Riggisberg

Zwischen Kühen und Nixen

RiggisbergHochkarätiges Unterwasserabenteuer: Am Musikfestival Klangantrisch wagt die Walliser Mundartsängerin Sina mit dem litauischen Klaipeda ChamberOrchestra und dem deutschen Streichquartett Die Nixenein Crossover-Experiment.

«Wie fleigu ohni Sicherheitsgurt»: Sina mit dem Klaipeda Chamber Orchestra am Klangantrisch.

«Wie fleigu ohni Sicherheitsgurt»: Sina mit dem Klaipeda Chamber Orchestra am Klangantrisch. Bild: Walter Pfäffli

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Kuhglockengeläute, Häuser im Chaletstil und Natur pur: In Riggisberg treffen am dritten Klangantrisch-Festival drei unterschiedliche musikalische Stilrichtungen aufeinander: die Walliser Mundartsängerin Sina, das litauische Klaipeda Chamber ­Orchestra und das deutsche Streichquartett Die Nixen.

Mit 30-köpfigem Orchester

Die Scheinwerfer im Saal sind gedimmt, die Bühne wird von sanftgrünem Licht umspielt. Immer wieder verändern sich die Lichtfarben auf der Bühne und zaubern eine Unterwasserweltatmosphäre herbei. Das gut 30-köpfige Klaipeda Chamber Orchestra, eines der bedeutendsten Kammerorchester des Baltikums, setzt zum ersten Lied an.

Sina stimmt mit ein und singt mit voller und gleichzeitig sinnlicher Stimme von einem «Fiirvogel». Beim Walliserdeutsch muss man genauer hinhören, doch stimmlich überzeugt die 51-Jährige vom ersten Ton an. Obwohl die Sängerin, Patricia Drager, ihre Akkordeonistin, Kaspar Zehnder, der Dirigent und künstlerische Leiter des Festivals, und das litauische Orchester nur einen halben Tag Zeit für Liveproben hatten, stimmt das Timing des En­sembles.

Und doch – ganz ohne ist der einmalige Auftritt nicht, wie Sina dem Publikum mit einem Lächeln verrät: «Es isch wie fleigu ohni Sicherheitsgurt.» Im zweiten Teil des Abends ist dann die Liebe Trumpf, die nicht nur auf Walliserdeutsch, sondern auch auf Französisch und Englisch ­besungen wird. Zwischendurch improvisiert die Sängerin in Richtung experimentellen Free­stylejodel, was nicht immer gelingt. Dennoch zeigt sich das ­Publikum ob dem mit Fantasie und Passion arrangierten Gesamtkunstwerk begeistert.

Poppige Klassik

Zwischen den beiden Auftritten Sinas gibt das deutsche Streichquartett Die Nixen klassische Stücke zum Besten. Mozart und Bach werden dabei immer wieder durch poppige Michael-Jackson-, Prince- und Britney­Spears-Covers aufgemischt. Die vier Powerfrauen wissen nicht nur sich selber mit schillernd-schwarzen Abendkleidern in ­Szene zu setzen, sondern auch die Bögen ihrer Instrumente, was beim Publikum für einige Lacher sorgt.

Zum Abschluss des experimentellen Abends singen alle (litauisches Orchester, deutsche Nixen und schweizerdeutsches Publikum) mit Sina ein Lied auf Walliserdeutsch. Als man nach diesem hochkarätigen Abend aus der Konzerthalle Riggisberg tritt und einem Kuhglocken entgegenbimmeln, schrickt man kurz hoch. Dann aber geniesst man nach diesem Unterwasserabenteuer zufrieden die frische Bergluft. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.06.2017, 10:32 Uhr

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