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«Es ist alles monstermässig»

Publikumsliebling André Benndorff – bis vor kurzem Ensemblemitglied am Stadttheater Bern – spielt im Theaterprojekt «Balder Fly» der Gruppe Konsortium & Konsorten seine vorläufig letzte Rolle in Bern.

Im Theaterprojekt «Balder Fly» spielen Sie Balder Bärenzahm, einen 378 Jahre alten Zirkusartisten. Verraten Sie uns mehr über diese Figur?

André Benndorff: Balder ist ein Trapezkünstler, der als Kind unter einer Balder-Eiche ausgesetzt und von Zirkusartisten gefunden wurde. Balder durchläuft die unterschiedlichsten Abenteuer und Epochen. Er ist keine psychologisierte Figur, sondern eher eine Projektionsfläche. Am Ende kriegt er ein Angebot aus Hollywood und schlüpft in die Rolle von Buffalo Bill.

Tiere und Sensationen werden uns versprochen. Ist dieses Stück ein Zirkus oder ein Theater?

Wir bringen zwar echte Pferde in die Reithalle zurück, aber «Balder Fly» ist eindeutig ein Theaterprojekt mit starkem performativem Charakter. Es geht um Bilder und nicht, wie im traditionellen Zirkus, um eine Aneinanderreihung von Nummern. «Balder Fly» ist ein diskursives Volkstheater, das Gesellschaftskritik betreibt.

Was heisst das konkret?

Die Figur des Balder ist ein Sinnsucher. Er sucht die Utopie, wird aber ständig ausgebeutet. Am Ende kommt es zum «Verkauf aller Utopien», als Hollywood ihn ruft und zum dubiosen Westernhelden stilisiert.

Was ist denn so böse an Hollywood? Wünscht sich nicht jeder Schauspieler, von dort ein Angebot zu bekommen?

Natürlich ist Hollywood nicht gleich Hollywood. Es gibt ja auch sehr interessante Filme, die dort produziert werden. Doch eben auch jede Menge idiotischer Massenproduktionen, die für einen Schauspieler nicht von Interesse sind, in denen er sich «verkauft».

Als Buffalo Bill reiten Sie auf einem Westernpferd durch die Halle. Wo haben Sie das gelernt?

Tatsächlich bin ich ein guter Reiter. Ich war als Dreizehnjähriger während zwei Wochen in den USA und habe dort auf einer Ranch als Viehtreiber gearbeitet. Ich hatte zuvor Unterricht im Quarter Horse Western Riding. Das kommt mir jetzt in diesem Projekt zugute.

Und das Schwingen am Trapez?

Das musste ich lernen. Wir haben mit der Trapezperformance-Gruppe «öff öff» zusammengearbeitet. Zwei Trainerinnen haben mir jeden Tag Unterricht erteilt – am Anfang wurde mir schlecht. Doch mittlerweile macht mir die Arbeit am Trapez einen Riesenspass.

Was ist der Unterschied zwischen dem Theaterspielen in der Reithalle und jenem auf der Bühne des Stadttheaters?

Beides ist toll. Im Stadttheater ist alles sehr fokussiert. In der Halle ist alles monstermässig, und auch die Akustik ist eine ganz andere. Hier herrscht ein Riesenchaos. Seit gestern sind die Pferde da. Mistkarren stehen herum, es riecht und stinkt, und allmählich entsteht Zirkusstimmung.

Sie spielen zum vierten Mal mit Konsortium & Konsorten. Was gefällt Ihnen an diesen versponnenen Projekten?

Die Konsorten sind Intellektuelle, was man dem Endprodukt aber gar nicht so sehr anmerkt. In ihren Stücken gibt es ganz viele Querverweise, der «Klamauk» ist immer nur vordergründig. Die Zusammenarbeit verläuft nach dem Prinzip «Try and Error», wobei ich stets viel Mitspracherecht habe. Der Regisseur Wolfgang Klüppel will mich immer überzeugen, ich sei intellektueller, als es mir selber bewusst sei. Ich sehe mich aber eher als Schauspieler, der aus dem Bauch heraus spielt und mit einer Prise Naivität an seine Rollen herangeht.

Gab es so etwas wie eine Paraderolle während Ihrer Spielzeit am Stadttheater Bern?

(Überlegt lange) Ich spiele oft Figuren, die etwas Verschrobenes an sich haben, sich am Ende umbringen oder sonst irgendwie scheitern. Die Rolle des Luftgeistes Ariel in Shakespeares «Sturm» hat mich von der ganzen Ästhetik her fasziniert.

Warum verlassen Sie Bern und das Stadttheater?

Hier hatte ich mein erstes Engagement. Ich war sieben Jahre am Stadttheater Bern, und das hat mich allmählich nervös gemacht. Nun wechsle ich ans Theater in Freiburg in Breisgau. Meine erste Rolle wird die eines Anwalts sein.

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