Bruder Lustig ganz schön listig

Das Talman-Ensemble spielt «Bruder Lustig» nach den Brüdern Grimm für Kinder ab fünf Jahre. Der Freiburger Musiker Gustav sorgt dabei für musikalische Untermalung und schlüpft als Erzähler in zahlreiche Nebenrollen. Lustig? Durchaus.

Trio infernale: Der Heilige Petrus (Luc Spori), der Bruder Lustig (Niklaus Talman) und der Musiker Gustav
als dankbares Klageweib mit Schaf.

Trio infernale: Der Heilige Petrus (Luc Spori), der Bruder Lustig (Niklaus Talman) und der Musiker Gustav als dankbares Klageweib mit Schaf. Bild: zvg

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Der Bruder Lustig ist eine sonderbare Märchenfigur, denn er widerspricht dem klassischen Gut-Böse-Schema, das man aus Klassikern wie «Schneewittchen» kennt. Er ist ein gemischter und sehr weltlicher Charakter, mit dem man sich bestens identifizieren kann.

Kommt ein Bettler des Wegs, ist der einstige Soldat auf Wanderschaft bereit zu teilen, ist er aber hungrig, lügt er, dass sich die Balken biegen, um ein Lämmchen im Alleingang zu verspeisen. Prinzessinnen will er nur dann retten, wenn ein Geldsegen zu ergattern ist. Und wenn er dann mal Geld hat, verprasst er es am liebsten in der Kneipe.

Das seit 2003 bestehende Talman-Ensemble spielt zurzeit im Theater am Käfigturm das unkonventionelle Märchen in Mundart für Kinder ab fünf ­Jahre. Niklaus Talman spielt die Hauptrolle und führt Regie, Luc Spori gibt den Heiligen Petrus, und der Freiburger Musiker Gustav untermalt die Geschichte mit verschiedenen Instrumenten – von Banjo bis Cello. Mal spielt er ein fröhliches Wanderlied, mal liefert er dramatische Perkussionen und schlüpft dabei als Erzählerfigur in allerlei Nebenrollen.

Zauberei und Perkussionen

Das Bühnenbild (Judith Bär­tschi) besteht aus an die Wand projizieren bunten Zeichnungen, die wirken wie überdimensional grosse Seiten aus einem Bilderbuch. Bruder Lustig wendet sich zu Beginn direkt an die Kinder. Was steht dort auf der Bühne?

«Es ist ein Rucksack, in den man sich alles reinwünschen kann», ruft es prompt aus den vollen Rängen. Da haben wohl gewisse Eltern ihre Kinder bestens vorbereitet. Ein Ranzen sei es, erklärt der Bruder Lustig – dass man damit zaubern kann, bestätigt er später. Bruder Lustig trifft auf seinem Weg den Heiligen Petrus.

Wie Gandalf aus «Herr der Ringe» sieht der Greis mit seinem Zauberstock aus. Die beiden wandern gemeinsam, das Geld ist knapp. Sie gelangen schliesslich in ein Königreich, wo gerade eine Prinzessin verstorben ist.

«Bruder Lustig» gehört eindeutig zu den Grimm-Märchen mit Gruselfaktor. Der Heilige Petrus setzt die Gebeine der Prinzessin zusammen und lässt sie schwuppdiwupp wiederauferstehen. Geld will er dafür – sehr zum Ärger seines Kumpanen–keines.

Gustav muss, sich rasch eine Krone aufsetzend, den erst verzweifelten und anschliessend dankbaren König geben. Der Musiker weint in seiner ungewohnten Rolle als Schauspieler etwas übertrieben, doch das passt durchaus und nimmt in seiner Albernheit dem Grimm das allzu Grimmige.

Es regnet Gold

Den Bruder Lustig mögen die Kinder besonders, wenn er Goldtaler aus Schokolade ins Publikum wirft, sie verraten ihn aber auch lauthals, wenn er lügt und dabei auch noch ihre Unterstützung einfordert.

Dass dieser Unflat sich am ­Ende mithilfe seines Zauber­ranzens gar ins Himmelreich trickst, ist ein weiterer Bruch mit dem Genre. Normalerweise werden im Märchen ja eher die Fleissigen und Gottesfürchtigen belohnt. Und wen trifft der Bruder Lustig hinter dem Himmelstor wieder? Petrus natürlich, der ihn widerwillig seufzend einlassen muss.


Vorstellungen: Bis zum 24. 1. im Theater am Käfigturm, Bern.
www.theater-am-kaefigturm.ch
(Berner Zeitung)

Erstellt: 03.12.2015, 10:22 Uhr

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