Die tiefe Liebe Gurlitts zu seinem Bilderschatz

Die Gurlitt-Bilder kommen nach Bern – in einem Theatergastspiel aus Berlin. In «Entartete Kunst» wirft es die Schuldfrage beim Eremiten Cornelius Gurlitt auf. Ein schwieriges Unterfangen.

Rätselhafter Eigenbrötler: Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt, dargestellt vom Wiener Burgschauspieler Udo Samel (62).

Rätselhafter Eigenbrötler: Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt, dargestellt vom Wiener Burgschauspieler Udo Samel (62).

(Bild: Barbara Braun)

Michael Feller@mikefelloni

Es war mehr als blosser Besitz: «Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt in meinen Leben», sagte Cornelius Gurlitt (1932– 2014) jener «Spiegel»-Journalistin, die ihn als Einzige inter­viewen durfte.

Er lebte zurück­gezogen in seiner Wohnung in München-Schwabing, inmitten von Gemälden, von Mappen und Schachteln voller Druckgrafiken und Zeichnungen – bis sein Kunstschatz wegen Raubkunstverdacht beschlagnahmt wurde. Kurz vor seinem Tod hat er dem Kunstmuseum Bern sein Vermögen vererbt. Allerdings wird das Testament noch von Familienangehörigen angefochten.

Grosse Resonanz

Die Geschichte hat hohe Wellen geschlagen, und die Biografie fasziniert: Zahlreiche Theaterbesucher haben im Renaissance-Theater in Berlin das Schauspiel «Entartete Kunst» gesehen. Das privat finanzierte Theater hat sich auf Uraufführungen von zeitgenössischen Stoffen spezialisiert. «Die Resonanz war weit grösser als bei anderen Produktionen», sagt Chefdramaturgin Gundula Reinig.

Das liege indes nicht nur an der Brisanz des Themas: «Die Uraufführung eines Stücks aus der Feder eines Oscarpreisträgers kommt in einem deutschen Theater nicht oft vor.» Der britische Dramatiker, Schauspieler und Drehbuchautor Ronald Harwood («Der Pianist») hat den Text auf Englisch verfasst, Max Faber hat ihn auf Deutsch übersetzt. Udo Samel spielt auch im Berner Gastspiel die Hauptrolle.

Von der Aktualität überholt?

«Gurlitts Leben zwischen Wissen, Leugnen und Verdrängen macht die Geschichte interessant fürs Theater», sagt Gundula Reinig. Durch seine Liebe zu den Bildern habe Gurlitt eine «tragisch-theatralische Dimension». Besteht nicht die Gefahr, dass das Schauspiel von der Aktualität überholt wird? Etwa wenn sich zeigt, dass es sich beim Gurlitt-Erbe bei weitem nicht um einen «Milliardenschatz» handelt, wie in der medialen Aufregung zunächst berichtet wurde.

Oder auch, dass der Raubkunstanteil in der Sammlung gering ist und damit die Schuld, die sich die Gurlitts aufgeladen haben, nicht gar so drückend ist. Das tue dem Stück keinen Abbruch. «Es ist ausdrücklich keine Dokumentation», so Reinig.

«Entartete Kunst»:So, 15. Mai, 19.30; Mo, 16. Mai, 18 Uhr, Kubus, Bern.

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