«Der Zusammenhalt der Schauspieler ist bewundernswert»

Drei Jahre lang war Publikumsliebling Stefano Wenk weg – nun tritt er in «Beresina» wieder am Stadttheater Bern auf. In der Zwischenzeit hat er Fruchtsäfte gepresst – und gemodelt.

Vorfreude auf «Beresina»: Ab Freitag spielt Stefano Wenk im neuen Stück von Konzert Theater Bern.

Vorfreude auf «Beresina»: Ab Freitag spielt Stefano Wenk im neuen Stück von Konzert Theater Bern.

(Bild: Philipp Zinniker)

Sie sind für eine Produktion zurück im Stadttheater und spielen als Gastschauspieler in «Beresina» mit. Wie fühlt sich das an?
Stefano Wenk: Vertraut und doch völlig neu. Vertraute Kollegen wie Milva Stark, Jürg Wisbach – die ganzen Gewerke des Hauses, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Und neue Kollegen kennen zu lernen, finde ich toll. Die Proben bereiten mir grossen Spass, weil einem so viel Vertrauen und Respekt entgegengebracht wird.

Woran liegt das?
Es sind wunderbare Kollegen. Und Schauspielchef Cihan Inan, der in diesem Stück Regie führt – bei ihm merkt man sehr schnell, dass er seine Schauspieler liebt und respektiert. Ein grosses gegenseitiges Vertrauen ist da. Und ich finde, das braucht dieses Ensemble vor allem jetzt unbedingt.

In der Zeit, als Sie weg waren, wurde die Theatersparte ziemlich durchgeschüttelt. Auf Iris Laufenberg folgte Stephanie Gräve, dann musste sie gehen, dann kam Cihan Inan, der sich mit Märki verkrachte, schliesslich ging Märki. Wie haben Sie das verfolgt?
Über den internen Presseverteiler, der mir immer noch per Mail zugestellt wurde. Ich möchte mich gar nicht zu den vergangenen Geschehnissen äussern. Ich finde jedoch den Zusammenhalt des Schauspielensembles in dieser Situation bewundernswert. Es hat den Kraftakt geschafft, sich jeden Abend auf seinen Auftritt zu fokussieren und nach aussen einstimmig aufzutreten. In einer solchen Situation weiss Gott kein einfaches Unterfangen.

Vor drei Jahren kündigten Sie Ihre Anstellung bei Konzert Theater Bern, und dann waren Sie auf und davon. Weshalb?
Nach einer langen und arbeitsintensiven Phase am Theater merkte ich, dass ich Zeit für mich selber brauchte, um, wie ich damals sagte, «aufs Meer hinauszuschauen». Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben das Bedürfnis, privat wie beruflich möglichst weit weg von der Schweiz zu leben.

Und dort haben Sie drei Jahre lang in Südafrika den Wellen zugeschaut.
Ja genau – ein paarmal, ja. Ebbe Flut Ebbe Flut… Erst fand ich mich mit jungen Mitstudenten in der Sprachschule wieder und frischte mein Englisch auf. Lernte neue Freunde kennen, Patrizia und Karsten, die Inhaber von der Juicebox Factory. Ich half mit bei der Obsternte und der Verarbeitung der Früchte zum besten Fruchtsaft von Cape Town. Beim Schweizerischen Generalkonsulat hatte ich die Möglichkeit, das Kulturprogramm für das letzte Jahr zusammenzustellen. Und dann lernte ich noch den Cheffotografen von Boss Models Kapstadt kennen.

Sie wurden Boss Model?
Nun ja, ich sagte Byron: «Ich habe kein Sixpack, ich habe nur ein Onepack.» Sie brauchen Schauspieler, und sie brauchen «Gringe». Also wurde ich in die Agentur aufgenommen. Ich hatte bis anhin nicht gewusst, dass etliche europäische und aussereuropäische Produktionen in Südafrika drehen. Aber klar, der Sommer ist lang, das Setting super und… die Produktionskosten niedrig. Dauernd wird in und um diese Stadt rum gedreht. Auch die amerikanischen Serien «Homeland» oder «Black Sails» wurden dort gedreht.

Sie erhielten also Aufträge?
Ja, ich ging an viele Castings und kriegte einige Jobs.

«Man sollte sich nicht so wichtig nehmen. Wir machen ja keine Operation am offenen Herzen.»Stefano Wenk

Nun sind Sie wieder in Bern.
Zwischendurch war ich auch wieder hier in der Schweiz, um zu arbeiten und meine Freunde und meine Familie zu sehen. Ich spielte im Theater an der Effingerstrasse «Kunst». Und ich verkaufte in den letzten zwei Jahren jeweils am Weihnachtsmärit Glühwein und Lebkuchenherzen.

Freuen Sie sich auf den Auftritt vor dem Berner Publikum? Schliesslich gehörten Sie ja zu den Publikumslieblingen.
Es kribbelt. Natürlich wünschen und wollen wir, «dass diese Kuh das Fliegen lernt», dass es ein toller Abend wird! Doch man sollte sich nicht so wichtig nehmen. Wir machen ja keine Operation am offenen Herzen.

Wie geht es weiter?
Es ist jetzt erst einmal eine grosse Freude für mich, als Gast für diese Produktion zu arbeiten. Und: Ich werde im Dezember wieder Glühwein und Lebkuchen verkaufen. Im Platzhirsch auf dem Waisenhausplatz.

Beresina: ab 19. Oktober im Stadttheater, Bern.

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