Der Zauberer deiner Wünsche

Lionel Dellberg trägt weder einen spitzen Hut noch einen Zauberstab – und zaubert spontan, was das Herz seines Publikums begehrt. Etwa am Dienstagabend in der Heitere Fahne.

Zauberer ohne Klimbim: Lionel Dellberger, 36.

(Bild: PD)

Helen Lagger@FuxHelen

Lionel Dellberg hat Geburtstag. 36 Jahre alt ist der im Wallis geborene Wahlberner jetzt. Im Kornhaus-Café erzählt er bei einem Cappuccino, wie man Zauberer wird. Denn als solcher ist er seit rund sechs Jahren hauptberuflich unterwegs.

Gerade hat Dellberg seine Tour «52/26» beendet. Während 52 Wochen reiste er als Zauberer und Kabarettist durch alle 26 Schweizer Kantone. Dabei zauberte er nicht auf herkömmlichen Bühnen, sondern in Saunas, Küchen, Pferdeställen oder sogar an einem Gleitschirm hängend.

Im Vorfeld hatte Dellberg sein Publikum gebeten, via Social Media Vorschläge zu machen, wo er zaubern könnte, Devise: Je absurder der Ort, desto besser. Der gebürtige Walliser spielte bei seinen Auftritten mit den Klischees der jeweiligen Kantone und den damit verbundenen Tücken. So zauberte und jonglierte er sich als Walliserklischee durch die «Üsserschwyz».

Natürlich warf er die Bälle vor dem Berner Publikum betont langsam in die Luft. Dabei hat der Walliser in Bern längst seine Wahlheimat gefunden. Der mit einer Logopädin verheiratete Ökonom wohnt im Breitenrainquartier.

Für den guten Zweck

Sein nächstes Projekt lanciert er in Wabern im Kulturlokal Heitere Fahne. Gemeinsam mit Berufskollege Lorenz Schär gibt er den Host zu einer schweizweit einmaligen Zaubermixshow, bei der Zauberer aus dem In- und Ausland auftreten. Der Erlös des Abends fliesst in Projekte der Heiteren Fahne zugunsten von Menschen mit Behinderungen und zur Unterstützung von Asylsuchenden. 

Lionel Dellbergs eigene Nummern haben immer eine Geschichte, wie er erzählt. Bereits in seinem allerersten Programm schöpfte er aus der eigenen Biografie. Er inszenierte sich, seine Studentenzeit rekapitulierend, als ahnungsloser Neuer, der sich an der Uni verloren fühlt. Klar, dass ihm die Zauberei bei der Überwindung der Probleme zu Hilfe kam.

Humor statt Drama

Bis heute verdient Dellberg sein Geld mehrheitlich mit Auftritten in Firmen und Verbänden. Dabei passt er sein Programm der jeweiligen Umgebung an. Ist er bei einer Uhrenfirma, lässt er eine Münze verschwinden, die unter der Uhr eines Zuschauers wieder zum Vorschein kommt. In einer Bank verwandle er hingegen vorzugsweise Papier in echtes Geld. «Ein Trick muss relevant sein», so der Zauberer.

Seine Inspiration ist der Alltag: «Mir gefällt es, unmittelbare menschliche Wünsche zu erfüllen.» Ein Beispiel? «Wenn jemand an einer Bar steht, zaubere ich ihm ein Bier hervor.» Sein Erscheinungsbild hält Dellberg bewusst unspektakulär. Von Zauberern mit spitzen Hüten und weiten Ärmeln, in denen man Karten verstecken kann, hält er nichts.

Es sei doch viel überraschender, wenn er im Sommer mit T-Shirt und kurzen Hosen auftrete und dann Dinge verschwinden oder wandern lasse. Dass er seine Zauberei mit Humor verbinde, sei eine Typfrage: «Das Dramatische liegt mir nicht.» Humor und Zauberei gingen gut zusammen. Viele Leute müssten lachen, wenn man sie verblüffe.

Ökonom mit Hippie-Eltern

Dellberg hat bereits als Kind mit Fingerhüten Tricks auf einer Hochzeit vorgeführt. Die Eltern unterstützten ihn in seinem speziellen Berufswunsch. «Meine Eltern sind 68er», so Dellberg. Sie wollten aus der Zivilisation ausbrechen, sodass Lionel und seine Schwester, die SRF-Journalistin Priska Dellberg, zeitweise auf einer Alp ohne warmes Wasser gross wurden.

Dass Dellberg als Sohn einstiger Hippies Wirtschaft studiert hat, mag erstaunen. Auch, dass er sich so gut zu vermarkten weiss. Er selbst macht keinen Hehl daraus: «Es ist wichtig, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu haben und auch ab und zu in den Medien präsent zu sein», so der Zauberer.

Viel mediale Aufmerksamkeit bekam er etwa, als er 2011 die Stimmenzahl zur Wahl des Fifa-Präsidenten im Blick voraussagte. Magie? Natürlich nicht. Dellberg grenzt sich von Esoterik bewusst ab. Es gebe leider viele Sekten, die sich diverser Zaubertricks bedienten, um Leute zu manipulieren. Ihm selber liege das fern.

Er wolle, wie gesagt, verblüffen und zum Lachen bringen. Und was ist das Wichtigste, wenn man zaubern will? «Ein gutes Gedächtnis, die Fähigkeit zum Multitasking, Körperbeherrschung und Timing.» Einen Wimpernschlag nur dauert der Moment, mit dem er jetzt einen Stapel selbst gebasteltes Falschgeld in echte Hunderternoten verwandelt und galant die Kaffeerunde bezahlt.

Benefizzaubershow Rabbithole: Di, 4.12., 20 Uhr, Heitere Fahne, Bern. www.dieheiterefahne.ch

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