Abgeschirmt in der Plastikwelt

Vier Jugendliche in der Psychiatrie: Die Uraufführung von «4 Könige» im Theater an der Effingerstrasse überzeugt mit einer feinfühligen Inszenierung und beachtlicher schauspielerischer Leistung.

Das sind die 4 Könige (vlnr.): Fedja (Aaron Frederik Defant), Lara (Julia Sewing), Alex (Antonia Michalsky) & Timo (Fabian Guggisberg)

Das sind die 4 Könige (vlnr.): Fedja (Aaron Frederik Defant), Lara (Julia Sewing), Alex (Antonia Michalsky) & Timo (Fabian Guggisberg)

(Bild: zvg)

Weihnachten, das Friede-Freude-Eierkuchen-Fest? Bestimmt nicht für Lara, Alex, Timo und Fedja, die Protagonisten von «4 Könige». Die vier Jugendlichen verbringen die Feiertage in der Psychiatrie.

Das Stück nach dem gleichnamigen Film von Theresa von Eltz ist im Theater an der Effingerstrasse als Uraufführung zu sehen. Petra Schönwald, die vor einem Jahr an der Effingerstrasse die Regie des Jugendstücks «Verschwunden» verantwortete, hat die Bühnenfassung geschrieben und führt Regie. Dabei setzt sie auf Reduktion: Weniger Figuren und weniger Hintergründe zu den Jugendlichen als im Film. Schönwald ist so ein Stück gelungen, das durch diese Weglassung überzeugt, das zuweilen düster ist, aber auch mit Humor punktet und dessen differenzierte Figuren berühren.

Keine abgewetzten Bilder

Gut, dass Diagnosen und Krankheitsbilder im Hintergrund bleiben und keine abgewetzten Bilder der Psychiatrie bemüht werden. Es geht um die Beziehungen zwischen Jugendlichen, um ihr Selbstbild und ihr arg auf die Probe gestelltes Vertrauen in die Welt.

Da ist etwa Lara (Julia Sewing), die nach eigener Meinung bloss auf einem Trip hängen geblieben ist. Sie ist quirlig, vorlaut und schenkt dem schüchternen Fedja zu Weihnachten einen Griff an ­ihre Brüste. Gleichzeitig kommen aber nicht nur bei ihren Panikattacken Verletzlichkeit und Einsamkeit zum Ausdruck. Fedja (Aaron Frederik Defant) ist das ängstliche Mobbingopfer, dessen leerer, verlorener Blick einen trifft. Auch Fabian Guggisberg als aggressiver Timo und Antonia Michalsky, welche die an ihrer Mutter verzweifelnde Alex spielt, überzeugen mit ihrer schauspielerischen Leistung.

Plastikblachen und Kisten

Zwiespältig sind auch Dr. Wolff (Lukas Waldvogel) und Schwester Simone (Lilian Fritz). Der lässige Arzt ist zwar ein guter Psychiater, aber ein schlechter Vater. Die strenge Simone ist engagiert, aber zu bemüht, sie kann die eigenen Probleme nicht ausblenden. Dass die Vertreter der Psychiatrie nicht in Schwarzweiss-Manier daherkommen, lässt die von Plastikvorhängen abgeschirmte Klinikwelt nicht ganz so kalt und trostlos erscheinen.

Und überhaupt: Das ganz von Plastik bestimmte Bühnenbild überzeugt (Petra Schönwald, Verena Dietze). Plastikkisten nehmen unterschiedlichste Funktionen ein, und raffiniert beleuchtete Blachen versetzen einen augenblicklich in einen düsteren Wald. Das gibt viel Raum für ­Symbolik.

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