Benedikt Weibel: «Ich bin hier nicht der Oberintendant»

Bern

Wird «Mister SBB» und «Mister Euro 08» auch zum «Mister KTB»? Seit 2012 ist Benedikt Weibel Stiftungsratspräsident von Konzert Theater Bern. Viel bewegt habe er bisher nicht, sagen Kritiker. Benedikt Weibel hält dagegen.

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Michael Feller@mikefelloni

Benedikt Weibel ist ein oft fotografierter Mann. Im Stadttheater Bern posiert er indes zum ersten Mal auf einer Bühne. Jahrelang war er für Fotografen mit der Leuchtweste im Gleisfeld gestanden. Während dreizehn Jahren, von 1993 bis 2006, war Weibel CEO der Bundesbahnen. Darum kennt ihn jeder in der Schweiz. Er ist noch immer ein wenig unser aller «Mister SBB».

«Mich frappiert das», gesteht Weibel, als er sich wenig später im Foyer des Stadttheaters setzt. Wenn er mit seinem neusten Buch «Simplicity» auftritt und die erste Frage aus dem Publikum lautet, was er von den Plänen für die neue SBB-Tarifkarte halte, lenke er die Diskussion früh in andere Bahnen. 2007 wurde er als Delegierter des Bundesrates zum «Mister Euro 08», seither schreibt der 68-Jährige Bücher, steht diversen Stiftungs- und Verwaltungsräten vor und lehrt als BWL-Gastdozent an der Universität Bern – diese Woche ist er in sein 17.Semester gestartet.

Herr Weibel, wären Sie ein guter Schauspieler geworden? Wahrscheinlich schon.

Tatsächlich? Vielleicht hätte ich Mühe mit dem Auswendiglernen. Aber ich bin zurzeit sehr oft auf der Bühne. Fast jeden zweiten Tag habe ich eine Präsentation zu meinem Buch.

Als Sie 2012 zu Konzert Theater Bern kamen, sagten Sie, Sie hätten von künstlerischen Inhalten keine grosse Ahnung. Hat sich das geändert? Ja sicher. Mittlerweile habe ich so viel gesehen, ich kenne die Leute und bilde mir ein eigenes Urteil.

Sind die Premieren manchmal auch eine Pflichtübung? Nein, ich mache das sehr gerne. Zu Beginn der Saison stelle ich mir ein Programm zusammen und schaue, dass alle Sparten vertreten sind. Meine erste Premiere war «Fidelio». Das kam mir fast ein wenig vor wie das Eröffnungsspiel der Euro 08.

Sie sind ein ehrlicher Zuschauer und nicken auch mal ein, wenn es langweilig wird. (lacht) Das kann ich mir also nicht vorstellen. Das war eine Konzentrationsphase!

Was hat Ihnen in dieser Saison besonders gefallen? Die «Zauberflöte» fand ich sehr gut. Toll fand ich auch, dass Armeechef André Blattmann sie sah, davon begeistert war und sie drei Tage später in seiner «Blick am Abend»-Kolumne aufgriff.

Als Sie KTB-Stiftungsratspräsident wurden, hegte das Theater grosse Hoffnungen, dass Sie mit Ihrem Namen auch Sponsoren gewinnen könnten. Was haben Sie da erreicht? Ich habe zwei, drei Sachen erreicht, und ich bleibe dran. Aber man darf sich keine Illusionen machen. Das Sponsoring ist ein Abbild der Berner Wirtschaft, die potenziellen Sponsoren sind schnell aufgezählt. Die Meinung, da komme ein Grosser und bezahle alles, ist falsch.

Haben Sie Ihre Möglichkeiten überschätzt? Ich habe nie gesagt, ich würde dem Haus den grossen Geldsegen bringen. Ich hatte diesen Job auch nicht gesucht. Mein Vorgänger Hans Lauri wollte zwar jemanden mit Managementerfahrung. Aber niemand hat die Erwartung formuliert, dass ich in erster Linie Sponsoren akquirieren solle.

Sie sind weniger spürbar als Ihre Vorgänger. Ich nehme das als Kompliment.

Weshalb? Ich war lange genug in der operativen Leitung und habe eine klare Haltung. Bei all meinen Tätigkeiten halte ich mich sehr zurück. Es ist Sache des Intendanten, der CEOs oder von wem auch immer, gegen aussen aufzutreten. Ich bin dazu da, den Intendanten und das Haus zu unterstützen.

