Abgang mit Nebengeräuschen

Filmregisseur Cihan ­Inan, Schauspielchef bei Konzert Theater Bern, wird seinen 2019 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Grund sind interne Streitigkeiten.

Zusammenarbeit endet 2019: Stephan Märki (links) konnte Schauspielchef Cihan Inan nicht halten.<p class='credit'>(Bild: Urs Baumann)</p>

Zusammenarbeit endet 2019: Stephan Märki (links) konnte Schauspielchef Cihan Inan nicht halten.

(Bild: Urs Baumann)

Stefanie Christ@steffiinthesky

«Das ist meine Aufgabe: Reden», sagte Cihan Inan Anfang des ­Jahres in einem Interview mit dieser Zeitung, als er seine Rolle als Schauspielchef umschreiben sollte. Nun hat offenbar auch Reden nicht mehr geholfen. Am Montag teilte Konzert Theater Bern (KTB) mit, dass der 49-Jährige seinen Vertrag, der im Sommer 2019 ausläuft, nicht mehr verlängern werde. Der Burgdorfer mit türkischen Wurzeln wird den Berner Theaterbetrieb nach nur zwei Jahren wieder verlassen.

«Das war nicht der Grund»

War man in der Chefetage mit ­seiner Leistung nicht zufrieden? Immerhin steckt die Schauspielsparte erstmals seit zehn Jahren in den roten Zahlen. Gerade potenzielle Publikumsmagnete wie «Der Verdingbub» liefen unter den Erwartungen. Stephan Märki, Intendant von Konzert Theater Bern, winkt ab: «Es stimmt, die Zahlen im Schauspiel sind zurzeit nicht rosig, aber das war nicht der Grund. Ich hätte gern weiter mit Cihan Inan zusammengearbeitet.»

Schon länger brodelte die Gerüchteküche, dass sich Inan mit der ehemaligen Chefdramaturgin und heutigen Kommunikationschefin Sophie-Thérèse Krempl zerstritten habe. In der Pressemitteilung heisst es geheimnisvoll: «Cihan Inan hatte seinen Verbleib am Haus an eine Bedingung geknüpft, die weder die künstlerische Ausrichtung des Schauspiels noch den Einflussbereich von Cihan Inan betraf.» Deshalb hätten Intendant und Stiftungsrat von Konzert Theater Bern dieser Forderung nicht entsprechen können, heisst es weiter.

Insider aus KTB-Kreisen bestätigen, dass Inan seine Vertragsverlängerung an die Kündigung einer anderen Person geknüpft habe. Märki selbst will keine Namen nennen. Nur so viel: «Es kann nicht sein, dass eine Person wegen einer anderen gehen muss», so Märki, «das entspricht nicht unserem Code moral. Egal, um welche Person es sich handelt.» Man habe lange versucht, die Vertragsverlängerung unter Dach und Fach zu bringen. Aber ohne Erfolg.

Und was sagt Cihan Inan? Der Schauspielchef war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Mit anderen Vorzeichen

Es kam also zum Eklat. Wieder. Bereits Inans Vorgängerin, Stephanie Gräve, ging im Streit – im Streit mit Stephan Märki. Auch hier war es dem Stiftungsrat nicht gelungen, die Wogen zu glätten. Gräve wurde nach nur einem Jahr freigestellt.

So wiederholt sich die Geschichte nun mit anderen Protagonisten, auch wenn sie ein weniger abruptes Ende zu nehmen scheint: Cihan Inan wurde weder entlassen, noch hat er gekündigt. Er bleibt noch bis 2019. Dabei stand Inan für frischen Wind: Von insgesamt elf Schauspielpremieren waren sieben Uraufführungen.

Inhaltlich ist seine bis­herige Karriere am KTB geprägt von Höhen und Tiefen. Seine eigene Regiearbeit «Penthesilea» zum Saisonauftakt forderte dem Publikum einiges ab. «Die Irrfahrten des Odysseus» und das Weihnachtsmärchen «Krabat» begeisterten hingegen Kritiker und Publikum. «Die Schauspielsaison 2018/2019 im grossen Haus wird mit einer Inszenierung Inans eröffnet und auch operativ vertragsgemäss beendet werden», schreibt KTB.

Bis zum Auslaufen seines eigenen Vertrages 2021 wird Stephan Märki die Schauspielsparte nach Inans Weggang selber leiten, um «die Kontinuität im Schauspielensemble zu gewährleisten». Seinen eigenen Vertrag will der 63-Jährige danach ebenfalls nicht mehr verlängern. «Zehn Jahre sind genug, um das Projekt Konzert Theater Bern zum Laufen zu bringen. Danach sind neue Köpfe und frische Ideen gefragt.»

Berner Zeitung

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