Transparenz sieht anders aus

Michael Feller, Leiter Kultur, zur Art und Weise, wie über die Theater- und Tanzkommission städtisches Kulturgeld ausgegeben wird.

Michael Feller@mikefelloni

Die einen stellen sich einem «harten Wettbewerb» und scheitern mal für mal, die anderen haben den Projekt­beitrag praktisch garantiert, weil sie die richtigen Beziehungen haben oder am richtigen Ort auftreten: Die Art und Weise, wie über die Theater- und Tanzkommission städtisches Kulturgeld ausgegeben wird, ist fragwürdig – und spottet all der Strategiepapiere, die Transparenz und Vielfalt predigen.

Über die Zusammensetzung der Jury hält das Schlachthaus-Theater eine Machtposition. Das war schon immer so. Es ist gut, dass die Situation nun endlich hinterfragt wird von jenen, die systematisch übergangen werden.

Das Schlachthaus ist die wichtigste Institution für die freie Theaterszene und macht eine gute Arbeit, keine Frage. Ungeachtet dessen stellt sich die Frage, ob das Verteilsystem noch das richtige ist.

Wenn die Stadt einen starken Schlachthaus-Betrieb sichern will, müsste sie dieses Theater mit mehr Geld ausstatten. Damit könnte das Gastspielhaus die gewünschten nationalen und internationalen Theatergruppen einladen, in Eigenregie und ohne den Pro-forma-Umweg über eine Kommission, die ihre Anträge abnickt.

Mit dem Rest des Geldes könnte ein echter Wettbewerb stattfinden, bei dem die besten Ideen gewinnen. Ungeachtet, von wem sie kommen. Dafür braucht es aber nicht nur bereinigte Strukturen, es braucht auch eine Jury, die das breite Theaterschaffen der Stadt abbildet und nicht nur darauf aus ist, den Besitzstand einiger weniger zu wahren.

Berner Zeitung

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