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Witzig-absurdes Psychogramm der Managerwelt

Heute Freitag feiert die Theatergruppe des Gymnasiums Thun die Premiere von «Top Dogs» – einem gleichermassen witzig-absurden wie nachdenklichen Theaterstück.

Hoch gestiegen – tief gefallen: Drei der «Top Dogs» – (v.l.) Sofie Schüpbach, Marco Schibler, Jan Brönnimann – aus dem gleichnamigen Theater.
Hoch gestiegen – tief gefallen: Drei der «Top Dogs» – (v.l.) Sofie Schüpbach, Marco Schibler, Jan Brönnimann – aus dem gleichnamigen Theater.
zvg

Sie steigern das Bruttosozialprodukt – so wie im 80er-Jahre-Hit von Geier Sturzflug. Jedenfalls meistens. Doch nun sitzen sie in einer Selbsthilfegruppe namens New Challenge Company, die ihnen Halt und eine neue Perspektive bieten soll. Sie, das sind die Top Dogs – CEOs, Manager und andere Kaderleute, die normalerweise Angestellte entlassen und denen das Gleiche jetzt selbst widerfahren ist.

«Top Dogs» ist auch der Name des Werks, das die Abschlussklassen des Gymnasiums, der Wirtschafts- und Fachmittelschule (WMS/FMS) Thun heute Abend und vier weitere Male im Schadausaal des KKThun aufführen (Spieldaten siehe Kasten).

Schüler prägten Figuren mit

Die Vorbereitungen für das Theater laufen bereits seit einem Jahr. «Die Schülerinnen und Schüler waren eng in die Stückauswahl involviert», erzählt Deutschlehrerin Gabriela Schüpbach, die zusammen mit Lehrerkollege Lukas Hunziker diesmal für die Regie verantwortlich zeichnet. Die Wahl sei letztlich auf «Top Dogs» ge­fallen, weil es viele gleichwertige Rollen beinhalte und ein aktuelles Thema beleuchte.

Das Original des bekannten Schweizer Autors Urs Widmer aus dem Jahr 1996 ist sehr männerlastig und musste daher für die Thuner Version mit zehn Schülerinnen, drei Schülern und einer dreiköpfigen Band leicht umgeschrieben werden. «Viele aus unserem Ensemble haben dabei ihre ganz eigene Note in die Figuren eingebracht», sagt Schüpbach. «Die Charaktere haben mit der Zeit mehr Ticks, aber auch mehr Ecken und Kanten erhalten», beschreibt Fabienne Rieder, die im Stück Frau Knusper spielt, diesen Prozess. Und Jan Brönnimann alias Herr Krause hält fest: «Vieles ist natürlich überspitzt und utopisch dargestellt, aber das soll ja auch so sein.»

Von absurd bis nachdenklich

Die Inszenierung der Gymer-Theatergruppe lässt sich sehen: Die absurd-komische Note manifestiert sich auf der Bühne in ­diversen Sequenzen, etwa dann, wenn die entlassenen Top Dogs in der Selbsthilfegruppe an ihrer Körperhaltung und einem aufrechten Gang feilen müssen, um wieder Selbstbewusstsein zu erlangen und auszustrahlen. Es ist ein Running Gag des Stücks. Mit dem ständigen Einbau von Fachausdrücken und Anglizismen wird zudem die abgehobene Managerwelt persifliert. Da sind jedoch auch die nachdenklichen Momente, in denen die Top Dogs ihren vielen farbigen Scheinchen nachtrauern, von Rachefantasien getrieben werden oder in Selbstzweifel verfallen.

Das Werk ist sparsam, aber passend instrumentiert; bei den Requisiten beschränkt sich das Ensemble meist aufs Nötigste. Auffallend ist der regelmässige Einsatz von (Karriere-)Leitern. Da «Top Dogs» keine eigentlichen Hauptfiguren enthält, wirkt das Stück teilweise bruchstückhaft – eine etwas andere, aber durchaus spannende Theatererfahrung.

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