Clown Dimitri wird 75 Jahre alt

Seit fünfzig Jahren mimt Dimitri erfolgreich den Clown – und es fällt ihm immer noch leicht, ausser mit 40 Grad Fieber. Am Samstag feiert er seinen 75. Geburtstag. Ein Gespräch über die Freuden und Leiden eines Clowns.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Dimitri, wird man als Clown geboren?
Dimitri: Ich denke schon. Neben der Leidenschaft und einem Willen zum Clownsein braucht es vor allem eine spezielle komische Begabung. Mit den Klischeevorstellungen vom weinenden oder traurigen Clown kann ich überhaupt nichts anfangen. Ein richtiger Clown bringt die Leute zum Lachen. Melancholie darf mitschwingen, aber nur für kurze Momente, wie bei Charlie Chaplin.

Was darf ein Clown nicht?
Mein Clown darf nicht aggressiv sein, nicht böse, nicht vulgär, nicht derb …

Nicht derb?
Nein. Natürlich lachen die Leute auch über derbe Witze und über vulgäre Clowns. Aber ich bin nicht so einer.

Hat sich der Beruf des Clowns in den letzten 50 Jahren verändert?
Der Clown ist zeitlos, im Grunde lacht man immer über ähnliche Situationen. Heute gibt es aber vermehrt Künstler, die sich Clowns nennen, aber eher Comedy machen. Ihnen fehlt das Poetische.

Gibt es Momente, in denen Ihnen das Clownsein schwer fällt?
Manchmal, wenn ich nicht fit bin. Einmal musste ich mit fast 40 Grad Fieber auftreten. Da kann man einfach keinen lustigen Clown mehr mimen. Wenn man hingegen traurig ist, ist es nicht einmal so schwer, sich ein herzhaftes Lachen auf die Lippen zu zaubern. Freude ist nah beim Traurigsein, was die Tiefe der Gefühle angeht.

Wie schaffen Sie das Kunststück, sich den unschuldigen Clownblick auf die Welt zu bewahren?
Es ist sicher auch ein Wollen. Und es braucht eine grosse Portion Glück dazu. Wie diesen Frühling, bei meinem Bühnensturz, bei dem ich mich am Rücken verletzt habe. Ich kann immer noch laufen und musste nicht einmal operiert werden. Andere, die mit mir im Paraplegikerzentrum in Nottwil waren, hatten nicht so viel Glück.

Haben Sie sich nach dem Unfall überlegt, was wäre, wenn Sie weniger Glück gehabt hätten?
Sicher. Das habe ich mir übrigens schon früher immer überlegt. Was wäre, wenn ich gelähmt wäre? Und ich habe auch schon immer einen Plan B gehabt.

Wie sieht er aus?
Wäre ich gelähmt, könnte ich Geschichten erzählen oder meine Malleidenschaft noch intensiver ausleben. Ich habe mir auch überlegt, was ich täte, wenn ich blind würde oder taub.

Was täten Sie, wenn Sie blind wären?
Da könnte ich wohl immer noch Musik machen oder erzählen. Malen wäre natürlich schwierig. Andererseits gibt es Blinde, die Bogen schiessen – mit professioneller Hilfe.

Haben Sie nun Angst, nach dem Unfall aufzutreten?
Nein, aber ich habe wieder einen Plan B: Sollte ich körperlich reduziert sein, würde ich meine Programme umdenken und neu zusammenstellen.

Wie empfinden Sie als Körpermensch das Alter?
Das habe ich schon früh gemerkt, bei der Akrobatik zum Beispiel. Aber als Clown kann man bis ins hohe Alter auf der Bühne stehen, sofern man eine gewisse Komik bewahren kann. Zu schaffen macht mir eher der Gedanke, dass man an etwas sterben muss. Dass man bettlägerig wird, oder dass man leiden muss.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie auf Ihre 50-jährige Bühnenkarriere zurückblicken?
Eigentlich denke ich nicht an die Vergangenheit, sondern lieber daran, was ich noch realisieren möchte.

Zum Beispiel?
An meinem Geburtstag wird der Skulpturenpark, der Parco del Clown, bei uns in Verscio eingeweiht. Bundesrätin Doris Leuthard wird übrigens das Band durchschneiden. Dann möchte ich eine Casa del Clown eröffnen, in der ich ein Zentrum für die Forschung rund um Clownerie und Komik einrichten will. Ein Weltzentrum für ethnisch-folkloristische Musik schwebt mir vor, und dann sollte es auch eine grosse Clownbibliothek geben. Aber das sind erst Ideen. Das Haus haben wir, die Finanzierung ist aber noch nicht gesichert.

Freuen Sie sich auf Ihren 75. Geburtstag?
Ja, weil da der Clownpark eröffnet wird und viele Freunde kommen. Das Fest dauert übrigens drei Tage, weil wir immer nur 200 Leute auf einmal einladen können. Aber der Geburtstag selbst fasziniert mich eher weniger. Für mich ist jeder Tag Geburtstag. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.09.2010, 08:16 Uhr

Ein Weltstar aus dem Tessin

Als Dimitri, 1935 in Ascona geboren, mit sieben Jahren den Clown Andreff im Zirkus Knie sah, war für ihn klar, dass er Clown werden wollte. Zunächst machte er aber eine Töpferlehre in Reichenbach bei Bern. 1958 wurde er Schüler des berühmten Pantomimen Marcel Marceau in Paris, ein Jahr später trat er in Bern auf – mit einem Programm, das so erfolgreich war, dass es auf drei Monate Spieldauer verlängert wurde. 1970 begann die erste Familien-Tournee mit dem Zirkus Knie. Mit seinen Programmen gastierte Dimitri auf der ganzen Welt, unter anderem in den USA, China, Südamerika und Australien. Im Tessin (Verscio), wo er wohnt, hat Dimitri ein Theater, eine Clownschule, ein Komikmuseum und einen Clownpark gegründet. In seiner Freizeit malt der bald 75-Jährige gern, er hat seine Bilder bereits mehrmals ausgestellt.

«Zu schaffen macht mir eher der Gedanke, dass man an
etwas sterben muss», sinniert Dimitri. (Bild: Remy Steinegger)

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Kommentare

Blogs

Spielen Patent Ochnser am Gurtenfestival 2019?

Michèle & Friends Wie hiess das früher? Der Ü-40-Gedächtnistest

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...