Zum Hauptinhalt springen

Als Werberin in die Kulturszene

Werberin, Quereinsteigerin, Retterin in der Not? Nadine Borter ist seit Juli Stiftungsratspräsidentin von Konzert Theater Bern. «In der Betriebskultur gibt es Luft nach oben», sagt sie.

Tritt mit Stil auf und weiss Zeichen zu setzen: Die Werberin Nadine Borter, Stiftungsratspräsidentin von Konzert Theater Bern.
Tritt mit Stil auf und weiss Zeichen zu setzen: Die Werberin Nadine Borter, Stiftungsratspräsidentin von Konzert Theater Bern.
Christian Pfander

Zum Schluss dann doch noch etwas Handfestes. «Die Zeit des Von-oben-herab ist vorbei.» Sie sagt es und entlässt aus dem Konferenzzimmer im Dachgeschoss runter in die Matte. Hier, in diesem alten Haus mit Sichtbalken an der Berner Wasserwerkgasse, ist die Heimat der Werbeagentur Contexta.

«Die Zeit des Von-oben-herab ist vorbei.»

Nadine Borter

Nadine Borter hat die Firma 2010 mithilfe eines Bankkredits gekauft. 2011 wurde die gebürtige Walliserin als Werberin des Jahres über die Szene hin­aus bekannt. Seit Anfang Juli ist die 43-Jährige auch Stiftungsratspräsidentin von Konzert Theater Bern.

Wer ist die Frau, die am 6. Juli, in der ersten Woche ihrer neuen Aufgabe also, vor den Medien verkündete, dass Intendant Stephan Märki das Vierspartenhaus per sofort verlasse?

«Ein toughes Cookie»

Sie ist eine, die nicht einfach nur erscheint, sie tritt auf. Mit Stil und standhaftem Blick, um ihre Botschaft in die Welt zu tragen. Ohne zu viel zu sagen. Wie gute Werbung.

«Ein toughes Cookie» sei sie, heisst es in der Berner Werberszene. Borter hat bereits mit 35 Jahren einen relativ grossen Laden übernommen. «Sie hat früh begriffen, wie man die Kreativen führen muss, die zum Chaos tendieren», sagt ein Werber. Während einige Konkurrenten den Strukturwandel der Branche verschlafen hätten, habe sie rechtzeitig erkannt, dass die goldenen Jahre vorbei seien, in denen es in der Werbung fast von allein lief.

Heute ist die Werbebranche mit diversen sich schnell wandelnden Kanälen konfrontiert, an die das Produkt angepasst werden muss. Früher gab es Fernsehen, Zeitungen und Plakate, heute kann die Präsenz in diversen soziale Medien entscheidend sein. Als Geschäftsfrau und als Strategin gelte Nadine Borter als grosse Nummer, ist die Einschätzung des Werbers.

Kommunikation im Griff

Wenn es um ihre strategische Rolle bei Konzert Theater Bern geht, lässt sich Nadine Borter nicht auf die Äste hinaus. Im Sommer kam es zum grossen Knall beim Vierspartenhaus. Nach Jahren der Unruhe in der Theaterabteilung, mit vielen Wechseln und persönlichen Zerwürfnissen, musste Intendant Stephan Märki gehen.

Zuletzt hatte er wegen einer verheimlichten Liebesbeziehung mit der Kommunikationschefin Sophie-Thérèse Krempl das Vertrauen des Stiftungsrats verspielt. Auf ihren steilen Einstand angesprochen, bleibt Nadine Borter bei der offiziellen Aussage vom Juli. «Stephan Märki hat den Entscheid zum Rücktritt selber gefällt. Und wir haben akzeptiert», sagt sie.

Es sei der richtige Entscheid, nachdem insbesondere in der Sparte Theater Konflikte zuletzt öffentlich ausgetragen worden seien. Dass Märki auf Druck des Stiftungsrats hat gehen müssen, wie längst durchgesickert ist, darauf lässt sie sich nicht ein. «Er hat sich für den Rücktritt entschieden.» Punkt. Mehr gibts nicht zu berichten.

