Verloren zu zweit

Angus & Julia Stone sind eines der bezauberndsten Bruder-Schwester-Duos der Musikwelt. Nachdem Starproduzent Rick Rubin die beiden Australier 2014 zu Hochform angetrieben hat, enttäuscht das Nachfolgewerk «Snow» weitgehend.

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Angus & Julia Stone – Snow. Quelle: Youtube/AngusJuliaStoneVEVO

Nein, Schnee ist definitiv nicht das Erste, was man mit Angus und Julia Stone in Verbindung bringt – schliesslich stammen die beiden aus der Nähe des subtropischen Sydney in Australien und haben sich mit wunderbar warmen, melancholisch-folkigen Songs in die Herzen einer grossen Fangemeinde rund um den Globus gesungen. Darf man sich also auf Überraschungen einstellen, wenn sie ihr viertes gemeinsames Album «Snow» nennen?

Nun, vorwegzunehmen ist, dass es grundsätzlich schon ein wenig überrascht, dass die Geschwister überhaupt noch zusammen Musik machen. Eigentlich wollten Angus und Julia Stone vor ein paar Jahren musikalisch getrennte Wege gehen, waren mit Soloprojekten beschäftigt. Doch dann kam Rick Rubin. Und wirkte Wunder.

Der renommierte Produzent, der von Johnny Cash über die Red Hot Chili Peppers bis Jay-Z schon der halben Musikwelt neue Impulse verlieh, wollte unbedingt mit dem Duo arbeiten, führte Angus und Julia wieder zusammen. Zu dritt schafften sie es, auf dem schlicht «Angus & Julia Stone» betitelten, 2014 veröffentlichten Werk, die Melancholie und Melodieseligkeit mit einer immer wieder fesselnden Dringlichkeit zu verbinden. Es war das bisher beste Album der beiden Stones. Und das erfolgreichste – auch hierzulande, mit Platz 3 in den Charts.

Fortsetzung im Hüttenstudio

Der Hunger nach weiteren gemeinsamen Taten war offensichtlich geweckt. Doch für das Nachfolgewerk wählten Angus und Julia Stone einen ganz anderen Ansatz. Sie nahmen im eigenen Studio auf und produzierten sämtliche Songs selber. Julia ­Stone schwärmt von den Sessions im abgelegenen Hüttenstudio ihres Bruders: «Es war ziemlich magisch, denn Angus und ich haben noch nie so viel Zeit miteinander verbracht, nur wir zwei.» Acht Wochen lang gab es bloss die beiden Geschwister, die Ruhe auf dem Land und die Musik.

Fulminanter Fehlstart

«Running from the start and here we are again», lautet die allererste Textzeile auf dem daraus resultierenden Album. Hier sind sie wieder, die beiden, wechseln sich auf dem Titelstück beim Singen munter ab, doch ein fulminanter Start klingt anders. Das verraten schon die exzessiven «Lalalalala», der etwas lieblose Computerbeat.

Und so ist «Snow» nicht mehr als ein durchschnittlicher Stone-Song. Auch in der Folge kommen die Geschwister kaum in die Gänge. In «Oakwood» wird die Gitarre eine Spur ruppiger, der Gesang eine Prise leidenschaftlicher, aber richtig zu packen vermag auch das nicht: Es fehlt die zwingende Melodie. «Chateau» ist verhalten lüpfig, dabei repetitiv und ein bisschen langweilig.

Wo bleibt die Magie?

Mitunter verlieren sich Angus & Julia Stone in wenig konzisen Liedern («Make It out Alive») oder klingen abwechselnd ­weinerlich und quäkig («Sleep Alone»). Auch «Bloodhound» beisst nicht zu. Und «Sylvester Stallone» hat keinen Punch. Nur selten springt die von Julia Stone betonte Magie der Aufnahmezeit auf die Zuhörenden über, etwa im intim-traurigen «Nothing Else». Doch ansonsten gilt: «Snow» lässt einen über weite Strecken schlicht kalt.

Angus & Julia Stone: «Snow», Vertigo/Universal, erscheint am Freitag. Live: 26. Oktober, Samsung Hall, Zürich; 28. Oktober, Arena, Genf. Vorverkauf: www.ticketcorner.ch. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 11.09.2017, 14:27 Uhr)

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