«Maloney ist keine Figur, er ist ein Zustand»

Sonntag für Sonntag ist er seit vielen Jahren als bärbeissiger Privatdetektiv Philip Maloney im Radio zu hören. Nächste Woche bringt Michael Schacht in Bern zwei neue haarsträubende Fälle auf die Bühne.

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Herr Schacht, Sie kennen ja Philip Maloney inzwischen recht gut. Wie sieht der Mann eigentlich aus? Haben Sie eine konkrete Vorstellung?
Michael Schacht: Ach wissen Sie, ich sehe ihn nicht äusserlich, sondern tja, das wird mir jetzt etwas zu intim. Sagen wir es so: Ich bin nicht geschminkt, wenn ich im Studio sitze, ich trage keine Perücke, keine falschen Zähne und auch kein Glasauge. Ich empfinde ihn von innen her, wenn Sie wissen, was ich meine. Maloney ist keine Figur, sondern ein Zustand. Ein schlechter Zustand.

Ist Ihnen diese Figur pardon: dieser Zustand in all den Jahren nie verleidet?
Nein. Ich habe mir die Hunde-Philosophie zu eigen gemacht.

Hunde-Philosophie?
Sie lautet: voran. Und: nicht ohne meinen Polizisten. Ich denke mir immer wieder: Junge, komm, mach es. Mach es gut. Und versuche, dich nicht zu wiederholen.

Und das klappt?
Nun ja, natürlich ist das ein Witz bei 21 Jahren Philip Maloney, versuchen Sie das mal täglich im Bad (lacht laut).

Es gibt mittlerweile schon über 300 Maloney-Folgen. Wieso kann das Publikum nie genug davon kriegen?
Wenn ich das wüsste. Fragen Sie mich etwas Leichteres. Es ist ja nicht so wie beim Eurovision Song Contest. Wir gehen nicht hin, um einen Preis zu gewinnen. Wir gehen ins Studio, ohne genau zu wissen, was dabei herauskommt.

Wie muss man sich die Aufnahmen im Studio denn vorstellen?
Das Manuskript kriegen wir noch warm, von Roger Graf. Ich gucke rein, sitze in der Zelle, dann kommen die andern, und es geht los. Normalerweise werden Hörspiele ja lange vorbereitet. Bei uns geht alles ziemlich fix.

Können Sie sich noch an die erste Folge erinnern? Ja, das war «Die kleine Schwester». Aber damit hats sich auch schon fast. Wissen Sie, da kommen oft Fans, die beschämen einen, weil sie ganz genau wissen, wer wo wie erschossen wurde. Da kann ich leider nicht mithalten.

Auf der Bühne hoffentlich schon.
Nun ja, wenn die Fans kommen, ist das nicht ohne. Die wissen oft schon im Voraus, was man sagen will. Sie rufen: «Üble Sache, Maloney», oder: «So geht das.» Und sie lachen an Stellen, da denk ich: Hoppla, was ist denn jetzt los? Ich muss dann ganz schön aufpassen, dass ich nicht strauchle und selber lache. Maloney lacht ja nie.

Funktioniert Maloney eigentlich auch im Ausland, zum Beispiel in Deutschland?
Wir sind mal in der Nähe von Köln aufgetreten, da waren der Pfarrer da und noch ein Hund, wir standen ziemlich dumm da. Also bitte, schicken Sie mich nicht auch noch nach Deutschland.

Auf der Webseite von Roger Graf gibt es einen «Shop». Da kann man nicht nur Maloney-CDs und -DVDs bestellen, sondern auch Maloney-T-Shirts und Tisch-Sets. Was halten Sie davon?
Damit hab ich nichts zu tun, das ist Rogers Sache.

Aber Sie verdienen doch hoffentlich anständig mit ihrer Rolle...
Eine äussert indiskrete Frage. Nein, es geht. Nicht so viel, wie die Leute vielleicht meinen.

Gehts denn mit Maloney ewig weiter? Immerhin sind Sie, wenn ich richtig gerechnet habe, jetzt eigentlich im Pensionsalter.
Danke schön, das ist aber nett von Ihnen. Ich bin freischlafender Schauspieler. Ein Freelancer auf gut Deutsch. Schicken Sie so einen mal in Pension. Eine schwierige Sache. Sein oder Nichtsein, das ist die Frage. Angerufen werden oder nicht. So geht das.

Lesung: Di, 24.5., und Mi, 25.5., 20 Uhr, La Cappella Bern. Michael Schacht als Philip Maloney, Jodoc Seidel als Polizist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.05.2011, 13:41 Uhr

Wieder auf der Bühne: Michael Schacht alias Philip Maloney. (Bild: zvg)

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