Madame Bissegger: Lauwarmer Badeplausch im Steinbruch

Die Geschichte um das «Chrüschbodebad» kann zwar nicht mit der tollen Bühne im Ostermundiger Steingrüebli mithalten. Standig Ovations gab es bei der Premiere vom Theater Madame Bissegger dennoch.

Subjekt der Begierde: Fönsle (Stefanie Bolzli) in der Füsschenwanne.

Subjekt der Begierde: Fönsle (Stefanie Bolzli) in der Füsschenwanne.

(Bild: zvg)

Michael Feller@mikefelloni

Bedächtig, aber weiss Gott skurril: Sie ist ein bisschen anders, die Welt der Bisseggers. Auf dem Chrüschhof herrscht Hochbetrieb. Im nahen Stollen wird gelocht und gesprengt, es wird geschrien und gefachsimpelt, das WC-Häuschen macht sich aus dem Staub, eine Geranienkiste hängt verkehrt rum, und allerlei abstruse Apparaturen komplettieren das Gewusel. Im Ostermundiger Steingrüebli, wo das Freilichttheater «Chrüschbodebad» gastiert, steht ein Wimmelbild von einer Bühne (Regie und Bühne: Thomas Scheidegger, Jan Messerli).

Dünn wie ein Rinnsal

Die Skurrilität ist das Markenzeichen vom Theater Madame Bissegger. Schräg ist auch die Story: Im Chrüschhof wird über einen Stollen eine Warmwasserquelle erschlossen, und bald sprudelt das Wasser stärker als erträumt. Der Clou: Das Wasser ist ein wahrer Jungbrunnen und hilft auch gegen Tobsucht und Übergewicht. Schon ist die Geschäftsidee geboren – und schon wird wieder gebaut: Jetzt wird der Hof zur Wohlfühloase Chrüschbodebad mit allerlei Wannen umfunktioniert. Parallel droht eine vertrakte Liebesgeschichte aus dem Ruder zu laufen. Dies wird aber mittels Maskenspiels verhindert. Am Schluss fahren zwei glückliche Paare auf die Doppelhochzeitsreise nach Paris.

Ja, dünn wie ein Rinnsal ist die Geschichte, aber diese ist beim Freilichttheater Bissegger eh höchstens die halbe Miete. Die knapp zweistündige Aufführung ist gespickt mit Anspielungen, Tricks und Gags. Als einmal das allzu mobile WC-Häuschen wieder aus dem Bild verschwunden ist, schüttet die Chrüschhof-Bäuerin den Inhalt ihres Nachttopfs doch tatsächlich auf den Boden. Ihr Sohn verfehlt den Haufen nicht und fällt hin. Grosses Gelächter. Und Staunen: Lassen die jetzt wirklich den Rechen am Boden liegen, mit den Zacken nach oben? Und dann steht einer drauf? Tatsächlich.

Ein Hauch Poesie

Es geht auch subtiler: Anlässlich der Bauarbeiten verfehlen herumschwingende Bretter wie im Buster-Keaton-Stummfilm die herumstehenden Leute, weil die sich zufällig rechtzeitig bücken. Hier zeigt sich durchaus ein Hauch Poesie. Doch als dann gebadet wird, folgen auf eine ausgiebige Wasserspritzerei die eher platten Tüechliszenen.

Es gelingt den badenden Chrüschhöflern immer nur knapp, die heiklen Stellen rechtzeitig zu bedecken, sehr zum Gaudi der Besucher. Bei diesem in die Länge gezogenen Turnerabend-Voyeurismus denkt man sich: Jetzt zeigt halt mal diesen Penis, dann haben wir ihn gesehen. (Wir sehen ihn nicht.)

Viel Slapstick

Der Charme des Grotesken, der im mit technischen Finessen ausgestatteten wandelbaren Bühnenbild steckt, wird durch gar viel vorhersehbaren Slapstick untergraben. Slapstick sei hier nicht verteufelt, braucht aber mehr Tempo und besseres Timing, als es das Schauspielquintett Eveline Dietrich, Stefanie Bolzli, Martin Kaufmann, Florian Butsch und Christian Gysi an den Tag legt. Man vermisst ein bisschen den knorzigen Chrüschhofbauern, den Regisseur Scheidegger in früheren Stücken gespielt hat.

Auch wenn die Geschichte weniger Zauber mitbringt als frühere Produktionen wie «Q=Kuh», zeigt sich das Premierenpublikum begeistert. Standing Ovations gibt es am Ende für einen unterhaltsamen Theaterabend.

Weitere Vorstellungen: Bis 19.9., Steigrüebli, Ostermundigen. Infos unter www.madamebissegger.ch

«Chrüschbodebad»: Mit der Espacecard profitieren Sie von vergünstigten Tickets. Bestellen: Tel. 0800 551800 (Gratisnummer) oder unter www.espacecard.ch. Die Anzahl Tickets ist limitiert.

Berner Zeitung

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