«Ich liebe es, Niculina zu spielen!»

Tabula Rasa setzt Tim Krohns neue Alpensage auf der Bühne um. Wie und für wen, erzählt die Schauspielerin Kathrin Brülhart Corbat.

Eine innige Beziehung: Niculina (Kathrin Brülhart, liegend) bei der Nona (Grossmutter, Franziska Senn).

Eine innige Beziehung: Niculina (Kathrin Brülhart, liegend) bei der Nona (Grossmutter, Franziska Senn).

(Bild: Ruben Dellers)

Tina Uhlmann

Kathrin Brülhart, wie sind Sie zum Stoff Ihres neuen Stücks «Niculina» gekommen?
Wir wollten ein Stück mit und über Sagen machen. Und weil Sagen in einigen Büchern von Tim Krohn eine zentrale Rolle spielen, sind wir auf ihn gekommen. Er habe da etwas in der Schublade, sagte er, wenn es uns verzaubere, mache er für uns eine dramaturgische Fassung daraus. Und so kamen wir zu dieser wunderbaren Geschichte «Niculins Reise in den Piz Spiert».

Was hat Sie daran besonders interessiert?
Die Themen Tod und Abschied, Trauer und Neuanfang. Als ich den Text vor einem Jahr zum ersten Mal las, war ich tief berührt. Genau diese Geschichte mit dem tröstenden Bild vom «See des Lebens» hätte ich meinen Kindern gern erzählt, als ihre Grossmutter unheilbar erkrankte und sie sie unbedingt wieder gesund machen wollten. Es gibt leider wenig Vergleichbares.

Wie haben Sie den Autor dazu gebracht, aus Niculin eine Niculina zu machen?
Wir sind zwei Schauspielerinnen! Anfangs war Tim Krohn nicht so begeistert, aus Niculin eine Niculina zu machen. Doch wie so oft: Aus dem Widerstand entstand eine Geschichte, die aufging. Und zwar so, dass nun in Krohns Buch die Niculina geblieben ist.

Sie spielen die Niculina. Wer ist dieses Mädchen?
Eine starke, mutige Persönlichkeit. Hat Lust aufs Leben, auf Abenteuer, auf Neues. Sie ist für mich sehr «farbig». Ich liebe es, sie zu spielen, ihren Weg zu zeigen: Niculina will ihre Nona um alles in der Welt retten, muss dabei ihre Ängste überwinden, durchhalten, an sich glauben... eine wunderbare Rolle!

«Anfangs war Tim Krohn nicht so begeistert, aus Niculin eineNiculina zu machen.»

Ist es schwierig, als Erwachsene ein Kind zu spielen?
Zu Beginn hatte ich Respekt davor, aber eigentlich ist es eine Rolle wie jede andere. Das Publikum soll beim Zuschauen vergessen, dass ich eine 50-jährige Frau bin. Das ist natürlich eine Herausforderung. Ich glaube, wichtig ist, dass man nicht versucht, «ein Kind zu spielen».

Übernimmt Ihre Partnerin Franziska Senn alle anderen Rollen?
Genau. Diese Rollenveränderungen werden in Renate Adams ­Inszenierung bewusst sichtbar gemacht. So wird das Thema Verwandlung, das wir in der Innenwelt beim See des Lebens finden, formal aufgenommen.

Für die Nona zum Beispiel wird Ladinas Rock von hinten über den Kopf gezogen, sodass es scheint, als hüllte sich die Grossmutter in ein Spitzentuch. Alles ein wenig Zauberei. Vor allem die Kinder im Publikum haben Spass daran.

Wen wollen Sie mit dem Stück ansprechen?
Ein breites Publikum, genauer: Menschen ab acht Jahren. Wir waren erstaunt, wie viele Erwachsene in den ersten Vorstellungen sassen und sich von der Geschichte verführen liessen. Der Tod ist in unserer Kultur ein Tabu. Wir möchten Gross und Klein dazu bringen, über ihn zu reden.

Theater Tabula Rasa: «Niculina». 27.10. Bern, La Cappella, 15 Uhr; 2.11., Werktag Bümpliz, 17 Uhr; 4.12. Bern, La Cappella, 15 Uhr; 7.12. Bätterkinden, Hagerhus, 17 Uhr. Weitere Infos: www.theater-tabula-rasa.ch/

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