Meister der gepflegten Beleidigung

Wenn Max Merker inszeniert, wirds rasant. Auch bei seinem Marx-Brothers-Abend mit Matthias Schoch. Bei allen bösen Witzen: Das im Theater Orchester Biel-Solothurn aufgeführte Stück hat Längen.

Im Spiegel-Sketch: Matthias Schoch und Max Merker spielen die Marx Brothers nach.<p class='credit'>(Bild: zvg / Joel Schweizer)</p>

Im Spiegel-Sketch: Matthias Schoch und Max Merker spielen die Marx Brothers nach.

(Bild: zvg / Joel Schweizer)

Michael Feller@mikefelloni

Schauspieler und Regisseur Max Merker wühlt gerne in der Kiste mit der Aufschrift «Humorgeschichte». Zusammen mit Aaron Hitz zeigte er 2015 in Biel und Solothurn «Lachen verboten», eine Hommage an Buster Keaton. Und jetzt sind die Marx Brothers dran. Die beliebte Komikertruppe aus den USA trat ab den 1910er-Jahren im Theater und später in Filmen auf und prägte ganze Generationen von Humoristen.

Der freche Groucho

«Before I Have to Speak I Have Something to Say»: Bereits im Titel der Produktion klingt die Absurdität an, die im Marx-Humor steckt. Und davon gibt es im 70-minütigen Theaterabend reichlich. Max Merker steht gemeinsam mit Matthias Schoch auf der Bühne. Die beiden spielen Sketche nach, schlüpfen in verschiedene Rollen.

Doch letztlich fokussieren sie auf Groucho Marx, einen von fünf Brüdern der Truppe, und auf Margaret Dumont, die die meisten weiblichen Figuren verkörperte, die von Groucho ihr Fett wegkriegten. Groucho war der erfolgreichste der Marx-Brüder, wenn auch nicht jener, der am besten mit seinem Geld umgehen konnte.

Seine Markenzeichen Zigarre und aufgemalter Oberlippenbart fehlten nie. Auch als er später auf NBC seine eigenen TV-Shows moderierte.

In «Before I Have to Speak» folgen sich die Witze rasant. Vor dem Spiegel ohne Scheibe trickst das Spiegelbild den Gespiegelten aus. Auch ein liebevoll absurder «Klopf-klopf»-Witz gehört zum Repertoire. Zuletzt treten Merker und Schoch in flauschigen Tierkostümen auf.

Humor auf Kosten anderer

Das sind Witze, die man auch auf Youtube finden kann. Doch je länger, je mehr schälen die beiden darüber hinaus eine kritische Betrachtung auf Groucho heraus: Sein Humor ging immer auf Kosten anderer. Die Sprüche sind rüpelhaft und oft abgrundtief böse, überraschend wie unvermittelte Ohrfeigen. Marx galt als ein ­Meister der Beleidigung. «Ich vergesse nie ein Gesicht. Aber in Ihrem Fall mache ich gerne eine Ausnahme» war eines seiner Bonmots.

Gegen Ende hat das «Marx-Reenactment» Längen. Nichtsdestotrotz: Es gibt viel zu lachen, denn die Absurditäten ziehen sich durch den Abend und drehen immer wilder. Wer derbe Sprüche aus dem letzten Jahrhundert nicht verachtet, ist bestens bedient.

Vorstellungen: Stadttheater Solothurn bis 26. 1., im Stadttheater Biel ab 10. 11. www.tobs.ch

Berner Zeitung

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