Liebesreigen hinter Büschen

Bern

In Woody Allens «Mittsommernachts-Sex-Komödie» gehen alle fremd oder träumen zumindest davon: Das Theater an der Effingerstrasse inszeniert das Stück wie immer solid – aber ohne Mut zur Entstaubung.

Diese Schauspieler können nur verlieren: Obschon sie auf hohem Niveau spielen, sind doch Originale immer besser als die Kopien.

Diese Schauspieler können nur verlieren: Obschon sie auf hohem Niveau spielen, sind doch Originale immer besser als die Kopien.

(Bild: zvg/Michael Meier)

Helen Lagger@FuxHelen

In Shakespeares um 1600 uraufgeführter Komödie «A Midsummer Night’s Dream» verliebt sich die Elfenkönigin Titania in einen Mann mit Eselskopf. Eine schöne Allegorie für die Verblendung, die Liebe anrichten kann. Erotisch verwirrt sind auch die modernen Neurotiker in Woody Allens Filmen. Sein Stück «Mittsommernachts-Sex-Komödie», das er 1982 verfilmte, bezieht sich auf Shakespeares Klassiker.

Das Theater an der Effingerstrasse inszeniert nun – nachdem Anfang Jahr bereits das Burgtheater Wien sich dem Stoff gewidmet hat – Allens vergnüglichen Liebesreigen. Drei Paare treffen sich Anfang des 20.Jahrhunderts im Landhaus von Andrew (Helge Herwerth) und seiner verklemmten Frau Adrian (Alexandra Hartmann-Schöcker). Andrew gerät ganz schön aus dem Konzept, als Leopold (Horst Krebs) mit seiner Verlobten Ariel (Theresa Berlage) auftaucht. Andrew war nämlich einst in Ariel verliebt und bedauert nun die damals verpasste Gelegenheit. Das dritte Paar besteht aus dem Playboy Maxwell (Markus Hamele) und dessen junger Gespielin Dulcy (Eva Maria Frank). Die nicht allzu helle Krankenschwester beginnt mit Leopold zu flirten, während Maxwell plötzlich glaubt, in Ariel seine wahre Liebe zu erkennen. Alles endet mit einem misslungenen Selbstmordversuch und einer verpatzten Hochzeit.

Brave Nachahmung

Irrungen und Wirrungen, die zweifelsohne ewig gültig sind. Doch könnte es nicht schaden, Allens Stück beziehungsweise den gleichnamigen Film, der nun auch schon dreissig Jahre alt ist, ein wenig zu entstauben. Regisseur Peter Bamler tut das nicht. Vielmehr gestaltet er seine Figuren so nahe an Woody Allens Cast aus den Achtzigerjahren, dass man zeitweise denkt, ob man nicht lieber wieder mal den Film schauen sollte statt dieser etwas braven «Nachahmung». Andrew gestikuliert genau wie Allen, und Ariel trägt gar dieselbe Frisur wie die unvergessliche Mia Farrow. Da können die durchaus auf hohem Niveau spielenden Schauspieler nur verlieren, sind doch die Originale immer besser als die Kopien.

Bestens unterhalten wird man nichtsdestotrotz. Das Stück hat ein gutes Timing, was bei einer Komödie bekanntlich das A und O ist. Das Bühnenbild (Peter Aeschbacher), bestehend aus Kunstrasen und allerlei Büschen, ermöglicht geheime Treffen, parallel stattfindende Dialoge und angedeutete Liebesakte. «Sex vermindert Spannung, Liebe verursacht sie», klönt Andrew. «Hochzeit ist der Tod der Hoffnung», glaubt Maxwell – allerdings nur, bis Amors Pfeil sein Herz durchbohrt.

Weitere Vorstellungen: Heute und Sa., 13.Okt., um 20 Uhr sowie So., 14.Okt., um 17 Uhr. Im Theater an der Effingerstrasse, Bern.

Berner Zeitung

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