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Was die Innere Enge mit New York verbindet

Virtuos, aber etwas steif: Die junge US-Pianistin Connie Han gastierte in Bern in Marians Jazzroom.

Spielte schon Klavier, als sie fünf Jahre alt war: Die US-Pianistin Connie Han.
Spielte schon Klavier, als sie fünf Jahre alt war: Die US-Pianistin Connie Han.
zvg

Marians Jazzroom im Hotel Innere Enge ist eine Art New Yorker Enklave in Bern. Solch gepflegte Jazzclubs mit regelmässigem Programm durch die Woche findet man sonst eigentlich nur in Grossstädten, und auch hier muss man sie oft lange suchen.

Doch Bern ist eben nicht New York, und auf «Laufkundschaft» kann Marians nicht zählen. So war die Spätshow der Pianistin Connie Han am Freitag nur spärlich besucht – obschon die US-Amerikanerin mit chinesischen Wurzeln in der Szene als neuer Stern am Jazzhimmel gehandelt wird.

Apropos Szene: Ein Blick auf die Website der Musikerin zeigt, wo sie sonst so spielt: im Birdland Club New York oder dem Blues Alley in Washington D.C.

Connie Han lässt sich von der überschaubaren Publikumskulisse nicht aus der Ruhe bringen. Ohnehin scheint sie eher zum Typ der reserviert-konzentrierten Künstlerin zu gehören.

Ihre Ansagen zwischen den Songs sind knapp, informativ und ziemlich steif, während der Songs gibt es kaum einen Austausch mit ihren beiden Begleitern. Jedenfalls keinen, der über das musikalische Zusammenspiel hinausgeht. Man sieht die Pianistin an diesem Abend kaum lächeln.

Trotz ihrer erst 23 Jahre verfügt Connie Han bereits über ein breites Wissen in Sachen Jazz, und eine stupende Technik. Seit ihrem 5. Lebensjahr spielt sie Klavier. Nach einem Start mit klassischer Musik war es der Schlagzeuger Bill Wysaske, der sie an einer Musikhochschule in L.A. definitiv zum Jazz brachte.

So klingt das Connie Han Trio: Der Song heisst «Southern Rebellion». Video: Youtube/Mack Avenue

Der Mentor ist auch in Marians dabei, ein virtuoser, etwas dominanter Drummer, der einen «summenden» Stil pflegt: Während er seine vertrackten Rhythmen mit der Routine des Profis schlägt, singt und scattet er nonstop vor sich hin.

Auch er scheint mehr mit sich selber beschäftigt zu sein als mit dem Trio, bei dem er spielt. Die frühe Zusammenarbeit mit dem Drummer hat Connie Hans Spiel geprägt. Es ist perkussiv und vorwärtstreibend, fürs Luftholen bleibt da wenig Zeit.

Die Melodien des American Songbook variiert und umspielt die junge Musikerin mit beeindruckender Präzision, ohne Hang zum Verschnörkeln und Verzieren. Sie zitiert ihre Vorbilder McCoy Tyner, Kenny Baron und Art Tatum – aber auf eigenständige Art. Dass ihre Mischung aus traditionellem und modernem Jazz mehr ist als blosses «copy paste», liegt auch daran, dass Connie Han eine talentierte Songwriterin ist.

Nicht nur die Songtitel wie «Southern Rebellion», «Grüvy» und «Mr. Dominator» sind kreativ. Dass sich in dieser Winternacht dennoch keine richtig vorweihnächtliche Konzertstimmung einstellen will, liegt an der strengen Präsentation. Punkto Entertainment gibt es durchaus noch Luft nach oben.

Diese Woche im Marians: Tina Brown & The Gospel Messengers.

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