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Die splitternackte Rampenfrau

Nachdem ihre Stripshow im Internet viral gegangen war, bekam die Performerin Ursula Martinez anzügliche Fanpost. Daraus machte sie die Performance «My Stories, Your E-Mails», mit der das Berner Theaterfestival Auawirleben zu Ende ging.

Adrett gekleidet: Ursula Martinez verliest ihre Fanpost.
Adrett gekleidet: Ursula Martinez verliest ihre Fanpost.
Francis Loney

Adrett wie eine Stewardess sieht Ursula Martinez aus, als sie streng frisiert und im Kostüm die Bühne des Tojo-Theaters betritt. Doch von diesem vornehm zurückhaltenden Look sollte man sich nicht täuschen lassen. Diskret ist diese Performerin, die im eigentlichen wie im über­tragenden Sinn gern die Hosen runterlässt, bestimmt nicht.

In einer Mischung aus Striptease und Zauberschau liess die Britin einst ein rotes Taschentuch verschwinden, bis sie es zuletzt – splitternackt – aus ihrer Vagina zog. Das war vor elf Jahren. Das Video dieser Schau landete angeblich ohne ihr Wissen auf Youtube, was dazu führte, dass bei Martinez E-Mail-Fanpost aus aller Welt einging. Daraus hat sie nun im Stil einer Stand-up-Comedy die Performance «My Stories, Your E-Mails» konzipiert.

Alles ist wahr

Die 1966 in England geborene Tochter eines Mexikaners und einer Engländerin versichert als Erstes, dass alles, was sie heute erzähle, wahr sei. Der zweiteilige Abend beginnt mit aneinandergereihten Kinder- und Jugenderinnerungen, die mal schmerzhaft, mal zum Schreien komisch sind. Sie stamme aus einer chaotischen Familie. Als bei ihnen eingebrochen worden sei, sei die Polizei schockiert über die herrschende Unordnung gewesen.

So hätten sie alle so tun müssen, als ob sie auch schockiert seien, damit niemand gemerkt habe, dass nicht die Einbrecher die Unordnung verursacht hätten. Oder der Essay, den sie in der Schule über eine Person, die sie gern wäre, schreiben musste: «Ich wählte meine Cousine, weil sie schön war. Später wurde sie ein Junkie. Ich war froh, ich zu sein.» Böse und teils absurd sind diese kurzen Geschichten, die sie dem Publikum um die Ohren haut.

Perverse und Nudisten

Als Scharnier zum zweiten Teil der Performance dient besagte Zauberschau mit dem Titel «Hanky Panky». Auf Grossleinwand wird der Striptease pro­jiziert, der eigentlich viel zu ­überzogen daherkommt, um tatsächlich sexy zu sein. Das sehen ihre Fans wohl anders. Martinez liest nun die E-Mails, die sie aufgrund dieses Auftritts erhielt, vor. Mit Brille auf der Nase, Wuschelhaar und ganz casual in Jeans gekleidet.

Man ist im ersten Moment irritiert, ob es sich um ein und dieselbe Person handelt, die doch gerade eben noch als überdrehte Hostesse auftrat. Martinez schlüpft nun gewissermassen in die Haut ihrer Fans und imitiert deren Akzente. Das Spek­trum ihrer Bewunderer reicht von Perversen über jene, die in ihr den grossen Reibach wittern, bis hin zu Nudisten, die ihr gra­tulieren, die Nacktheit ent­tabuisiert zu haben. Eine abstruse Parade voller Sexismus und Narzissmus. Am Ende zieht Martinez erneut blank und fordert: «Schreibt mir eine E-Mail.»

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