Borter setzt alles daran, im Griff zu haben, was in den letzten Jahren viel zu oft aus dem Ruder lief. Konzert Theater Bern kommunizierte bisweilen chaotisch, es wurde bis in die Redaktionsstuben getuschelt. Für Borter waren die öffentlich ausgetragenen Kämpfe vor allem eine Krise, die von den Medien hochgekocht wurde.

Steiler Einstieg

Die Idee, sie müsse das Vierspartenhaus aus der Krise führen, hält sie für vermessen. Ja, ihr Einstand sei steil gewesen. «Der Abgang von Herrn Märki hat das Haus durchgeschüttelt. Nichtsdestotrotz ist nicht alles schlecht», sagt sie, im Gegenteil: Der Betrieb läuft unter der interimistischen Leitung des kaufmännischen Direktors Anton Stocker ohne nennenswerte Probleme. Bald tagt die Findungskommission zum ersten Mal, sie macht sich auf die Suche nach dem ­neuen Intendanten. Ausserdem müssen Vakanzen in Kommunikation und Marketing ausgeschrieben werden.

Handlungsbedarf sieht Borter in der Betriebskultur von Konzert Theater Bern. Intern müsse besser kommuniziert werden, «hier gibt es Luft nach oben». Letztlich müsse sich der Mitarbeiter mit dem Haus identifizieren können, um gute Leistung zu bringen. Aber so richtig in die Karten blicken lässt sich Borter nicht. Konkrete Massnahmen nennt sie nicht, solange sie nicht spruchreif sind.

Hartnäckig wie Appenzeller

Da ist sie hartnäckig. Wie die drei Appenzeller aus der Käsewerbung, die stoisch das Rezept der Kräutersulz hüten. Seit über 50 Jahren gibt es die Agentur Contexta, und fast seit Beginn ist Appenzeller Käse Werbepartner.

Auch Borter ist eine treue Seele in der schnelllebigen Werbebranche. Die Walliserin aus Naters hat noch nie woanders gearbeitet als bei Contexta. 1995, nach der kaufmännischen Lehre, schnupperte sie bei der Firma – und wusste, dass sie da hinwollte. «Ich bearbeitete die Leute ein Dreivierteljahr, bis sie mich als Junior Consultant anstellten.» Dann arbeitete sie sich hoch, bis sie Teilhaberin wurde. Heute führt sie das KMU mit 55 Angestellten souverän.

Woher nimmt Familienmutter Borter diese Hartnäckigkeit und die Ausdauer? «Wahrscheinlich vom Sport», sagt Borter und lacht. Als Jugendliche schaffte sie es bis ins Nationalkader der Schwimmerinnen. In ihr hat die Stadt Bern die von Stadtpräsident Alec von Graffenried gesuchte «junge, initiative Frau, die gut kommunizieren kann», gefunden.

Ein Aushängeschild für Konzert Theater Bern will die Quereinsteigerin in die Kulturszene nicht werden. «Letztlich sollen Gesichter in der Öffentlichkeit stehen, die tagtäglich Kunst schaffen.»

Auftrieb für den Ballon

Eine Werberin weiss Zeichen zu setzen. Bei ihrem letzten öffent­lichen Auftritt Anfang September verkündete sie die Vertragsverlängerung mit Schauspielchef ­Cihan Inan. Flankiert wurde sie von Inan – und Milva Stark, der Sprecherin des Schauspiel­ensembles. Stark erklärte, dass das Ensemble die Verlängerung unterstützte. Die Mitarbeiter des Hauses haben hier etwas zu sagen, war die unterschwellige Botschaft von Nadine Borter.

Frau Borter, wie führt man denn einen kreativen Betrieb? «Wie jeden anderen Betrieb auch», sagt Borter. Das heisse, Mitarbeitern Raum und Zeit zu geben. Bei der Kritik sei es wichtig, «dass man den Ballon nicht verchlepft, sondern sich überlegt, wie man ihm Auftrieb geben kann».

Das ist wohl gemeint, wenn Borter sagt, dieses «Von-oben-herab» sei vorbei.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch