Was nun, Mr. Tarantino?

Der US-Regisseur war Weinsteins grosse Entdeckung. Ob er je wieder einen Film drehen wird, ist fraglich.

Regisseur Quentin Tarantino redete sich um Kopf und Kragen. Foto: Reuters

Regisseur Quentin Tarantino redete sich um Kopf und Kragen. Foto: Reuters

Wird Quentin Tarantino je wieder einen Film drehen? Es ist eigentlich verrückt, darüber nachzudenken, aber noch viel verrückter ist ja, wie sich der filmisch sonst so beredte Regisseur bezüglich Roman Polanski um Kopf und Kragen redete. Dass die #MeToo-Debatte in Hollywood seit den Missbrauchsvorwürfen gegen Produzent Harvey Weinstein unaufhörlich alten Schmutz hochspült, ist kein Zufall, denn in Hollywood geht es um zwei Dinge – um Macht und um Geld. Das wird so bleiben, obwohl zu hoffen ist, dass die Entscheidungsträger aus den aktuellen Shitstorms etwas lernen, vor allem, was den Umgang mit Frauen betrifft.

Doch was bedeutet das für Quentin Tarantino? Nichts Gutes. Der US-Regisseur war 1994 die grosse Entdeckung von Harvey Weinstein, in der Folge entstanden sämtliche Tarantino-Werke unter dessen Patronat. Nachdem der mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs eingedeckte Weinstein im Oktober 2017 aus seiner eigenen Firma geflogen war, wechselte Tarantino für sein jüngstes Projekt über Serienmörder Charles Manson zum Hollywood­giganten Sony Pictures. Dort sicherte er sich ein imposantes 95-Millionen-Dollar-Budget und das Recht auf weitreichende künstlerische Freiheiten.

Man darf davon ausgehen, dass Sony Tarantino so rasch als möglich fallen lässt.

Was von der Filmbranche zunächst als ein Husarenstück Tarantinos gefeiert wurde, entpuppt sich nun allerdings als Bumerang. Denn Sony ist jene Firma, die Oscarpreisträger Kevin Spacey nach Belästigungsvorwürfen aus «All the Money in the World» (ab nächster Woche in den Kinos) entfernen und in Windeseile durch Chris­topher Plummer ersetzen liess. Nicht etwa wegen moralischer, sondern wegen finanzieller Bedenken. Der Imageschaden war zu gross geworden. Laut «Hollywood Reporter» müsste Tarantinos jüngstes Werk 375 Millionen Dollar einspielen, um den Break-even zu erreichen. Das ist, Stand heute, unmöglich. Man darf deshalb davon ausgehen, dass Sony Tarantino so rasch als möglich fallen lässt.

Tages-Anzeiger

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