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Allzu langfädige Spinnerei

Konzert Theater Bern präsentiert Stücke von drei Tanzchoreografen, die sich mit Bewusstseinszuständen auseinandergesetzt haben. Das ist mal zwingend, mal pathetisch.

Zusammengeschnürt: Die Tänzer in «Tabula rasa».
Zusammengeschnürt: Die Tänzer in «Tabula rasa».
Philipp Zinniker (PD)

Tanzen bis zur Ekstase: Ein Wunsch, der hedonistische Raver und bescheidene Derwische eint. Estefania Miranda, Tanzdirek­torin bei Konzert Theater Bern, sucht mit «Tabula rasa» nach «transzendenten Bewusstseinszuständen». Nach «Sacre/Faun/Bolero» hat sie erneut einen Dreiteiler geschnürt. Ihr eigenes titelgebendes Stück präsentiert Miranda zwischen zwei Gastspielen.

Zerstörung, Ablenkung

Das Beste kommt zuerst. Das Stück «Trimurti» des englischen Choreografen James Wilton ist mit Abstand das stärkste. «Trimurti» ist ein kosmisches Konzept aus dem hinduistischen Glauben, das Entstehung, Erhaltung und Zerstörung beinhaltet. Man kann Wiltons Stück aber auch ohne diesen theoretischen Überbau geniessen, weil seine Choreografie auf starke universelle Bilder setzt.

Zur Musik der US-Band Russian Circles lässt er die Tänzerinnen und Tänzer regelrecht explodieren. Sie drehen sich um die eigene Achse wie Lichter einer Discokugel, fliegen rückwärts über die Bühne oder bilden eine Kette, die sich mal in Stücke zu reissen droht oder vorsichtig aufgerollt wird.

Leitfigur ist dabei der japanische Tänzer Norikazu Aoki, der mal in embryonaler Haltung, mal wie ein Breakdancer auf dem Kopf drehend im Epizentrum des Geschehens steht.

Aoki war zwischen 2013 und 2017 festes Mitglied der Tanzcompagnie und ist für diesen Abend als Gast zurückgekehrt. Wendig wie ein Purzelmännchen begeistert er mit Vielseitigkeit und Ausstrahlung.

Nach Wiltons schnörkellosem Sturm wird es mit Mirandas «Tabula rasa» reichlich pathetisch. Ein dramatisches Lichtkonzept lässt einen zuckenden Körper kurz im Dunkeln aufleuchten.

Die Tänzerinnen und Tänzer tragen transparente hautenge Kleidung und werden im Gesicht mit Bandagen zusammengeschnürt. Wollte man damit auf den «Fifty Shades of Grey»- Hype aufspringen? Oder einen Beitrag zur #MeToo-Debatte liefern? Wohl kaum.

Doch die absurden Kostüme, die wie die Lippen der Tänzer auch noch golden glitzern müssen, lenken ab, statt zu verstärken, was auf der Bühne geschieht. Gemäss Pressetext geht es um das Ego und dessen Allverbundenheit. Plakativ werden zur sphärischen Musik von Arvo Pärt Fäden über die Bühne gesponnen, die leider dem Langfädigen dieser Choreografie auch nicht zu mehr Spannung verhelfen.

Und zum Abschluss Zen

Nach diesem überfrachteten Reigen tut eine Runde Zen ganz gut. Der in Zürich lebende Engländer Ihsan Rustem zeigt im letzten Teil sein Stück «Yidam», bei dem es um buddhistische Erleuchtung geht. Auf weissen Papierbahnen schreiben die Tänzerinnen und Tänzer ihre reizvolle Kalligrafie.

Vorstellungen: bis 21. 4., Vidmar 1. www.konzerttheaterbern.ch

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