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Verzückungen und Visionen

In seiner neuesten Ausstellung «Mystik – Die Sehnsucht nach dem Absoluten» widmet sich das Museum Rietberg in Zürich einem schwer fassbaren religiösen Phänomen.

Überragende Bedeutung des Lichts als göttlichem Quell: «Franz von Assisi und der Engel mit der Wasserflasche».
Überragende Bedeutung des Lichts als göttlichem Quell: «Franz von Assisi und der Engel mit der Wasserflasche».
Rietberg.ch

Im Mittelpunkt stehen Leben und Werk von vierzig Mystikerinnen und Mystikern aus sechs grossen Religionsgemeinschaften.

Wer diese Ausstellung besucht, begibt sich auf eine so anspruchsvolle wie reichhaltige Reise. Mehr als 150 Exponate aus Europa und Asien sind hier versammelt, darunter Heiligenbilder, Wandteppiche, Skulpturen und Schriftdokumente.

«Unser Ziel war es, eine kulturvergleichende Ausstellung zu machen», sagte Museumsdirektor Albert Lutz am Dienstag anlässlich eines Medienrundgangs. Dabei sei es nicht darum gegangen, zu zeigen, was Mystik genau ist, sondern deren Vielfalt deutlich zu machen.

Beeindruckende Präsentation

Dies ist dem Museum bestens gelungen. Wer die Herausforderung annimmt und sich von der Fülle an Kunstwerken aus Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Islam, Judentum und Christentum nicht abschrecken lässt, den erwartet eine beeindruckende Präsentation spiritueller Meisterinnen und Meister.

Die Ausstellung umfasst den Zeitraum vom 6. Jahrhundert vor Christus bis ins 19. Jahrhundert. Zur Auflockerung der dichten Anordnung tragen die eingestreuten Film-, Audio- und Multimediainstallationen wesentlich bei.

Dass die Ausstellung bei den christlichen Mystikern des Mittelalters beginnt, erleichert das Eindringen in eine religiöse Gedankenwelt, in der nach Vereinigung mit dem Göttlichen gestrebt wird.

In diesen Werken zeigt sich, welch überragende Bedeutung dem Licht als göttlichem Quell zukommt. Hier begegnet man etwa Franziskus von Assisi, Mechthild von Magdeburg oder Antonius dem Grossen, der sich als Einsiedler in der Wüste der Meditation verschrieben hatte.

Entscheidend für diese spirituellen Menschen war einerseits das Gebet, anderseits strebten sie danach, im Leiden eins zu werden mit Christus. Von diesem intensiven Trachten zeugt etwa die älteste bekannte Skulptur von Nikolaus von Flüe. Das um 1504 entstandene Werk stellt den Heiligen als knochigen Mann mit ausgezehrten Gesichtszügen dar.

Verbindende Themen

Auch wenn die einzelnen Mystikerinnen und Mystiker in ihrem kulturellen Kontext vorgestellt werden, treten die Exponate dank geschickter Anordnung in einen Dialog. Dass die erhabene Skulptur Bernhards von Clairvaux in einer Achse zu einem islamisch-persischen Objekt gezeigt wird, macht deshalb Sinn.

Beim Rundgang wird deutlich, dass es über die Religionsgrenzen hinweg verbindende Themen und Einflüsse gibt. So wirkten etwa die Ideen der antiken Philosophen Platon und Plotin sowohl im Christentum als auch im islamischen Mystizismus nach.

Und während in der christlichen Mystik der Aufstieg zu Gott zentral ist, geht es im Buddhismus darum, über einen Stufenweg zur Erleuchtung zu gelangen.

Die Ausstellung macht auch deutlich, wie sehr die Mystik zu einer künstlerischen Inspirationsquelle wurde. Davon zeugen nicht zuletzt die unzähligen reichhaltigen Bildwerke im Islam - einer Religion, die man gemeinhin mit einem Bilderverbot in Verbindung bringt.

SDA/lsch

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