Zum Hauptinhalt springen

Wie die Rumpelstilze eine Hippie-Hymne schufen

Ohne «D Rosmarie und i» von Rumpelstilz hätte Kuno Lauener vielleicht nie Songs geschrieben. Im Podcast «D'Rosmarie und mir» lebt die Zeit von 1976 noch einmal auf.

So verwegen Polo Hofer hier in die Kamera schaut, so verwegen war dieser Song: 1976 vertonten Rumpelstilz mit «D Rosmarie und i» die Sehnsucht nach einem Ausbruch aus dem bürgerlichen Leben.
So verwegen Polo Hofer hier in die Kamera schaut, so verwegen war dieser Song: 1976 vertonten Rumpelstilz mit «D Rosmarie und i» die Sehnsucht nach einem Ausbruch aus dem bürgerlichen Leben.
Christian Helmle
Klassische Rollenteilung: Schifer Schafer und eine junge Frau auf Privataufnahmen von 1976.
Klassische Rollenteilung: Schifer Schafer und eine junge Frau auf Privataufnahmen von 1976.
Christian Helmle
«Gold» für die LP «Füüf Narrre im Charre».
«Gold» für die LP «Füüf Narrre im Charre».
Keystone
1 / 5

Ein Hit klingt anders. Und doch ist «D Rosmarie und i» ein Song, der gut gealtert ist. Vor über 40 Jahren schrieben ihn Hanery Amman und Polo Hofer. Manche Leute beschäftigt das Lied bis heute. So wie Züri-West-Frontmann Kuno Lauener. «Ich habe den Song zum ersten Mal gehört, es war wie ein Blitz, er hat mein Leben verändert», sagt er im Podcast «D Rosmarie und mir», am selben Abend habe er seinen ersten Song geschrieben, «mit grünem Filzstift». Auch Pianist Christian Brantschen betont im Hörstück, dass «d Rosmarie» ihn zur Musik geführt habe: «Damals wurde für mich der Samen gesetzt, ich merkte, eigentlich möchte ich auch mal auf der Bühne stehen wie diese Jungs.»

«Ich habe den Song zum ersten Mal gehört, es war wie ein Blitz, er hat mein Leben verändert.»

Kuno Lauener im Podcast «D Rosmarie und mir»

«D Rosmarie und mir» ist eine stündige Hymne an dieses Lied, 1976 auf dem Album «Füüf Narre im Charre» von Rumpelstilz herausgegeben. Das Hörstück feiert am Wochenende im Rahmen des Podcast- und Radiofestivals Sonohr in Bern Premiere (siehe Box). Die Idee zu dieser Liebeserklärung hatten Radiomann Eric Facon und Tontechniker Darren Hayne. Aber eigentlich hätte es gar nicht «d Rosmarie» sein müssen.

So tönt der viel diskutierte Song: «D Rosmarie und i» erschien 1976 auf dem Rumpelstilz-Album «Füüf Narre im Charre». Video: Youtube/Elfenbeinturm

«Ich dachte mir, dass es lässig wäre, über einen Song zu reden. Einer, der in einer Zeit geschrieben wurde, die weit weg ist, aber uns heute noch etwas bedeutet», sagt Eric Facon. Der 61-Jährige war 1976 ein Teenager, er stand vor den Maturaprüfungen. «Es war ein heisser Sommer, wir gingen jeden Tag in die Badi.» Auf dem Transistorradio Rumpelstilz: «Kiosk», «Teddybär». Und später «D Rosmarie und i». «Ich fand den Song damals gar nicht so besonders toll», erinnert sich Facon, «eine Ballade mit langem Klavierintro halt.»

Gibt es Rosmarie?

In diese Zeit reisen Facon und Hayne nun zurück. Es sind persönliche Erinnerungen, Erinnerungen von Zeitzeugen, aber auch jüngere Leute reden darüber, was ihnen der Song bedeutet. Nur die vielleicht wichtigste Frage wird nicht abschliessend beantwortet: Gibt es Rosmarie? Eric Merz, damals Tontechniker von Rumpelstilz, erinnert sich im Podcast: «Polo sagte mir: ‹Nein, ich bin nie mit einer Rosmarie herumgereist. Ich glaube, ich war gar nie mit einer Rosmarie liiert.›» Allerdings gebe es eben viele Gerüchte zu Rosmarie, relativiert Eric Facon. Er sei sich nicht so sicher, ob es sie wirklich nicht gegeben habe.

Aber auch wenn Rosmarie eine Erfindung ist – sie ist eine schöne Erfindung. Eine Hippiefantasie. Ein Song, der die Sehnsucht nach einem Ausbruch aus dem Alltäglichen beschwört. Viele sollten danach folgen: «Campari Soda» etwa, oder «Bälpmoos». Doch «Rosmarie» war die Erste. «Es war die Zeit des Hippietums, lange Haare und so. Wenn man heute Bilder davon anschaut, kann man fast nicht glauben, dass wir so herumliefen», sagt der Thuner Fotograf Christian Helmle (aus dessen Privatarchiv auch die Bilder auf dieser Seite stammen) im Podcast.

Eine Frage des Tonfalls

Der Zugang von Facon und Hayne für dieses Hörstück ist ein persönlicher, auch weil die beiden oft amerikanische Podcasts hören, die als Vorbild im deutschsprachigen Bereich gelten. «Es ist eine Frage des Tonfalls, man muss eine gewisse Intimität herstellen», sagt Facon. Deshalb sei die Herangehensweise auch ganz anders als beim Radiomachen, wo man möglichst neutral berichte.

«Ich spiele ‹d Rosmarie› ja immer noch, ich muss sie an jedem Konzert spielen.»

Hanery Amman? im Interview wenige Wochen vor seinem Tod.

«D'Rosmarie und mir» ist ein Eintauchen in eine längst vergangene Zeit. Eine Zeitreise, die die Älteren schwelgen und die Jüngeren eher staunen lässt. Und zuletzt gibt es ein herzerwärmendes Gespräch mit Hanery Amman. «Ich hatte Hemmungen, Hanery zu kontaktieren, denn ich wusste, dass er krank ist», sagt Eric Facon. Dass er es dennoch tat, ist dem Musiker Schifer Schafer, auch er ein Ex-Rumpelstilz-Mitglied, zu verdanken. «Er meinte zu mir, er sage nichts, wenn nicht Hanery auch etwas sage.» Also rief Eric Facon eines Tages Ende November Hanery Amman an.

Im Podcast hört man Amman lachen. «Was wosch de mit däm?», fragt er Facon. Und dann: «Ich spiele ‹d Rosmarie› ja immer noch, ich muss sie an jedem Konzert spielen.»

Am 31. Dezember 2017 starb Hanery Amman. Das Gespräch mit Eric Facon einige Wochen zuvor war sein letztes Interview. Polo Hofer ging schon im Sommer zuvor. Aber «d Rosmarie», sie lebt weiter.

Premiere: Sa, 23. Februar, 20 Uhr, Kino Rex, Bern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch