Kandidaten mit allen Wassern gewaschen

«Die Grönholm-Methode» ist das erste Stück, das die Junge Theaterfabrik mit vier Teilnehmern ihres zweijährigen Theater-Workshops erarbeitet hat. Das Resultat kann sich sehen lassen.

Markus Trachsel und Besnik Bala als Kandidaten in «Die Grönholm-Methode»: Beide misstrauen sich gegenseitig. Wer spielt hier falsch?

Markus Trachsel und Besnik Bala als Kandidaten in «Die Grönholm-Methode»: Beide misstrauen sich gegenseitig. Wer spielt hier falsch?

(Bild: zvg)

Helen Lagger@FuxHelen

Waschmaschinen stehen auf der Bühne des Theaters Remise und ergeben eine eigenwillige Bühnenarchitektur. Gespielt wird die «Grönholm-Methode», ein Stück des spanischen Autors Jordi Galceran aus dem Jahr 2003. Darin treffen drei Männer und eine Frau bei einem Vorstellungsgespräch in einem Grosskonzern aufeinander. Statt Fragen zu beantworten, müssen sie nach der ominösen Grönholm-Methode Aufgaben lösen, die immer skurriler anmuten. Den Kandidaten wird etwa mitgeteilt, einer von ihnen sei von der Firma, und die anderen müssten herausfinden, wer der Falschspieler sei. Allmählich artet das gegenseitige Manipulieren zum Psychokrieg aus, und am Ende folgt eine unerwartete Wendung.

Reinwaschen und punkten Die Waschmaschinen stehen dabei für Verschiedenes: Die Kandidaten werden durchgespült, bis sie mit allen Wassern gewaschen sind, versuchen aber auch, sich selbst reinzuwaschen und mit einer weissen Weste zu punkten. Ein anspruchsvolles Stück, das Regisseurin Davina Siegenthaler sich für ihre Schützlinge ausgesucht hat. Die 32-jährige Theaterwissenschaftlerin hat die Junge Theaterfabrik vor zwei Jahren gemeinsam mit dem 47-jährigen Theaterpädagogen Alex Truffer gegründet. Junge Leute zwischen 16 und 24 Jahren sollen die Gelegenheit bekommen, Schauspielmethoden zu erlernen, ohne sich gleich an einer Schauspielschule zu verpflichten. Im ersten Jahr stehen unter anderem Improvisation, Körperarbeit und Rollenspiele auf dem Programm. Im zweiten Jahr erarbeiten jene, die genügend Talent, Zeit und Musse haben, ein Stück. Von sechzehn Kandidaten haben sich dafür Markus Trachsel (20), Besnik Bala (18), Stefanie Röthlisberger (20) und Matthias Ostermeier (25) qualifiziert.

Neurotiker und Zyniker Bereits ist die zweite Ausbildungsstaffel am Laufen, und für die dritte mit Beginn im September habe es noch freie Plätze, verrät Siegenthaler. Aufgenommen wird allerdings nicht jeder. Es gibt ein Bewerbungsgespräch – das zum Glück nicht so absurd wie jenes auf der Bühne verläuft. Markus Trachsel hat es geschafft, er spielt im Stück nun einen nervigen Neurotiker, der die anderen Kandidaten ganz schön aus der Fassung bringt. Trotz seines offensichtlichen Talents hat sich Trachsel aber gegen eine Schauspielerlaufbahn entschieden, weil er lieber soziokulturelle Animation studieren möchte. Stefanie Röthlisberger spielt im Stück eine kühle, arrogante Blonde. Sie selbst sei eher schüchtern. «Es hat mir zunehmend Spass gemacht, diese Figur zu spielen», erzählt die gelernte Schneiderin, die trotz aller Begeisterung lieber in ihrem Beruf bleiben will. Matthias Ostermeier, der gelernte Polymechaniker, will auf Laienbühnen weiterhin Theater spielen. Eine professionelle Karriere strebt einzig der in Burgdorf aufgewachsene gebürtige Kosovo-Albaner («Schreiben Sie das ruhig, man liest ja sonst nur Negatives über uns») Besnik Bala an. Er, der James Dean als sein Vorbild bezeichnet, brilliert in der Rolle des Zynikers. Er habe schon immer das Bedürfnis gehabt, sich kreativ auszudrücken. Seine Zukunftspläne? Die kaufmännische Lehre abschliessen, dann das Militär machen und schliesslich probieren, ob es mit der Schauspielschule klappt.

Alle sind sich einig, dass der Theaterworkshop ihnen viel gebracht hat. «Wir sind selbstbewusster geworden und haben viel über uns selbst erfahren.» Das komplexe Stück haben sie jedenfalls mit Bravour gespielt, in perfektem Bühnenhochdeutsch rezitiert und mit dem Mut, ihren jeweiligen Charakter mit individuellen Zügen auszustatten.

Berner Zeitung

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