Zwei Frauen geben den Ton an

Das dreitägige Be-Jazz Winterfestival zeigt von ­Donnerstag bis Samstag eine lebendige und vielseitige Schweizer Jazzszene. ­Mittendrin: zwei junge ­Musikerinnen, die mit ihren Bands eigene Wege gehen.

Luzia von Wyl bringt ihr Ensemble an den Schlussabend des Festivals Be-Jazz.

Luzia von Wyl bringt ihr Ensemble an den Schlussabend des Festivals Be-Jazz.

(Bild: zvg)

Vom Duo-Konzert über Latin-Jazz bis zur radikalen Improvisation: Die drei Tage des Be-Jazz Winterfestivals zwischen Donnerstag und Samstag sind ein abenteuerlicher Ritt durch die unterschiedlichsten Genres. Zwei der auffälligsten Formationen in diesem Programm werden von jungen Musikerinnen geleitet: Rea Dubachs Quintett Tellurian am Eröffnungsabend am Donnerstag und das Luzia von Wyl Ensemble zum Schluss des Festivals am Samstag. Beides ist alles andere als Easy Listening – und dennoch erstaunlich zu­gänglich. Das schaffen sie mit ganz unterschiedlichen musikalischen Ansätzen.

Gespür für Stimmungen

Die Bieler Sängerin Rea Dubach hat eine ganze Reihe an Projekten am Laufen: vom Soloprojekt über verschiedene Duo- und Trio-Formationen bis zum Quintett Tellurian. Soeben war sie als Solistin zu hören an der Auftaktkonzertreihe zur 10. Berner Jazzwerkstatt, die dann im Februar stattfindet. Apropos Jazzwerkstatt: Nicht nur Rea Dubach war dort schon zu Gast, auch Luzia von Wyl hat an der Jazzwerkstatt ihr Grossprojekt einem breiteren Publikum vorgestellt. Doch zurück zu Dubach: Mit ihrem am Pop geschulten Songwriting hat sie ein Gespür für grosse Stimmungen und schafft es, das in die Sprache des Jazz zu übersetzen. Und exakt diese Stimmungen sind es, welche die eigentlich sehr sperrige Musik für die Zuhörer zugänglich machen.

Anders als Dubachs Tellurian, die vor allem auf grosse Stimmungen setzen, sind es beim Luzia von Wyl Ensemble Grooves und klug durchkomponierte  Melodielinien.

Mit Tellurian hat Rea Dubach letztes Jahr den Be-Jazz-Transnational-Förderpreis erhalten. Der Preis ermöglicht Projekten, die über die Landesgrenzen hinaus operieren, enger zusammenzuarbeiten – etwas, das oft mit hohen Kosten verbunden ist und deshalb alles andere als selbstverständlich ist. In Bezug auf Tellurian heisst das: Die Band erhält die Gelegenheit, den in der New Yorker Downtown-Szene beheimateten Bassisten Shahzad Ismaily erneut für das Winterfestival nach Bern zu holen.

Gebändigte Grossformation

Auch Luzia von Wyl bewegt sich gerne neben den ausgetretenen Pfaden der Musikgeschichte. Ihr Ensemble, das sie am Schlussabend ans Winterfestival bringt, umfasst nicht weniger als zehn Musikerinnen und Musiker und sprengt mit der Besetzung jegliche Genregrenzen: Neben Klavier, Bass und Schlagzeug stehen Violine, Cello, Vibrafon – ja, sogar ein Fagott – auf der Bühne. Die Komponistin und Bandleaderin selber leitet das Ganze vom Klavier aus.

Wie im Falle von Dubach gilt auch bei Luzia von Wyl: Die Musik ist weniger sperrig, als die Besetzung vielleicht vermuten lässt. Anders als Dubachs Tellu­rian, die vor allem auf grosse Stimmungen setzen, sind es im Falle des Luzia von Wyl Ensem­bles Grooves und klug durchkomponierte, repetitive Melodie­linien, an Minimal Music angelehnte Passagen, welche die Musik dem Zuhörer zugänglich machen. Dazwischen lässt die Komponistin ihren Mitmusikern stets genügend Raum für eigene Improvisationen.

Am Be-Jazz Winterfestival wird das Luzia von Wyl Ensemble das neue Programm «Throwing Coins» vorstellen, mit welchem von Wyl letztes Jahr am Lucerne Festival eingeladen war.

Be-Jazz Winterfestival,Donnerstag, 19. Januar, bis Samstag, 21. Januar, in den Vidmar-Hallen Liebefeld-Bern. Das ganze Programm unter: www.bejazz.ch

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt