Das Berner Symphonieorchester möchte für zwei Jahre im Bernapark spielen

Bern

Seit Monaten sucht die Burgergemeinde nach einer Ersatzspielstätte für das Kultur-Casino, das ab 2017 für zwei Jahre saniert wird. Doch ein vielversprechendes Projekt im Bernapark, das von Konzert Theater Bern favorisiert wird, steht nun auf der Kippe.

Konzerte in der Kartonfabrik: Modell der Ersatzspielstätte im Bernapark.

Konzerte in der Kartonfabrik: Modell der Ersatzspielstätte im Bernapark.

(Bild: Walter Pfäffli)

Oliver Meier@mei_oliver

In letzter Zeit war vor allem von der Sanierung des Berner Stadttheaters die Rede. Es gibt aber ein weiteres, wohl noch grösseres Projekt. Und es sorgt für Diskussionen hinter den Kulissen. Das Kultur-Casino, im Besitz der Burgergemeinde, wird ab Sommer 2017 für zwei Jahre geschlossen. In dieser Zeit wollen die Burger das prunkvolle Gebäude am Casinoplatz umfassend sanieren.

In einem Grobkonzept war letztes Jahr von rund 60 Millionen Franken die Rede – 15 Millionen mehr, als derzeit beim Stadttheater verbaut werden. Auf Nachfrage will sich die Burgergemeinde heute allerdings auf keinen Betrag festlegen. Das fertige Bauprojekt liege erst Ende Jahr vor, heisst es.

Für Diskussionen sorgt vor allem die Frage der Ersatzspielstätte. Betroffen von der Schliessung ist vorab das Berner Symphonieorchester, das viele Konzerte im Kultur-Casino austrägt. Angewiesen auf eine Ersatzspielstätte sind aber auch Konzertreihen wie der Meisterzyklus oder die Migros-Kulturprozent-Classics. Solche Veranstalter planen in der Regel auf mehrere Jahre hinaus. Seit längerem aber warten sie auf Informationen.

Mehrere Varianten geprüft

Vor allem bei Konzert Theater Bern herrscht zunehmend Nervosität. «Die Burgergemeinde hat uns darüber informiert, dass sie für eine Ersatzspielstätte Sorge tragen wird. Uns wurde angekündigt, dass wir im Sommer über die Lösung ins Bild gesetzt werden», sagt Stephan Märki, Intendant von Konzert Theater Bern. Tatsächlich hat die Burgergemeinde mehrere Varianten geprüft.

In der engeren Auswahl war bis vor kurzem der Bernapark. Auf dem Gelände der früheren Kartonfabrik Deisswil soll in den nächsten Jahren ein neues, innovatives Quartier entstehen. Noch hat die Bevölkerung von Stettlen nicht über die Anpassung der Überbauungsordnung abgestimmt. Das Projekt einer Ersatzspielstätte im Bernapark ist allerdings fortgeschritten. Es gibt sogar ein Modell. Und die Leitung von Konzert Theater Bern hat sich vor Ort informiert.

«Hochspannend, wenn auch nicht risikofrei»

Doch vergangene Woche haben sich die Burger mündlich gegen die Bernapark-Variante ausgesprochen, wie Caroline Landolf-Müller, Kommunikationsleiterin des Bernaparks, auf Anfrage bestätigt. «Wir bedauern das. Es ist wirklich ein spannendes Projekt. Der Bernapark wäre ausgezeichnet geeignet», so Landolf. «Es wäre schade, wenn man in der Innenstadt ein Provisorium errichten würde. Der Bernapark wäre eine nachhaltige Lösung, man könnte die Halle auch später für Events nutzen.»

Das Berner Symphonieorchester oder Starsolisten des Meisterzyklus in Stettlen? Das mag auf den ersten Blick irritieren. Doch bei Konzert Theater Bern sieht man das Projekt als Chance. Als «hochspannend, wenn auch nicht risikofrei», wertet Stephan Märki das Bernapark-Projekt. «Wir könnten uns diese Variante durchaus vorstellen», so Märki. «Falls die Variante Bernapark wirklich wegfällt, ist das zu bedauern.»

Die Burger wollen sich nicht in die Karten blicken lassen. «Die Burgergemeinde Bern steht mit den Partnern im Gespräch, Pros und Kontras werden mit diesen diskutiert», sagt die Kommunikationsverantwortliche Stefanie Gerber Frösch. «Den definitiven Entscheid über die möglichen Standorte fällt der Kleine Burgerrat Mitte Juli 2015. Bis dahin äussern wir uns nicht mehr über mögliche Spielorte.»

Chefdirigent gegen National

Mit der mündlichen Absage an den Bernapark steht für die Burger eine Variante in der Innenstadt im Fokus. Beim Orchester befürchtet man, dass es auf das National hinausläuft. «Eine andere Variante kennen wir nicht», sagt Märki. Doch das National wird vom Orchester als völlig ungeeignet für die symphonischen Konzerte betrachtet, abgesehen davon, dass es zu klein ist. «Wir brauchen eine Ersatzspielstätte für mindestens 1000 Plätze», sagt Märki. Zum Vergleich: Der als Ersatzspielstätte für das Theater geplante Kubus auf dem Waisenhausplatz soll Raum für knapp 500 Zuschauer bieten.

Ein vehementer Kritiker der Variante National ist Mario Venzago, Chefdirigent des Symphonieorchesters. «Das National kommt als Konzertraum für Sinfoniekonzerte auch nach millionenschwerem Umbau nicht infrage», so Venzago. «Vor drei Jahren probte ich dort Beethovens ‹Fidelio›.

Diese Proben mussten abgebrochen werden, da die Akustik des Saales verheerend ist.» Verbessern lasse sich die Akustik dort nicht. «Da die Burger stets wunderbare Gastgeber sind, hoffen wir, dass diese Variante verworfen und rasch und kreativ nach realistischen und unsere Existenz sichernden Lösungen gesucht wird», so Venzago. «Selbstverständlich bieten wir jederzeit Hand dazu.»

Berner Zeitung

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