Weltstars in Chäsiz

Soundcheck

Im Ride-In in Kehrsatz traten die Krüger Brothers auf – Country-Superstars aus der Schweiz.

Die Krüger Brothers in der Westernkneipe in Chäsiz.

Die Krüger Brothers in der Westernkneipe in Chäsiz.

(Bild: Urs Wüthrich)

Es ist ein flach gezogenes, nicht wirklich schmuckes Gebäude, das einsam an der Seftigenstrasse 400 in Kehrsatz steht. Im hinteren Teil, ab von der Hauptstrasse, halten sich mehrere Dutzend gut gelaunter Menschen auf (U-20 bis Ü-70), die meisten mit einem Glas in der Hand. Sie stehen vor dem Ride-In. Einer Bar im Westernlook. Vor dem Eingang die Warnung: «Harley parking only – all others will be crushed». Es steht keine da, bloss ein altes Militärvelo.

Eigentlich ist das Ride-In nur freitagabends geöffnet, dann werden regelmässig Konzerte gegeben, aber heute ist ein besonderer Tag. Weltstars sind angekündigt: die Krüger Brothers aus den USA. Kurz vor 20 Uhr ist die Bar zum Bersten voll. Auf knapp 100 Quadratmetern stehen knapp 100 Leute, einige an der langen Bar, die meisten drängeln sich um ein paar Stehtische. Der grosse Spiegel hinter der Theke gaukelt ein grösseres Lokal vor. Auf der winzigen Bühne kleine Verstärker, ein fünfsaitiges Banjo, akustischer Bass, akustische und E-Gitarre.

Geschäftsführer Ueli Bauen – einer von zehn Leuten, die das Ride-In seit 2008 betreiben – kündigt die Krüger Brothers an: «Es ist für uns eine grosse Ehre, es sind Weltstars und nicht nur virtuose Musiker, sondern auch herzliche Menschen.» Es sind: Jens Krüger (57, Banjo), Uwe Krüger (55, Gitarre) und Joel Landsberg (59, Bass). Meister des Bluegrass, des Folk, des Americana-Styles und wie die musikalischen Schubladen sonst noch heissen mögen. Aber die Krügers lassen sich nicht schubladisieren. «Wisst ihr, was Countrymusik ist?», fragt Jens Krüger das Publikum. Schweigen. «Drei Gitarrenakkorde und die Wahrheit, das ist Countrymusik.» Die Krügers beherrschen mehr als drei Akkorde. Ihre Stücke – «drei Viertel sind Eigenkompositionen, der Rest Standards», sagt Uwe Krüger – sind auch bluesig und poppig. Die herzzerreissende Ballade «Harder Than Steel» drückt auf die Tränendrüse, während Ralph McTells 1974er-Hit «Streets of London» den reiferen An­wesenden ein «Weisch no?» entlockt.

Jens Krüger irritiert das Publikum. Er spielt auf seinem Banjo Deep Purples «Smoke on the Water» an, bricht aber bereits nach zwei Takten ab und beginnt das gleiche Spiel mit dem Song «Dueling Banjos» aus dem US-Streifen «Delive­rance». Auch das endet, kaum hat es begonnen. Dann aber legt er richtig los und spielt mit irrwitziger Geschwindigkeit das Publikum mit einer Eigenkomposition schwindlig.

Pause. «Je mehr ihr trinkt, desto besser spielen wir», sagt Banjo-Gott Krüger, der 2013 in den USA als bester Banjo-Spieler ausgezeichnet wurde. Besser kann man nicht spielen, nur anders. Zwar leben die Krügers in North Carolina, ihren Aargauer Dialekt aber haben sie behalten. Aufgewachsen in Rothrist, begannen sie als Strassenmusiker quer durch Europa. 1997 wurden sie an ein Festival in den USA eingeladen, 2002 wanderten sie aus. Seither haben sie unzählige Preise eingeheimst, waren Gast bei der David-Letterman-Show. Letzten Sonntag gewannen sie mit Maja und Carlo Brunner den Prix Walo in der Kategorie Blues, Country und Rock.

Übrigens: Im Ride-In sind die Krüger Brothers bereits zum sechsten Mal aufgetreten. Eingefädelt hatte dies 2014 eine Kollegin des Geschäftsführers Ueli Bauen, die die Krügers seit Jahren persönlich kennt.

Berner Zeitung

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