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Völlig vernebelt

Der Theaterschaffende Thom Luz präsentierte am Festival Auawirleben sein Stück. «Girl from the Fog Machine Factory» in der Dampfzentrale. Ein ebenso schräger wie poetischer Abend.

Faszinierende Nebelwelten: Tom Luz’ Stück handelt von einer untergehenden Nebelmaschinenfabrik.
Faszinierende Nebelwelten: Tom Luz’ Stück handelt von einer untergehenden Nebelmaschinenfabrik.
PD

«Wenn die Regie nicht weiterweiss, greift sie gern zu Trockeneis» ruft eine Figur irgendwann im Stück. Ein schöner Scherz – denn in «Girl from the Fog Machine Factory» des Zürchers Thom Luz werden Bühne, Publikum und Schauspieler regelrecht zugenebelt. Schauplatz ist nämlich eine Fabrik für Nebelmaschinen, die ihre besten Zeiten längst hinter sich hat. Ein Chef und vier Mitarbeitende suchen nach neuen Lösungen und generieren dabei schaurig schöne Nebelbilder. Der 37-jährige Thom Luz hat das Stück gemeinsam mit Bernetta Theaterproduktionen realisiert. Der sowohl in der freien Szene wie an Stadttheatern arbeitende Regisseur und Bühnenbildner wurde auch schon mit dem legendären Christoph Marthaler verglichen.

Im Rahmen des Theaterfestivals Auawirleben zeigt er mit «Girl from the Fog Machine» eine eigenwillige Perle. Es herrscht eine sinnlose Geschäftigkeit wie in einem Film von Jacques Tati (1907–1982). Kartonschachteln, Ventilatoren und ein verstaubtes Büro mit einem altmodischen Telefon bilden das Innern einer Fabrik ab. Ein Cello und eine Violine werden mal zur Untermalung schräger Szenen, mal zu aberwitzigen Experimenten genutzt.

Neues Leben in der Bude

Ebenso wichtig wie das Visuelle, ist im Stück die Akustik (Musikalische Leitung: Mathias Weibel). Bis der erste gesprochene Satz fällt, dauert es eine Weile. Schliesslich tauchen ein umtriebiger Chef (Samuel Streiff) auf und eine Mitarbeiterin (Mara Miribung), die ein Neonschild mit «Open» hochhält, das kurz darauf verlöscht. Absurde Power-Point-Präsentationen werden von Nebelschwaden unterbrochen, während der Chef in verschiedenen Sprachen ins Telefon spricht, er hätte kein Geld mehr.

Ein ungeduldiges Klingeln bringt neues Leben in die Bude. Ein Mädchen in einem roten Kleid (Fhunyue Gao) betritt die Fabrik. Die Mitarbeitenden begrüssen sie mit einem A-Cappella-Song im Zwanzigerjahrestil. Endlich jemand, der sich für die Erzeugnisse der Firma interessiert! Es wird dick aufgetragen und ganze Atompilze aus Trockeneis auf die Bühne gezaubert. Gar einen Roten Teppich rollen die Mitarbeitenden aus, um darauf eine Nebelschwade zu inszenieren.

«Jede Nebelschwade ist nur so gut wie die Geschichte, die sich dahinter verbirgt», lautet das Credo der Belegschaft. Um gute Geschichten zu finden, verfügt die Fabrik gar über eine Bibliothek in der sich sinnigerweise das «Kriegs-Wolken Tagebuch», «Die Geschichte der Unschärfe» oder «Fluoreszierende Nebelmeere» befinden. Das neugierige Mädchen wird in einer Nacht und Nebelaktion in eine Mitarbeiterin verwandelt. Sie trägt plötzlich nicht mehr ihr rotes Kleid, sondern wie die anderen einen blauen Overall und tüftelt eifrig mit beim Nebelherstellen.

«Die Nebelschwade tut nicht, was man von ihm beziehungsweise ihr erwartet», heisst es im Stück. Dass dieses Material unheimliches Potenzial hat, ahnt man rasch. Gerade wurde das Publikum mit poetischen Rauchringen unterhalten, um dann von einer ganzen Wand eingenommen zu werden. Das Einatmen sei ungefährlich, das Ausatmen könne tödlich sein, lässt eine Stimme wissen. Man taucht im Laufe des Stückes immer tiefer in den Nebel ein.

Die erste Nebelmaschine stamme aus Frankreich und sei bei einer Geisterbeschwörung eingesetzt worden, erfahren wir. Zwischen dem Besuch und einem Mitarbeiter (Sigurour Arent Jónsson) ergibt sich schliesslich eine kurze Liebesgeschichte, die sich gleich wieder in Nebel auflöst. Am Ende wird der schöne Dunst richtig böse und sorgt für apokalyptische Szenen. Mit reichlich Nebel und schönen Bildern im Kopf wankt das Publikum nach Hause.

Theaterfestival: Noch bis zum 19. Mai. www.auawirleben.ch

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