Nachhilfestunde in Geschichte

Murten

Sturmwind und Regen an der Premiere des Freilichttheaters «Helvetische Revolution» in Murten. Trotzdem blieb die Mehrheit des Publikum sitzen und applaudierte freundlich.

Die Opfer: Frauen und Kinder flüchteten vor den französischen Truppen, welche 1798 in die Schweiz einfielen.

Die Opfer: Frauen und Kinder flüchteten vor den französischen Truppen, welche 1798 in die Schweiz einfielen.

(Bild: Berner Bär/Alexandra Schürch)

Wie schön: Die Premiere des Freilichttheaters «Helvetische Revolution» beginnt mit Sonnenschein. Durch die Fenster der Kulisse leuchtet blau der Murtensee. Bald spazieren Menschen in historischen Kostümen über die Bühne. Aber die Ruhe dauert nur kurz. Eine Frau verkündet mit lauter Stimme, dass in Frankreich die Revolution gelungen sei, und ruft ihre Mitbürger auf, für die Freiheit zu kämpfen. Auf Geheiss von Schultheiss Friedrich von Steiger wird die rebellische Dame hinter Gitter gesteckt.

So beginnt in Murten die «Helvetische Revolution» – eine Idee von Freiheit, ein historisches ­etwas dialoglastiges Stück, von Mirco Vogelsang solide inszeniert. Eine Lektion in Geschichte, die den Einfluss der Französischen Revolution auf die Schweiz erklärt. Wer in der Schule gut aufgepasst hat, wird das Stück besser verstehen als jene, die wenig von der Zeit um 1798 mitbekommen haben.

Historische Persönlichkeiten

Auf der Bühne erscheint eine Vielzahl von Persönlichkeiten, die zur Zeit der Französischen Revolution gelebt haben und sich je nachdem für oder gegen diese Bewegung engagiert haben (siehe Kasten). In ausführlichen Dialogen diskutieren und streiten die Protagonisten auf der Bühne über die Hoffnungen und Gefahren, die von Frankreich ausgehen. So interessant die Gespräche über Rousseau und Napoleon sind. Für das Publikum auf der Tribüne sind eher die schwarzen Wolken besorgniserregend, die von Westen her aufziehen. Erste Tropfen fallen, Regenmäntel werden übergezogen, die von Sturmwinden geräuschvoll durchgeblasen werden.

Derweilen stehen die Franzosen vor den Toren Berns. Die Schweizer rüsten sich zum Kampf, und Johann Heinrich Pestalozzi sagt: «Wenn wir nicht mitmachen, werden wir besetzt.»

Ein Fremdkörper

Einen roten Faden durch die ­Szenen bilden die Auftritte von Daphné, einer jungen, gebildeten Frau. Sie war es, die in der ersten Szene für die Revolution plädierte. Nun will sie die Menschen mit geschriebenen Worten von notwendigen Veränderungen überzeugen. Die Journalistin ist eine fiktive Figur. Entsprechend fremd wirkt sie inmitten der historischen Personen und Schauplätze. Aber vielleicht gab es schon 1798 Vorkämpferinnen der Feministinnen. An diese erinnert auch Pestalozzis Ehefrau Anna (Valérie Cuénod), die sich bitterlich über ihren Ehemann beklagt, weil er als über 50-Jähriger noch ein Waisenhaus eröffnet, statt zu Hause Bücher zu schreiben.

Plötzlich realisiert Daphné, dass eine Revolution Opfer hinterlässt: vergewaltigte Frauen und hungernde Waisen. Die Realität holt aber auch das Frei­lichttheater ein: Kurz vor Schluss dominieren heftige Winde und Regengüsse die Szene. Etliche Zuschauer flüchten, während die Revolutionsbefürworter erwägen, in der Schweiz erstmals eine Volksabstimmung durchzuführen.

Berner Zeitung

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