«Zufrieden» geht die Welt zugrunde

Die Berner Cyberpunks von Revolting Puppets malen in ihrem neuen Videoclip eine düstere Zukunft, in welcher schlechte Gedanken per Mikrochip ausgelöscht werden.

Der Videoclip zu «Escape from Home». (Quelle: Youtube/Revolting Puppets)

Martin Bürki@tinubuerki27

Ein Mann rennt und rennt – weg von zuhause, weg von der Gesellschaft, weg von der allmächtigen «M-Corporation», die mit Gehirnimplantaten nur noch positive Gedanken zulassen und die Menschheit auf diese Weise kontrollieren will. Das Szenario, das die Berner Cyberpunk-Band Revolting Puppets in ihrem Video «Escape from Home» zeichnet, ist düster.

Aber nicht unrealistisch, wie die Band findet: «Die Geschichte hat bewusste Parallelen zur gegenwärtigen Situation in den sozialen Medien, wo immer mehr Kommentarspalten geschlossen oder deaktiviert werden müssen, um die wachsende Hasskultur in Debatten und Diskussionen zu verhindern.»

Ab in den Untergrund

Und so besingen Revolting Puppets, dass jeder Mensch ein Gefangener sei, der behauptet, frei zu sein. Dass, wer sich nicht in diese dumpfe Welt einfügt, in eine Art gefühlsloser Zombie verwandelt wird. Und weil der Protagonist nicht Teil sein will dieses abscheulichen Spiels, hat er sich die Drähte aus dem Kopf gerissen und ist nun auf der Flucht. Zwar müsse er in den Untergrund, fühle sich aber lebendiger als je zuvor.

Das Video dazu erinnert an Filme wie Johnny Mnemonic, Total Recall oder auch ein wenig an Matrix. Die charakteristischen Helme, welche seit jeher das Markenzeichen der Band sind, passen da prima ins Schema. Und sie scheinen vor der Gehirnwäsche zu schützen: Als der «Flüchtling» aus dem Video endlich den Wald erreicht, fernab von jeder Zivilisation, leuchten die Helme plötzlich im Dunkeln auf...

Warum produziert eine Band, von der es bis anhin hauptsächlich Liveaufnahmen gab, einen solchen Kurzfilm? «Wir wollten unsere Vision auch bildlich darstellen und einen tieferen Einblick in unser Universum und die Geschichten geben, die darin stattfinden», erklärt Sänger Lino Dumont. Und: «Aus reiner Freude an der Kreation.»

Viel Arbeit, viel Geld

Nachdem der Song im Studio eingespielt war, dauerten die Dreharbeiten vier Tage – in der Stadt Bern, auf dem Gurten, in der Elfenau und der Brunnmatt. Am vergangenen 8. Juni ging das Video schliesslich online. Trotz der finanziellen Unterstützung der Softwarefirma Apps with Love aus Bern sowie der Burgergemeinde Bern mussten die Musiker selbst noch «tief in die eigene Bandkasse greifen. Viel ist da am Ende nicht mehr übrig.» So liege auch ein Studioalbum – obschon ein grosser Traum – gegenwärtig nicht drin.

Ein Trost für alle Fans: «Wir planen aber sicher, weitere Songs zu veröffentlichen. Wann genau können wir momentan noch nicht sagen.» Doch Lino Dumont verspricht: «Die Geschichte von und um Revolting Puppets soll weitergehen und weitergeschrieben werden. Wie und in welcher Form – Musik, Film, Comic, Text – wird sich zeigen.»


www.revoltingpuppets.com

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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