In Bern gibt es auch andere Beispiele. Christoph Schäublin engagiert sich beim Kunstmuseum Bern auch auf der operativen Ebene stark. Ich kenne die Biografie von Herrn Schäublin nicht, aber ich war vierzehn Jahre CEO, und ich hatte zum Glück immer Verwaltungsräte, die eine ähnliche Position hatten. Hätten die ins operative Geschäft eingegriffen, wäre das nicht gut gegangen. Wenn es also so rüberkommt, dass ich wenig eingreife, bin ich froh, weil es absolut gewollt ist.

Als Kultursekretärin Veronica Schaller eine höhere Eigenfinanzierung forderte, reagierte Intendant Stephan Märki ungehalten. Zu Recht? Die Forderung, dass der tiefe Selbstfinanzierungsgrad leicht erhöht wird, finde ich legitim. Nur ist das im Moment wenig sinnvoll wegen der Sanierung. Als längerfristige Zielsetzung schon.

Im Raum stand einst die Idee, das Berner Symphonieorchester solle zum Nationalorchester werden. Haben Sie schon mit dem Bundesamt für Kultur gesprochen? Ich habe das damals mit Orchesterdirektor Mario Venzago lange diskutiert, die Idee kam ja vom BSO. Im Moment ist es kein Thema mehr. Man muss eine gute Begründung haben, wenn man vom Bund auch noch Geld bekommen will, aber diese Begründung muss das Orchester liefern. Wenn es so weit ist, diskutiere ich gerne mit BAK-Chefin Isabelle Chassot.

Bei Konzert Theater Bern hört man auch Stimmen, die finden, Ihr Leistungsausweis sei nicht gerade berauschend. Gut, dann haben die eine falsche Vorstellung von meiner Rolle. Den Leistungsausweis hat die Theaterführung zu erbringen, nicht die Oberleitung. Ich bin hier nicht der Oberintendant.

Aber wenn es um den Umbau geht, müssen Sie dann doch hinstehen. Klar, da bin ich natürlich voll drin und sehr engagiert. Noch intensiver dran ist der Vizepräsident des Stiftungsrates, Marcel Brülhart. Aber das sind auch Dinge, die sich nicht in der Öffentlichkeit abspielen. Die Projektleitung liegt schliesslich bei der Stadt.

Es gibt massive Verzögerungen bei der Stadttheatersanierung. Wo hapert es? Die Rahmendbedingungen sind schwierig. Es war sicher schlecht, dass das Projekt von den Stadtbauten Bern (Stabe) geführt wurde, die durch die Bärenparkgeschichte angeschlagen waren. Dann gab es die Restrukturierung, die Stabe gingen zurück an die Stadt. Die Führung wechselte mehrmals, das war nicht ideal. Als wir damals die SBB-Neubaustrecke konzipiert hatten, war auch nicht irgendein Stab an der Spitze, sondern ein Bauingenieur mit grosser Erfahrung.

Mit anderen Worten: Wird unprofessionell gearbeitet? Das wollte ich damit nicht sagen, nein. Jetzt habe ich wieder ein besseres Gefühl. Wenn wir in diesem neuen Zeitrahmen im Kostenrahmen durchkommen – das ist ja nach wie vor möglich.

Aber Ihnen als Ex-Bähnler ist doch Pünktlichkeit ein hohes Gut. Die Verzögerung wurmt Sie! Nun gut, die Bahn 2000 fuhr auch erst im Dezember 2004. Was ich von Anfang an nicht verstanden habe, aber ich habs dann akzeptiert: Dass man einen Zweijahresterminplan aufstellte, nur weil man meinte, der Kanton zahle sonst 10 Prozent weniger. Eigentlich war es allen klar, dass der Umbau in dieser Zeit nicht zu machen ist.

Jetzt pocht Konzert Theater Bern auf ein Provisorium, weil das Stadttheater länger geschlossen bleibt. Wie weit sind Sie? Der Zeitdruck ist enorm. Aber wir sind immer noch im optionalen Denken.

Wie viele Optionen gibts noch? Grundsätzlich drei, mit Untervarianten.

Ein Kubus auf dem Waisenhausplatz... ...den kann man auch an anderen Orten aufstellen.

Und die anderen Varianten? Wir müssen sehr sorgfältig mit dem Thema umgehen. Mehr hören Sie von mir dazu nicht. Bis Anfang Mai müssen wir wissen, was Sache ist.

Berner Zeitung

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