Acht Ungeheuer ohne Feuer

Die Emmentaler Liebhaberbühne knöpft sich die Krimikomödie «Acht Frauen» vor. Humor und Spannung? Fehlanzeige.

Wer ist die Mörderin? Nach ihr wird gesucht.

Wer ist die Mörderin? Nach ihr wird gesucht.

(Bild: Patrick Pfeiffer/PD)

Helen Lagger@FuxHelen

«Acht Frauen» ist ein fulminantes Stück mit ausgekochten Biestern. Dennoch war die vom Franzosen Robert Thomas geschriebene und 1956 uraufgeführte Kriminalkomödie fast in Vergessenheit geraten. François Ozon, Frankreichs Enfant terrible des Films, hob das Werk mit seinem brillanten Filmmusical von 2002 aus der Versenkung. Die besten Schauspielerinnen Frankreichs treffen dabei aufeinander. So geben sich etwa Catherine Deneuve und Isabelle Huppert Saures.

Humor fehlt

Es wäre vermessen, eine Produktion von Laiendarstellerinnen damit zu vergleichen. Gelingen könnte aber eine eigene Version mit Charme und Lokalkolorit. Daran versucht sich die Emmentaler Liebhaberbühne. Ulrich Simon Eggimann inszeniert das Stück im Rüttihubelbad in einer selbst geschriebenen berndeutschen Fassung. Das funktioniert leider weder sprachlich noch inhaltlich. Der beissende Humor des Stückes geht fast gänzlich flöten. Tempo und Timing stimmen nicht, und die häufigen französischen Ausdrücke «maman» und «grand-maman» wirken reichlich aufgesetzt. Zudem durchziehen holprige Formulierungen wie «es Oug vou näh» das Stück.

Die Bühne (Matthias Egger) besteht aus einer pink-grünen Material- und Farbenschlacht. Warum, bleibt schleierhaft. Eigentlich sollte ein eingeschneites Landhaus dargestellt werden. Wieso nicht gleich eines im Emmental? Und die Kostüme (Lisa Eggimann) lassen die Damen wirken, als hätten sie Verkleiden gespielt. Jede trägt einen mehr oder weniger wilden Mix, der nur bedingt zur Figur passt. Gut möglich, dass dies den Darstellerinnen ihre Rollenfindung zusätzlich erschwert.

Ein Mord und viel Chaos

Mit Ausnahme der neurotischen Tante Augustine (Katrin Haueter) – die für die spärlichen Lacher des Abends sorgt – bleiben die Figuren blass. Dass diese acht Frauen eigentlich ausgekochte geldgierige Ungeheuer sind, geht unter. Zeitweise sagen sie mehr auswendig auf, als dass sie tatsächlich spielen. So kann kein Funke aufs Publikum überspringen. Schade. Das Stück lebt von den acht unterschiedlichen Persönlichkeiten, die aufeinanderprallen, einander demaskieren und blossstellen.

Eigentlich wollten sie gemeinsam Weihnachten feiern. Die gutbürgerliche Gaby (Sabine Siegenthaler) mit ihren Kindern Suzanne (Sandra Rentsch) und Catherine (Yaël Wyss) trifft auf Grand-maman (Elisabeth Schmidt), Tante Augustine sowie die Hausangestellten Louise (Lisa Eggimann) und Chanel (Sandra Schneider). Der einzige Mann im Haus ist tot. Er liegt erdolcht in seinem Bett. Als die Frauen das herausfinden, beginnt der eigentliche Plot. Es muss eine Mörderin unter ihnen sein. Potenzial für ein spannendes Kammerspiel: Hunde werden vergiftet, Telefonkabel durchgetrennt und Verdächtigungen ausgesprochen.

Trotzdem will partout keine Spannung aufkommen. Auch der Auftritt von Marcels Schwester Pierrette (Marietta Rüegsegger), die angeblich ein Lotterleben in Paris geführt hat, ändert daran nichts. Höhepunkt ist das Chaos, das ausbricht, als Hausmädchen Louise der in Ohnmacht gefallenen Augustine eine Spritze setzen sollte. Weigert sie sich? Ist sie die Mörderin? Bis zum überraschenden Ende des strapaziösen Reigens hat man fast das Interesse daran verloren.

Nächste Vorstellung: 6.1., 17 Uhr, Rüttihubelbad Walkringen. Infos und Reservation: www.elb.ch.

Berner Zeitung

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