffnung von Meyer Burger ist, dass die Nachfrage für die Solarindustrie bald wieder markant anzieht. Dies insbesondere wegen des Kampfs gegen den Klimawandel und des Ersatzes CO2-intensiver Stromproduktion (Kohle, Gas) durch Solarenergie.