Konzert Theater: 30 Premieren und 30 grosse symphonische Abende

Konzert Theater Bern steht eine bewegte Saison bevor. Insbesondere das Orchester ist auf Achse, da seine bisherige Spielstätte saniert wird.

Der neue Schauspieldirektors Cihan Inan legt in der kommenden Saison seinen Fokus auf zeitgenössische Themen.

Der neue Schauspieldirektors Cihan Inan legt in der kommenden Saison seinen Fokus auf zeitgenössische Themen. Bild: Urs Baumann

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Über 30 Premieren und 30 grosse symphonische Abende stehen in der Spielzeit 2017/18 auf dem Programm von Konzert Theater Bern. Vor allem das Symphonieorchester wird auf Achse sein, denn seine bisherige Spielstätte wird saniert.

Neuer Hauptspielort des Symphonieorchesters ist der Kursaal, daneben spielt das Orchester aber auch an diversen anderen Orten. Das werde eine Herausforderung für das Publikum, sagte Chefdirigent Mario Venzago. Doch durch diese Mobilität hoffe er auch, neues Publikum anzusprechen. Die Konzertsaison eröffnen Venzago und das Berner Symphonieorchester mit Bruckners 7. Symphonie.

Unspielbares Werk

Etwas Besonderes ist die Neuentdeckung von Othmar Schoecks Oper «Das Schloss Dürande». Ein Stück, «das man so eigentlich gar nicht spielen kann», wie Venzago am Mittwoch vor den Medien sagte. Dem 1943 in Deutschland uraufgeführten Werk haftete Nazi-Stallgeruch an.

In einem Projekt der Hochschule für Künste Bern und der Universität Bern wurde das Werk untersucht. Schoecks Musik hafte nichts Totalitäres an, betonte Venzago vor den Medien. Im Gegenteil, Schoeck habe versucht, dem Libretto des Blut-und-Boden-Dichters Hermann Burte eine andere, musikalische Welt entgegenzusetzen.

Die Musik gehöre zum Wunderbarsten, was der Schweizer Komponist geschrieben habe. Der Berner Dichter Francesco Micieli wagte den Versuch, den Text des Librettos gezielt mit Gedichten und Prosa des Dichters Joseph Eichendorff zu ersetzen.

Blick in eine Welt des Vergessens

Das Musiktheater startet mit Mozarts «Don Giovanni» in die Saison. Auf dem Programm steht unter anderem auch die Schweizer Erstaufführung von «Anna Karenina» von Jeno Hubay. Der ungarische Komponist der Jahrhundertwende wurde erst in den letzten Jahren von ein paar wenigen Häusern wiederentdeckt. Die Oper basiert auf dem weltbekannten Roman von Leo Tolstoi.

Mit «Alzheim» wagt das Musiktheater auf seine Art einen Blick in eine fremde Welt. Die Erfahrungen von Patienten in einer von einem Berner in Thailand gegründeten Demenzstation werden auf die Bühne gebracht.

Verdingbub auf der Bühne

Der neue Schauspieldirektor Cihan Inan wartet unter anderem mit einem Bühnenstück auf , das auf dem Film «Der Verdingbub» basiert. Sabine Boss, bekannt durch die Verfilmung von Pedro Lenz' «Der Goalie bin ig», wird dieses Stück Schweizer Geschichte zur Uraufführung bringen.

Insgesamt sieben Uraufführungen stehen auf Inans Programm. Der neue Schauspieldirektor legt seinen Fokus auf zeitgenössische Themen. Das Transgendermusical «Coco» ist eine Hommage an die gleichnamige Berner Kultfigur der 1990-er Jahre.

Auch Christian Krachts «Die Toten», eine Groteske über die Perversionen der Kulturindustrie, kommt zur Uraufführung. Eine weitere Uraufführung ist mit «Die Akte Bern» von Tobi Müller geplant. Auf der Grundlage von Interviews entsteht ein Theaterstück darüber, wie aus repressiver Überwachung freiwilliger Striptease werden konnte.

Auf der Stadttheaterbühne wird auch eine spartenübergreifende Produktion mit dem Titel «Die Formel» gezeigt. Ein Stück, das die Ehepaare Maric-Einstein, Krupskaja-Lenin und Stumpf-Klee in Bern mit Robert Walser aufeinandertreffen lässt.

Mit Neuinterpretationen von Kleists «Penthesilea» oder Gorkjis «Kinder der Sonne» pflegt Inan aber auch das Repertoire. Ottfried Preusslers Jugendroman «Krabat» ist der Stoff des diesjährigen «Märli» im Stadttheater. Mit an Bord ist auch die Berner Band «Kummerbuben».

Bolero auf der Ballettbühne

Die Tanzsaison wird mit einem dreiteiligen Abend eröffnet mit Igor Strawinskys «Le Sacre du Printemps», Claude Debussys «Prélude à l'après-midi d'un faune» und Maurice Ravels «Bolero».

Als Choreographen zeichnen das israelisch-niederländische Duo Uri Ivgi und Johan Greben, der Belgier Sidi Larbi Cherkaoui und der Franzose Etienne Béchard. In der Schweizer Erstaufführung «Tabula Rasa» geht es um das Thema, sich in einen anfänglichen Zustand, in ein unbeschriebenes Blatt zurückzuverwandeln.

Im Herbst 2017 ist die Sanierung des Berner Stadttheaters abgeschlossen. Intendant Stephan Märki freute sich über die positive Resonanz des Publikums auf das neu gewandete Haus.

Mit der Sanierung des Kultur Casinos, der Spielstätte des Orchesters, geht der Ausnahmezustand bei Konzert Theater Bern aber quasi in die Verlängerung. Eine grosse Herausforderung, wie Märki betonte. (sih/sda)

Erstellt: 03.05.2017, 17:27 Uhr

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